Gut Freienhagen: Unterschied zwischen den Versionen

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Bis zum Bau der A44-Brücke über die Fulda verband die Familie vor allem Ruhe und Geborgenheit mit dem Haus. "Hier haben zeitweise vier Generationen gewohnt", erzählt die Hausherrin und Mutter von fünf Kindern, die sich seit Jahren bei den Landfrauen engagiert. Freienhagen sei allen stets "wie ein warmes Nest neben der der Stadt" erschienen.
 
Bis zum Bau der A44-Brücke über die Fulda verband die Familie vor allem Ruhe und Geborgenheit mit dem Haus. "Hier haben zeitweise vier Generationen gewohnt", erzählt die Hausherrin und Mutter von fünf Kindern, die sich seit Jahren bei den Landfrauen engagiert. Freienhagen sei allen stets "wie ein warmes Nest neben der der Stadt" erschienen.
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[[Kategorie: Nordhessen]]

Version vom 21. Februar 2007, 15:56 Uhr

Vom Lustschloß zum Familiensitz

Das an der Fulda gegenüber Bergshausen gelegene Gut Freienhagen war in landgräflichem Besitz, bevor es landwirtschaftlich genutzt wurde. Eine Betriebsgemeinschaft führt es heute.

Kurz vor Weihnachten setzte die Gutsbesitzerin mit der Fähre über die Fulda, um die Bergshäuser Schulkinder zu beschenken. Im Gepäck hatte die zwar wohlhabende, aber wie eine Magd gekleidete Frau kleine nützliche Gaben und Eintrittskarten für die Weihnachtsmärchen des Kasseler Staatstheaters. Auch der Kirche und der Gemeinde war die Freienhagenerin wohl gesonnen. So konnten dank ihrer großzügigen Spenden eine neue Glocke angeschafft und später das Wassernetz in Dennhausen erneuert werden.

Elisabeth Fischer, Tochter des bekannten Bremer Reeders Rickmers und Großmutter des heutigen Gutsbesitzers, war eine sozial eingestellte Frau. Ihre Familie hielt sie dagegen kurz, "die mußte sich erst bewähren", erzählt der Enkel. Zusammen mit ihrem aus Breslau stammenden Ehemann Felix-Michael hatte Elisabeth Fischer das am Fuldaufer gelegene Gut 1897 von einem Amerikaner erworben, um es zu bewirtschaften. Für gesellschaftliche Verpflichtungen und Theaterbesuche unterhielt die Familie in Kassel zudem ein Stadthaus.

In Freienhagen wurden vor allem Obst und Gemüse angebaut. Rund ein Dutzend Menschen hatte Arbeit auf dem Hof, hinzu kamen Tagelöhner, Hauspersonal, Gärtner und Chauffeur. Letzteren hatte der Bremer Reeder seiner Tochter samt Automobil überlassen. Beides, so erzählt der heutige Hausherr auf Freienhagen, Felix von Hertell, habe man Kaiser Wilhelm bei seinen Besuchen in Wilhelmshöhe zur Verfügung gestellt, da er seinen eigenen Fuhrpark in Berlin gelassen habe.

Doch das ist nicht die einzige Verbindung des Hauses zur Monarchie. Lange Zeit diente Freienhagen, erstmals 1346 als Wüstung Frienhayn erwähnt, als landgräfliches Lustschloss. Im Jahr 1346 verkauften die Gebrüder Otto und Hermann von Hund sowie Otto und Albrecht von Holzhausen Freienhagen an Landgraf Heinrich von Hessen.

Moritz der Gelehrte erbaute hier später einen Hof, den er seiner Gemahlin Juliane zum Geschenk machte. 1651 kaufte der Hofmeister und Oberleutnant Hans-Heinrich Hund, genannt Canis, das Gut und baute es um.

Nach einem weiteren Besitzerwechsel gelangte es 1702 wieder in landgräfliche Hände. Karl von Hessen putzte den Hof heraus, machte ihn zu einem herrschaftlichen Anwesen, das er durch einen Fahrweg mit der von ihm geschaffenen Karlsaue in Kassel verband.

Damaliges Prunkstück: ein weitläufiger Park, der sich in Terrassen den Berg hinaufzog und den der Landgraf unter anderem von 50 Soldaten anlegen ließ. Mit seinem alten Baumbestand ist der fünf Hektar große Park noch immer ein Kleinod, obwohl er längst seine ursprüngliche Gestalt verloren hat. Statt einer Armada von Gärtnern kümmert sich der Hausherr allein um die Anlage. "Der Park ist mein Hobby geworden", sagt Felix von Hertell.

Mit seiner Frau Barbara bewirtschaftete er von 1955 bis 1992 den Hof, ein 160-Hektar-Betrieb, halb Wald, halb Ackerland, zu dem auch der Reiterhof an der Dennhäuser Straße gehörte. Zuerst als Pächter, später als Eigentümer von Freienhagen. Der Vorgänger hatte alle Hilfskräfte mitgenommen, bis auf einen Russen namens Allim, der schon lange auf dem Hof war und sich um den Kuhstall kümmerte, und einen weiteren Mann. Der damals schon betagte Allim blieb bis zu seinem Tod auf Freienhagen.

Felix von Hertell, der in der Schweiz und in Schweden Berufserfahrung gesammelt hatte, modernisierte den Betrieb nach und nach. Er schaffte die Kuhhaltung ab, spezialisierte sich auf Getreideanbau, kaufte Landmaschinen. Heute wird das Gut von Sohn und Schwiegersohn in einer Betriebsgemeinschaft geführt.

Bis zum Bau der A44-Brücke über die Fulda verband die Familie vor allem Ruhe und Geborgenheit mit dem Haus. "Hier haben zeitweise vier Generationen gewohnt", erzählt die Hausherrin und Mutter von fünf Kindern, die sich seit Jahren bei den Landfrauen engagiert. Freienhagen sei allen stets "wie ein warmes Nest neben der der Stadt" erschienen.