Gedenkstätte Breitenau

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klosteranlage in Breitenau

Das Konzentrationslager Breitenau wurde am 15. Juni 1933 im Bereich des Klosters Breitenau in Guxhagen bei Kassel für sogenannte politische Gefangene eingerichtet.

= Geschichte

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933, setzte bald im ganzen Deutschen Reich eine Verhaftungswelle ein. Innerhalb kürzester Zeit wurden Zehntausende politische Gegner festgenommen und in so genannte "Schutzhaft" genommen. Die Verhafteten wurden weder verurteilt, noch wurden Haftbefehle gegen sie erlassen.

Bereits im Frühjahr 1933 wurden erste Konzentrationslager eingerichtet, um die "Schutzhäftlinge" unterbringen zu können. Insgesamt entstanden siebzig solcher "frühen Konzentrationslager". Für die Gefangenen aus dem Bereich des Regierungsbezirks Kassel entstand das Lager in Breitenau am 15. Juni 1933.

Zunächst wurden Unterkünfte im Mittelschiff der ehemaligen Klosterkirche eingerichtet. Die Gefangenen waren unmittelbar hinter der Orgelwand der Gemeindekirche auf Strohlagern und Holzbetten in großen Schlafsälen untergebracht. Außerdem gab es Unterkunftsräume für die Wachmannschaften, die zunächst SA-Männer, später SS-Männer waren. Als das Kirchenmittelschiff für die Unterbringung nicht mehr ausreichte, wurde das so genannte "Landarmenhaus" hinzugenommen und als Block II bezeichnet. Von Juni 1933 bis März 1934 waren in Breitenau nachweislich 470 politische Gefangene aus 139 hessischen Gemeinden inhaftiert.

Vom Sommer 1940 bis zum Kriegsende 1945 wurde in Breitenau ein so genanntes Arbeitserziehungslager betrieben, das der Kasseler Gestapo unterstand. Bis zum Kriegsende waren hier etwa 8.300 "Schutzhäftlinge" inhaftiert. Darunter auch mindestens 200 Frauen.

Von Breitenau aus wurden aber auch jüdischgläubige Deutsche weiter in die Konzentrationslager Dachau und Auschwitz deportiert. Breitenau war für diese Konzentrationslager Sammellager. Noch während der Haftzeit wurde entschieden, ob ein Gefangener entlassen oder in ein SS-Konzentrationslager weiter deportiert wird. Jeder fünfte Gefangene wurde von Breitenau aus in Sammeltransporten in die SS-Konzentrations- und Vernichtungslager gebracht.

Das so genannte "Arbeitserziehungslager" wurde am Gründonnerstag, dem 29. März 1945 von der Gestapo "aufgelöst". Die Gefangenen wurden in großen Gruppen aus dem Lager fortgebracht. Bevor die Gestapo- und SS-Männer Breitenau vor den Amerikanern flohen, wurden von ihnen 28 Gefangene am Fuldaberg erschossen. Am Ostersamstag erreichten die amerikanischen Truppen das Lager Breitenau und befreiten einige verbliebene Gefangene. Wenige Aufseher waren noch geblieben, sie wurden festgenommen. Drei Wochen später entdeckte ein ehemaliger Gefangener das Massengrab am Fuldaberg und führte die Amerikaner dorthin. Die Leichen wurden auf dem Anstaltsfriedhof am 25. April 1945 feierlich beerdigt.

Gedenkstätte Breitenau

Ehemalige Zehntscheune, heute Gedenkstätte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde über die Nazizeit weitestgehend der Mantel des Schweigens gehüllt. In der Festschrift zur 600-Jahrfeier Guxhagens wurde die Funktion Breitenaus während der Nazi-Zeit mit keinem Wort erwähnt. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde das Thema durch den Fund einer Gefangenenakte wieder aufgenommen.

Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Benediktinerklosters Breitenau (in der früheren Zehntscheune) die Gedenkstätte Breitenau. Sie wurde im August 1984 von der Gesamthochschule Kassel mit Unterstützung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen eingerichtet.

In der Gedenkstätte erinnert seit 1992 eine Vitrine mit Briefen und weiteren Erinnerungsstücken an Lilli Jahn, die lange Jahre in Immenhausen (ehemals Kreis Hofgeismar) und Kassel gewohnt hat. Sie war die Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie, Ärztin und Mutter von fünf Kindern, darunter der ehemalige Bundesjustizminister Gerhard Jahn.

siehe auch

Literatur

  • Dietfrid Krause-Vilmar, Stephan von Borstel: Breitenau 1933-1945. Bilder - texte - dokumente – images - texts - documents. Zweisprachig (deutsch/englisch). Kassel University Press 2008, ISBN: 978-3-89958-357-1
Auch als PDF zum Download (8,7 MB): http://www.upress.uni-kassel.de/online/frei/978-3-89958-357-1.volltext.frei.pdf
  • Dagmar Bussiek, Simona Göbel (Hrsg.): Kultur, Politik und Öffentlichkeit. Festschrift für Jens Flemming.

Weblinks