Händler und Lebesretter: Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 21. Januar 2012, 10:43 Uhr

Händler und Lebensretter

Die jüdische Familie Madelong und ihr über 100 Jahre alter Textilhandel

Ein Blick in die Zeit vor 1900: An der Ecke Kirchplatz/Lange Straße ist rechts im Bild das ehemalige Geschäft von Georg Madelong zu sehen. Repro: von Pezold

Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. Herz Moses Madelong erhielt als Jude im Jahr 1800 das Wohnrecht in Münden. Er betrieb eine Pfandleihe und einen Textilhandel und wurde der Stammvater der über fünf Generationen in der Stadt ansässigen Familie.

Seine beiden Söhne betrieben ebenfalls Geschäfte in Münden. Löser Herz Madelong hatte sein Textilgeschäft im Haus Nr. 68 an der Langen Straße.

Spende für die Armen

Der andere Sohn, Salomon, betrieb im Haus Burgstraße 13, das er 1844 erwarb, Finanzgeschäfte und Einzelhandel. Einmal spendete er der städtischen Armenkasse die nicht ganz unerhebliche Summe von drei Talern und 15 Gutegroschen, die bei seiner Geburtstagsfeier zusammengekommen war, sonst trat er aber wenig in Erscheinung. Als er im August 1860 sein Geschäft aufgab, stellte er sein gesamtes Warenlager meistbietend öffentlich zum Verkauf. Sechs Jahre später starb Salomon Madelong.

Sein Sohn Moritz Madelong gründete 1860 gemeinsam mit dem aus Hessen zugezogenen David Meyerhof, der bei Salomon Madelong Kaufmannsgehilfe gewesen war, im südlichen Eckhaus Lange Straße/Ägidienstraße ein Geschäft für Damen- und Herrenoberbekleidung und andere Textilien. Als sich die beiden Kompagnons acht Jahre später wieder trennten, setzte Moritz (Salomon) Madelong das Geschäft allein als Firma M.S.Madelong fort und verlegte es 1872 an den Markt Nr.4. Die Firma wurde 1887 geschlossen und das Haus verkauft.

Mutiger Sprung in die Fulda

Inzwischen hatte 1886 Moritz Salomon Madelongs Sohn Georg im Alter von 23 Jahren ein eigenes Herrenoberbekleidungs- und Textilgeschäft in der Langen Straße 61 (heute Stadtcafé) eröffnet. Zwei Jahre später berichteten die Mündenschen Nachrichten, dass er „mit eigner Lebensgefahr das 4jährige Söhnchen des Schlachtermeisters Friedrich Bühre von dem Tode des Ertrinkens“ aus der Fulda gerettet hatte, wofür ihm der Vater durch die Zeitung öffentlich dankte.

Im Februar 1894 verlegte er sein Geschäft in das Haus Lange Straße 46 und erweiterte gleichzeitig das Sortiment um Schuhwaren. Im August 1898 eröffnete er ein Zweiggeschäft in Bernburg an der Saale, was im Vorfeld zu anscheinend böswilligen Gerüchten Anlass gab, er wolle sein Geschäft in Münden aufgeben.

Zu einer neuerlichen Geschäftsverlegung in Münden kam es Anfang Dezember 1900, nachdem er das Haus Lange Straße Nr. 84 erworben hatte. Ebenerdig lag der Laden mit zwei Schaufenstern. Die beiden Obergeschosse wurden regelmäßig vermietet.

Elegantes und Arbeitskluft

Das Angebot war breit gefächert und reichte von Mänteln und Joppen über elegante Herrenanzüge, preiswertere Konfektion und Knabenoberbekleidung bis zu „Arbeitergarderobe für jedes Gewerbe“ und Hüten. Bei dem nicht so großen Angebot an Schuhwaren führte er auch Damenschuhe. Georg Madelong starb ganz plötzlich im Juli 1924 im 59. Lebensjahr.