Häuser in Korbach: St. Kilian

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Christus auf dem Regenbogen

Ein Wahrzeichen der Korbacher Altstadt ist zweifellos die Kilianskirche. Sie wurde nach dem Heiligen Kilian benannt. Dem aus Irland stammenden Heiligen und um 689 ermordeten Bischof von Würzburg widerfuhr in Korbach wohl deshalb solche Ehre, weil der Ittergau, in dem Korbach früher gelegen war, für kurze Zeit zum Bistum Würzburg gehörte. Baubeginn der Kirche war 1335. Sie wurde 1450 fertiggestellt und eingeweiht. Weil dieser monumentale Bau weitgehend in Handarbeit errichtet werden musste, und mitunter fehlende finanzielle Mittel zu Bauunterbrechungen führten, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Korbacher 115 Jahre an diesem Gotteshaus gebaut haben. Die Finanzkraft der Einwohner war bis zum Letzten in Anspruch genommen, da ja fast gleichzeitig auch die Nikolaikirche errichtet wurde.

Der Bau der Kilianskirche begann zunächst mit dem Chor, dann folgte der Turm, der 1392 vollendet war. Erst 1388 konnte man mit dem Bau des Mittelschiffs beginnen. Zwischen Chor und Turm stand bis dahin eine alte, kleinere Kirche, die vermutlich in den ersten Jahrzehnten nach Baubeginn noch benutzt wurde. Die zum Marktplatz weisende Südseite der Kirche sollte nach dem Willen der Planer und Erbauer besonders repräsentativ ausfallen. So wurde hier ein prachtvolles Portal geschaffen. Zwischen den beiden hohen Türen steht auf einem Mittelpfeiler eine Marienstatue mit Christuskind. Im Spitzbogenfeld (Tympanon) über dem Türsturz finden wir in einem Flachrelief die eindrucksvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts. Christus thront als der Weltenrichter auf einem Regenbogen, über sich zwei Engel, die mit Posaunen das Gericht einleiten. Unter der überragenden Christusfigur finden wir auf der einen Seite Maria, auf der anderen Seite Johannes, beide fürbittend in kniender Demutshaltung. Zu Füßen des erhöhten Christus sehen wir in einer sehr realistischen Darstellung fünf geöffnete Gräber mit Verstorbenen, die gerade aus dem Todesschlaf erwachen. Das Relief wurde aus braunem Sandstein gemeißelt, Christuskopf und Posaunenengel jedoch aus hellem Kalkstein. Den Meisterbildhauer kümmerte dieser Kontrast damals wenig, wurden doch solche Reliefs in der Regel mit Farbe übertüncht.

In den Seitenwänden finden wir auf gotischen Postamenten die Statuen einiger Heiliger: links Bartholomäus, Paulus und Petrus, rechts die heilige Anna (Mutter Marias), die heilige Katharina und Johannes. Die nach oben spitz zulaufenden Archivolten sind bestückt mit kleineren Figuren. In der äußeren Nische sehen wir vierzehn Heilige, in der mittleren die zwölf Apostel und innen zehn Engel. In den seitlichen Strebepfeilern befinden sich Figurennischen, die jedoch zum Teil leer sind. Die vorhandenen Figuren werden nach oben hin immer größer. Am oberen Ende der Nischen stehen mannshohe Statuen, links der heilige Kilian als Schutzpatron, ein Modell dieser Kirche auf dem Arm, und rechts ebenfalls eine Bischofsfigur in gleicher Größe. Darin sehen manche Beschauer den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Kaufleute und Namengeber der Neustädter Kirche, andere jedoch einen Paderborner Bischof. An der Giebelspitze des Portals befindet sich eine Halbfigur, einen Mann darstellend, der seinen Kopf auf die rechte Hand stützt. Vermutlich hat sich hier der Bildhauermeister selbst ein Denkmal gesetzt. Das Südportal der Kilianskirche entstand um 1420 in einer Korbacher Bildhauerwerkstatt. Die verschiedenartige Ausführung der einzelnen Statuen, Statuetten und Ornamente lassen darauf schließen, dass hier mehrere Bildhauer am Werke waren. Es muss wohl einen Hauptmeister gegeben haben, von dem der Entwurf und die am besten durchgearbeiteten Figuren stammen, mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Anbetungsgruppe und der Pulthalter im Inneren der Kirche.

Eine über der Marienfigur eingemeißelte Jahreszahl weist darauf hin, dass das Portal 1632 unter Vizebürgermeister Johann Botterweg erstmals restauriert wurde. Bei einer Renovierung 1935/36 erwiesen sich einige Figuren durch Umwelteinflüsse derart stark geschädigt, dass sie durch Nachbildungen ersetzt werden mussten. Die Originale befinden sich seitdem im Museum oder im Inneren der Kirche. So repräsentativ und beeindruckend das Südportal auch sein mag, für die Kirchengemeinde war es im Laufe der letzten Jahre zum Sorgenkind geworden. Schädliche Umwelteinflüsse hatten den Steinfiguren arg zugesetzt. Ab 1997 war das Portal für drei Jahre durch einen Holzvorbau und Plastikplanen „eingehaust”. Wieder mussten einige der Heiligen durch Kopien ersetzt werden. Andere wurden durch Injektionen von Steinhärtermasse saniert in der Hoffnung, dass sie nun noch etliche Jahre durchhalten. Der Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden, die Landeskirche, das Amt für Denkmalpflege, nicht zuletzt auch spendenfreudige Korbacher Bürgerinnen und Bürger machten durch ihre finanziellen Zuwendungen diese kostenträchtige Restaurierung erst möglich. Im Spätsommer 2002 atmeten die Korbacher auf: Das Gerüst um den Turm konnte nach mehrjähriger Renovierungsarbeit wieder abgebaut werden.

Roland

Nicht unerwähnt bleiben sollte die seltsame Geschichte des Korbacher Roland, der als Symbolfigur für mittelalterliche Gerichtsbarkeit einst auf dem Altstädter Marktplatz gestanden haben soll. Es ist bekannt, dass die Waldecker Grafen immer bestrebt waren, die städtische Eigenständigkeit der Korbacher zu beschneiden. Diese befürchteten nun, dass man ihnen den Roland, der für sie auch ein Symbol der Unabhängigkeit war, entwenden könnte. Es wird erzahlt, dass man ihn kurzerhand verschwinden ließ und unter den Heiligen des Kiliansportals versteckte. Hier geriet er allmählich in Vergessenheit und fristete sein Dasein als heiliger Georg oder heiliger Mauritius. Erst 300 Jahre später wurde er wieder entdeckt und 1937 an seinen heutigen, Standort am Rathaus gebracht.