Gottstreu: Unterschied zwischen den Versionen

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* Jochen Desel, Hugenottenkichen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992, S. 100 ff.
 
* Jochen Desel, Hugenottenkichen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992, S. 100 ff.
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Ende, Thomas u.a., Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh 1722-1997, Oberweser 1997, 503 S.
  
 
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Version vom 1. November 2007, 10:34 Uhr

Kirche Gottstreu.jpg
Waldenserkirche in Gottstreu

Gottstreu ist ein Dorf in Nordhessen mit etwa 380 Einwohnern.

Zu dem ehemals selbständigen Ort gehörte der Ortsteil Weißehütte.

Gottstreu und Weißehütte gehören seit der hessischen Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre zur Gemeinde Oberweser.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich damals die bis dahin selbständigen Gemeinden Arenborn, Gewissenruh, Gieselwerder, Gottstreu und Oedelsheim zur neuen Gesamtgemeinde Oberweser zusammen. Am 1. August 1972 kam Heisebeck hinzu.

Geschichte

Besiedlungstafel in Gottstreu

Aus der Ortsgeschichte

Der Ort wurde im Jahre 1722 von waldenser Glaubensflüchtlingen aus Frankreich - an der Stelle einer alten Glashütte - als eine von Landgraf Carl von Hessen-Kassel neu gegründete "Kolonie" angelegt, ebenso wie das weiter nördlich gelegene Dorf Gewissenruh. Der "Besiedelungsstein" in Gottstreu erinnert heute an die ersten Siedler.

Schon im Jahre 1698 wurden ca. 2.700 französischen Waldenser aufgrund des Ausweisungsediktes vom 1. Juli 1698 durch den Herzog von Savoyen aus ihrer Heimat vertrieben. Sie fanden zunächst Zuflucht in der Schweiz. wo nur wenig Möglichkeiten bestanden, die Flüchtlinge auf Dauer anzusiedeln.

Die französischen Waldenser zogen weiter nach Hessen, andere Gruppen, wie die piemontesischen Waldenser aus dem Perosatal ins Herzogtum Württemberg oder in die Markgrafschaft Baden-Durlach. Die Zuwanderer trafen hier oft auf zerstörte und entvölkerte Landstriche: besonders der Dreißigjährige Krieg hatte mit Zerstörungen, Seuchen (Pest) und Hungersnöten viele Tote gefordert.

Die Dorfgründung in Gottstreu erfolgte im Jahr 1722, die Kirche in der Dorfmitte kam 1730 hinzu. Zunächst war für die Gottesdienste der Gemeinden in Gewissenruh und Gottstreu die Kirche in Gieselwerder vorgesehen.

Der spätere Plan, für die beiden Waldensergemeinden in Gewissenruh und Gottstreu eine gemeinsame Kirche nach den Plänen des Karlshafener Baumeisters Friedrich Conradi zu errichten, wurde nicht weiter verfolgt.

Die Kirche in Gottstreu

Waldensertafel am Museum Gottstreu

Der kleine Saalkirchenbau in Gottstreu - aus verputztem Wesersandstein - wurde im Jahre 1730, dem Todesjahr von Landgraf Carl fertiggestellt.

Die Inschrift über dem Eingang verweist sowohl auf Landgraf Carl (Carolus Hassorum Landgravius) als auch seinen Nachfolger Landgraf Friedrich I., der gleichzeitig König von Schweden war (Fridericus Rex Suedorum).

Das Kirchengebäude mit rechteckigem Grundriss ist nach französisch-reformierter Tradition als schlichte Predigtkirche gestaltet.

Im Kircheninnern befindet sich an der westlich gelegenden Seite - hinter dem aus Balken gefertigten Altartisch - die erhöhte Kanzel (etwa aus dem Jahr 1730), auf der gegenüber gelegenen Seite die Orgelempore über dem Eingangsbereich der Kirche.

Auf dem Dach der Kirche wurde ein viereckiger, schiefergedeckter Dachreiter mit Wetterfahne errichtet.

Noch bis zum Jahr 1825 feierte die Waldensergemeinde in Gottstreu die Gottesdienste in französischer Sprache.

Literatur

  • Jochen Desel, Hugenottenkichen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992, S. 100 ff.

Ende, Thomas u.a., Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh 1722-1997, Oberweser 1997, 503 S.

Lage

Gottstreu liegt nördlich von Kassel am Reinhardswald und links der Weser. Bis Hann. Münden (weseraufwärts) sind es etwa 25 Kilometer, bis Bad Karlshafen (weserabwärts) etwa 18 Kilometer.

Am Ort führt die Bundesstraße B 80 vorbei.

Die Städte Kassel im Süden und Göttingen im Osten liegen beide etwa 40 km entfernt.

Museum

Waldensermuseum in Gottstreu

Das Waldenser-Museum in der Waldenser Str. 1 im ehemaligen Schulhaus von Gottstreu (gegenüber der Kirche) informiert über den langen Weg der waldenser Glaubensflüchtlinge vom Val Cluson (in den Cottischen Alpen) bis an die Oberweser und die Geschichte der 1722 gegründeten "Franzosendörfer" Gewissenruh und Gottstreu.

Zumindest in der Zeit ab dem 1. Mai ist das Museum jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit kann auch die benachbarte Kirche besichtigt werden.

Dem Verein der "Waldenserfreunde Gottstreu/ Gewissenruh e. V." (gegründet 1993) ist es besonders zu verdanken, dass die waldensische Tradition am Ort lebendig geblieben ist.

Radwandern

Fulda-Weser-Radweg

Gesamtlänge: 255 km: Bad KarlshafenGewissenruhGieselwerderGottstreuWeißehütteReinhardshagen - VeckerhagenVaakeHann. MündenWilhelmshausenWahnhausenFuldatalKasselBergshausenFuldabrückBaunatal/ RengershausenBaunatal/ Guntershausen - GuxhagenBüchenwerraGrebenauWagenfurthMelsungenMalsfeldBeiseförthBinsförthMorschenBaumbachBraachRotenburgBreitenbachBlankenheimMecklarFriedlosBad HersfeldKohlhausen – Kesperhausen – Mengshausen – Solms – Unter-Schwarz – Queck – Hutzdorf – Pfordt – Harteshausen – Lüdermünd – Kämmerzell – Gläserzell – Fulda – Gersfeld.

Weser-Radweg

Aus Richtung Hann. Münden (Start) verläuft der Weser-Radweg entlang der Weser bis nach Oberweser (25,0 km) und von dort weiter nach Lippoldsberg (30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) und Bad Karlshafen (45,0 km). Von dort schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

Übernachtungsmöglichkeiten

Hotels/ Gasthäuser

Jugendherbergen

siehe auch

Weblinks



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WappenLkKassel.jpg

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