Friedrichsplatz

Aus Regiowiki
Version vom 23. April 2008, 23:04 Uhr von 87.78.114.140 (Diskussion) (Architektur rund um den Friedrichsplatz)

Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Friedrichsplatz, zwischen Schöne Aussicht und Obere Königsstraße im Zentrum Kassels gelegen, von Fridericianum im Nordosten und Oberneustadt im Südwesten begrenzt, galt schon früher als einer der schönsten und größten Plätze in Kassel.

Einst und Jetzt

Das Marmorstandbild von Landgraf Friedrich II. steht heute am südwestlichen Rand des rechteckigen Platzes.

Landgraf-Friedrich-Statue
Es stand noch in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts im Schnittpunkt diagonaler Fußwege, also in der Platzmitte. Wie die beiden Fotos zeigen, wurde auch die "Blickrichtung" von Friedrich verändert, also von "nach Südwesten" heute "nach Nordosten".

Johann August und Samuel Nahl schufen die Statue 1781 - 1783.

Auch veränderte der Platz in den sechs Jahrzehnten nach dem zerstörerischen II. Weltkrieg des öfteren sein Aussehen und diente auch immer wieder zur documenta als Freiluftausstellungsareal.

So wurden vor der "Stadtverwaldung: 7000 Eichen" von Joseph Beuys dessen Basaltsteine hier gelagert; auch wurde hier vor ca. 30 Jahren "Der vertikale Erdkilometer" versenkt und mit einer Bodenplatte kenntlich gemacht. Noch heute 'beobachten' "Die Fremden" (bunte Keramikfiguren) von einem Balkon an der "historischen" Seite eines Kaufhauses aus, das Geschehen auf dem Friedrichsplatz.

Zeitweilig stand wegen der umfangreichen Renovierung des Staatstheaters Kassel das Kuppeltheater für mehrere Jahre hier.

Hugenotten hinterließen Spuren

Mauern und Grundrisse der alten Hugenottenbebauung der Oberneustadt waren im Jahr 2000 in einer Baugrube am Rande des Friedrichsplatzes sichtbar geworden; ebenso waren Teile alter Festungsanlagen in der Baugrube für ein unterirdisches "Parkhaus" unter dem Friedrichsplatz ans Tageslicht gekommen. Fragmente sind auch nach dem Bau und Inbetriebnahme sichtbar ge- und erhalten.

Das „vornehmste” Weinlokal und Café am Platze hat hier gestanden. Jeden Nachmittag gab es im Gasthaus „Zur Tante” nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch gepflegte Live-Musik. Die rauschenden Maskenbälle und Silvesterfeiern waren legendär. Die „Tante” war angesagt - Kassel traf sich in der ersten Hälfte des Jahrhunderts im Quartier zwischen Friedrichs- und Karlsplatz. In der Bombennacht im Oktober 1943 wurde auch dieser historische Ort zerstört.

Die wechselvolle Geschichte des im typischen Stil der hugenottischen Oberneustadt gebauten Hauses geht indes bis in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zuge des Abrisses des ehemaligen „Fruchtlädchens” Ecke Friedrichsplatz/Obere Karlsstraße wurden im Jahr 2000 die baulichen Ursprünge der Häuser Friedrichsplatz 7 und 8 sichtbar: Sandsteinkeller mit Gewölben, Rundbogen Ziegelmauerwerk und vieles mehr.

Erbaut wurden die Häuser 1720 von Hugenotten. Aus dieser Zeit wurde außer Mauerwerk jedoch nichts mehr gefunden. Dafür um so mehr aus unserem Jahrhundert: Eierkohlen und Trümmerschutt auf dem Grundstück Nr. 8, Teller, beschriftete Biergläser, Fleischplatten, Aschenbecher und anderes aus dem Gasthaus-Inventar auf dem Grundstück Nr. 7.

Architektur rund um den Friedrichsplatz

Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte "Rote Palais" an der Ecke Friedrichsplatz/ Obere Königsstraße.

Zahlreiche historische Bauten standen einst im Bereich des Friedrichsplatzes. Zu ihnen gehörten das in den Jahren zwischen 1767 und 1769 nach den Plänen von Simon Louis du Ry erbaute Palais von Jungken, die ehemalige Elisabethkirche von 1770, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete „Weiße Palais“ und das gleich alte „Rote Palais“, die ehemalige landgräfliche Stadtresidenz.

Zur heutigen Architektur des Platzes zählen etwa

Der Friedrichsplatz heute

Datei:Sidur.K-Ch.Stiehl.jpg
Skulptur
"Den Opfern der Gewalt"
Zwehrenturm mit Ottoneum

Im Bereich der westlichen Ecke des Platzes findet man inmitten der belebten Geschäftigkeit dieses Ortes auf einem grauen Betonsockel die Skulptur "Den Opfern der Gewalt" des bedeutenden russischen Bildhauers Vadim Sidur. Die Aufstellung dieser Skulptur im Jahre 1974 wurde von einer Bürgerinitiative ermöglicht, die das Geld aufbrachte, mit dem der zunächst kleinformatige Entwurf als Skulptur im Stadtraum verwirklicht werden konnte. Sidur, dessen Werk in Russland erst seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" Ende der 1980er Jahre zu sehen ist, starb 1986 in Moskau.

In den 1990er Jahren erfolgte die grundlegendste Veränderung; es wurde fast der gesamte Platz ausgeschachtet und ein unterirdisches "Parkhaus" mit mehreren Parkdecks angelegt.

Die im Jahre 1992 fertig gestellte documenta-Halle gräbt sich tief in den Steilhang des Fuldatals ein. Aus einem bundesweiten Wettbewerb Ende 1989 ging der Entwurf der Architekten Jourdan und Müller als Sieger hervor. Als einzige von 137 eingereichten Arbeiten sah diese einen Standort parallel zu dem bestehenden Staatstheater am Rande des Auehangs vor. Es entstand ein multifunktional nutzbares Gebäude mit Ausstellungsflächen unterschiedlicher Qualität und Größe.

Frei gelblieben ist der Blick vom Friedrichsplatz zur Karlsaue und zur Orangerie.

Weblinks