Familie Henschel 1: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Von 1810 bis 1910)
(Die Firma)
Zeile 12: Zeile 12:
 
=== Von 1810 bis 1910 ===
 
=== Von 1810 bis 1910 ===
 
[[Bild:Giesshaus.jpg|thumb|right|200px|Das Gießhaus im Jahr 1836/37]]  
 
[[Bild:Giesshaus.jpg|thumb|right|200px|Das Gießhaus im Jahr 1836/37]]  
[[Bild:Werkrothenditmold.jpg|thumb|right|200px|Das Henschelwerk in [[Rothenditmold]] im Jahr 1873]] [[Bild:Loktransport.jpg|thumb|right|200px|Per Pferdewagen wurden die schweren Loks von der Fabrik Richtung Bahnhof transportiert - Zeichung um 1865]]
+
[[Bild:Werkrothenditmold.jpg|thumb|right|200px|Das Henschelwerk in [[Rothenditmold]] im Jahr 1873]]  
[[Bild:Drache.jpg|thumb|200px|right|Henschel-Lokomotive "Drache" im Jahre [[1848]]]]  
+
 
Der Ursprung der Firmen-Geschichte liegt im Jahr 1777, in dem [[Georg Christian Carl Henschel]] von Gießen nach [[Kassel]] kam. Er entstammt einer Glocken- und Stückgießerfamilie. Sohn [[Carl Anton Henschel]] tritt in den technischen Staatsdienst, wird Assistent beim Baudepartement. Sein Bruder [[Johann Werner Henschel]] wird zunächst Bildhauer. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründet zusammen mit seinem Vater eine kleine Fabrik. In die steigt sieben Jahre später Anton, er hatte es inzwischen zum Ober-Berginspektor gebracht, als Teilhaber ein.  
 
Der Ursprung der Firmen-Geschichte liegt im Jahr 1777, in dem [[Georg Christian Carl Henschel]] von Gießen nach [[Kassel]] kam. Er entstammt einer Glocken- und Stückgießerfamilie. Sohn [[Carl Anton Henschel]] tritt in den technischen Staatsdienst, wird Assistent beim Baudepartement. Sein Bruder [[Johann Werner Henschel]] wird zunächst Bildhauer. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründet zusammen mit seinem Vater eine kleine Fabrik. In die steigt sieben Jahre später Anton, er hatte es inzwischen zum Ober-Berginspektor gebracht, als Teilhaber ein.  
  
Zeile 27: Zeile 26:
  
 
=== Drache mit 100 Pferdestärken ===
 
=== Drache mit 100 Pferdestärken ===
 +
[[Bild:Drache.jpg|thumb|200px|right|Henschel-Lokomotive "Drache" im Jahre [[1848]]]]
 +
[[Bild:Loktransport.jpg|thumb|right|200px|Per Pferdewagen wurden die schweren Loks von der Fabrik Richtung Bahnhof transportiert - Zeichung um 1865]] 
 
''aus: [[HNA]]-online von 06.04.2009:''
 
''aus: [[HNA]]-online von 06.04.2009:''
  

Version vom 15. Juli 2009, 20:52 Uhr

Georg Christian Carl Henschel.jpg

Mit ihm begann die Geschichte der Familie Henschel in Kassel. Georg Christian Carl Henschel (1759 bis 1835) gründet im Jahr 1759 die Firma. Sein Nachfolger ist Carl Anton Henschel (1780 bis 1861). Der Baumeister und Erfinder übernimmt 1826 die Henschelei. In seine Zeit fällt der Bau einer neuen Fabrikanlage auf dem Möncheberg.

Chronik

Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Johann Werner Henschel (1782 bis 1850) ist der Künstler in der Familie. Er ist Professor an der Kasseler Kunstakademie, aber auch in der Firma tätig. Zu seinen bis heute bekannten Arbeiten gehören die Teufelsbrücke im Bergpark und die gusseisernen Teile im Gewächshaus.

Georg Alexander Carl Henschel (1810 bis 1860) tritt mit 25 Jahren in die Firma ein und vergrößert das Unternehmen erheblich. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von 50 auf 350. Unter der Leitung von Carl Anton Oskar Henschel (1837 bis 1894) entsteht 1873 das Werk Rothenditmold, die Belegschaft wächst auf 1600 Mitarbeiter.


Die Firma

Von 1810 bis 1910

Das Gießhaus im Jahr 1836/37
Das Henschelwerk in Rothenditmold im Jahr 1873

Der Ursprung der Firmen-Geschichte liegt im Jahr 1777, in dem Georg Christian Carl Henschel von Gießen nach Kassel kam. Er entstammt einer Glocken- und Stückgießerfamilie. Sohn Carl Anton Henschel tritt in den technischen Staatsdienst, wird Assistent beim Baudepartement. Sein Bruder Johann Werner Henschel wird zunächst Bildhauer. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründet zusammen mit seinem Vater eine kleine Fabrik. In die steigt sieben Jahre später Anton, er hatte es inzwischen zum Ober-Berginspektor gebracht, als Teilhaber ein.

Man verlegte sich mehr und mehr auf den Maschinenbau, zu deren Begründern Carl Anton Henschel in Deutschland gehört. Mit seinem Namen werden grundlegende Erfindungen verbunden wie tragende Ketten- und hydraulische Kastengebläse, Röhrendampfkessel- und Turbinenkonstruktionen. Sein Sohn Georg Alexander Carl Henschel, 1810 geboren, nahm 1840 den Bau schwerer Werkzeugmaschinen und schließlich den Lokomotivbau auf. Die Nummer 1, der "Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn verließ im Juli 1848 die Henschelsche Fabrik.

Bis zum Jahre 1910 gelangte die Firma "Henschel und Sohn" mit ihren Werken am Möncheberg und in Rothenditmold an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149. Carl Anton Henschel gehörte im frühen 19. Jahrhundert in Deutschland zu den Begründern des Maschinenbaus. Mit seinem Namen werden grundlegende Erfindungen verbunden.

Sein Bruder Johann Werner Henschel hatte bereits im Jahre 1810 zusammen mit seinem Vater Georg Christian Carl Henschel eine kleine Fabrik gegründet. In die steigt sieben Jahre später Anton als Teilhaber ein. Schnell verlegte man sich mehr und mehr auf den Maschinenbau und Carl Anton Henschel macht mit Erfindungen von sich reden, darunter das tragende Ketten- und hydraulische Kastengebläse, Röhrendampfkessel- und Turbinenkonstruktionen.

Nachfolger Georg Alexander Carl Henschel, 1810 geboren, nahm 1840 den Bau schwerer Werkzeugmaschinen und schließlich den Lokomotivbau auf. Die Nummer 1, der "Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn zu Kassel verließ im Juli 1848 die Henschelsche Fabrik. Zwölf weitere Jahre vergingen, bis die ersten 50 Loks hergestellt waren, im Jubiläumsjahr 1910 ist die Jahresproduktion auf 800 angestiegen. Die Lieferfristen für eine Neukonstruktion haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert, von sieben bis neun auf drei bis vier Monate. Ein Verdienst aller Henschelaner, ob in einem von vier Konstruktionsbüros, in der Gießerei, im Rahmenbau, im Kohlenlager, im Pferdestall, in der Automobilhalle.

Im August 1910 gibt es dann Anlaß zur Freude. Das Familienunternehmen in der fünften Generation besteht seit 100 Jahren und die 10000. Lok verläßt die Werkshallen. "Aus den kleinsten Anfängen hat es sich zu dem größten Werk seines Industriezweiges in Europa entwickelt", heißt es in der 147 Seiten dicken, großformatigen Festschrift.

Drache mit 100 Pferdestärken

Henschel-Lokomotive "Drache" im Jahre 1848
Per Pferdewagen wurden die schweren Loks von der Fabrik Richtung Bahnhof transportiert - Zeichung um 1865

aus: HNA-online von 06.04.2009:

Carl Anton Henschel baute 1848 die erste Kasseler Lok - Das Unternehmen wächst auf 200 Mitarbeiter
Kassel. Es war eine der wichtigsten Reisen in der Firmengeschichte. 1832 machte sich Carl Anton Henschel von Kassel aus auf den Weg nach England. Dort traf er mit George Stephenson einen Bruder im Geiste. Der begnadete Ingenieur hatte in England die erste brauchbare Eisenbahn gebaut.

Ein Vorbild für Carl Anton Henschel, der bereits mit selbst konstruierten Hochdruckdampfmaschinen experimentiert hatte und der davon träumte, beim Bau einer Eisenbahn von der Nordsee über Kassel bis nach Bayern dabei zu sein. Carl Anton Henschel informierte sich in England über die Spitzentechnologie seiner Zeit, sah aber auch, unter welch erbärmlichen Verhältnissen die Arbeiter lebten und wie sie bis zur Erschöpfung schuften mussten. Für ihn stand früh fest, dass er vieles anders machen wollte.

Bis zur ersten eigenen Lokomotive sollte es nach dem England-Besuch noch einige Jahre dauern. Carl Anton Henschel stellte zunächst die Weichen für eine Erweiterung der Firma. Er kaufte das Gelände zwischen der unteren Mönchebergstraße und der Ahna. Im Zentrum der neuen Fabrikanlage entstand der Kuppelbau des neuen Gießhauses.

Das ersetzte den 1836 bei einem Großbrand zerstörten Vorgängerbau an der Weserstraße. Der im Inneren 13 Meter hohe Kuppelbau wurde mit seiner Ziegelsteinarchitektur zum Vorbild für viele andere Industriegebäude. Er existiert bis zum heutigen Tag und wird als Veranstaltungsraum von der Kasseler Universität genutzt.

Durch die neue Fabrik, die 1837 in Betrieb genommen wird, steigt die Zahl der Henschel-Mitarbeiter auf 200. Die Geschäfte laufen gut, Anbauten für die Kesselschmiede und die Lokomotivmontage kommen hinzu, das Fabrikgelände wird noch einmal vergrößert.

Das Jahr 1848 gilt als Meilenstein der Kasseler Industriegeschichte. Am 29. Juli wird mit dem "Drache" die erste Lokomotive aus der Henschel-Produktion fertig. Entscheidend daran beteiligt war der englische Ingenieur James Brook, den Henschel drei Jahre zuvor eingestellt hatte.

Bestellt wurde der Drache für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. Es war aus heutiger Sicht eine abenteuerliche Auslieferung. Einen eigenen Gleisanschluss bekam Henschel erst 24 Jahre später. Im Sommer 1848 zogen bis zu 100 Pferde die Lokomotive auf einem schweren Rollwagen vom Fabrikgelände durch die halbe Stadt.

Schwerer Transport
Über die Untere Königsstraße, den Königsplatz und die für diesen Transport fast schon steile Kölnische Straße hinauf bis zu einem noch provisorischen Gleisanschluss quälten sich die Zugpferde mit ihrer schweren Last. Acht Tage lang dauerte der Transport, der von vielen Schaulustigen beobachtet wurde. Ein Schauspiel, das sich in den folgenden Jahren noch häufiger wiederholen sollte. Der Maler Theodor Matthei (1857 bis 1920) hat einen Lokomotiventransport aus dem Jahr 1865 verewigt.

Die Darstellung zeigt das Pferdegespann mit der schweren Last auf dem Weg durch die Untere Königsstraße in Höhe der 1839 erbauten Synagoge. Das Originalgemälde, das sich im Besitz des letzten Firmenchefs aus der Familie, Oscar R. Henschel, befand, ist verschollen.

Eigenes Gleis
Leichter wurde die Auslieferung von Lokomotiven erst, als Henschel sein eigenes Gleis bekam. Als der erste Drache in Kassel gebaut wurde, gab es nicht mal einen Bahnhof. Der Kasseler Hauptbahnhof wurde 1856 eingeweiht, 1872 kam der für Henschel deutlich nähere Unterstadtbahnhof im Bereich zwischen Wolfhager Straße, Mombachstraße und Westring hinzu.

Carl Anton Henschel war aber nicht nur ein Pionier im Lokomotivbau. Die Liste seiner Erfindungen ist lang. Brückenkonstruktionen, Förderbahnen, Dampfmaschinen und Pumpwerke gehören dazu. Unter anderem hat er die Maschine für das erste Dampfschiff auf der Fulda konstruiert. Als er mit 81 Jahren am 19. Mai 1861 stirbt, ist er als genialer Techniker weit über die Grenzen Kassels bekannt. Vier Jahre später wird bei Henschel bereits die 100. Lokomotive gebaut.