Führung durch die documenta 13 (2012)

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Version vom 19. Februar 2010, 19:21 Uhr von Peter Gratzer (Diskussion | Beiträge) (Die Kuratorin und ihr Team)

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Dirk Schwarze führt durch die documenta-Geschichte

Einleitung in unsere Serie "Führung durch die documenta" (Hinweis: Diese exklusiven Autorenbeiträge sind nicht editierbar.)

1955: documenta - 1959: II. documenta - 1964: documenta III - 1968: 4. documenta - 1972: documenta 5 (mit Bildergalerie) - 1977: documenta 6 (mit Bildergalerie) - 1982: documenta 7 - 1987: documenta 8 - 1992: Documenta IX - 1997: documenta X - 2002: Documenta11 (mit Bildergalerie) - 2007: documenta 12 (mit Bildergalerien) - 2012: documenta 13 - Arnold Bode-Preis - 2017: documenta 14

Documenta-Lexikon mit der kompletten Künstlerliste 1955-2007

Unser documenta-Führer Dirk Schwarze




Die Kuratorin und ihr Team

Carolyn Christov-Bakargiev ist Leiterin der documenta 13


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Nun steht es fest: Nach Catherine David (1997) wird zum zweiten Mal eine Frau die documenta leiten: Die in Italien tätige amerikanische Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev (51) ist auf Vorschlag der Findungskommission einstimmig vom documenta-Aufsichtsrat zur künstlerischen Leiterin der documenta 13 berufen worden. Christov-Bakargiev hat 2008 die 16.Sydney-Biennale geleitet. Seit 2002 ist sie Direktorin des Turiner Castello di Rivoli, einem Museum für zeitgenössische Kunst. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Carolyn Christov-Bakargiev ist eine Ausstellungsmacherin, die mit der europäischen Moderne ebenso vertraut ist wie mit der internationalen aktuellen Kunst. Die zentralen Künstlerperönlichkeiten, mit denen sie sich auseinander gesetzt hat, waren auch in früheren documenten vertreten. Auch verfügt sie über gute Erfahrungen bei internationalen Kunstprojekten. Wenn man so will, dann kehrt mit ihr die documenta in vertraute Bahnen zurück. Nach dem Experiment von Roger Buergel folgt nun die bewährte Position.

Carolyn Christov-Bakargiev ist Autorin und Ausstellungsmacherin. Sie studierte in Pisa Literatur und Kunstgeschichte und schloss 1981 ihr Studium mit einer Arbeit über das Verhältnis von zeitgenössischer Malerei und Dichtung mit magna cum laude ab. Ihr Interesse gilt der Vermittlung zwischen klassischer Avantgarde und zeitgenössischer Kunst. Intensiv hat sie sich mit der Arte Povera (italienische Kunstrichtung der 60er-Jahre) in einem Buch beschäftigt. Eines ihrer großen Ausstellungsprojekte galt dem Werk des Zeichners, Filmers und Autors William Kentridge.

Sie war Jury-Mitglied bei der 49. Biennale von Venedig und von 1999 bis 2001 Kuratorin für das P.S.1 in New York. 1993 hatte Carolyn Christov-Bakargiev für die Biennale in Venedig eine Hommage für John Cage organisiert. Ebenfalls 1993 gehörte sie zum Kulturhauptstadt-Team in Antwerpen. 1997 leitete sie das Projekt "Citta-Natura", an dem Künstler wie Lawrence Weiner, Giovanni Anselmo, Mario Merz, Marisa Merz, Jannis Kounellis, Willie Doherty, Gary Hill und Mark Dion beteiligt waren und das in Museen in Rom, auf öffentlichen Plätzen und sogar im Zoo inszeniert wurde. 1998 bis 2000 leitete sie gemeinsam mit Laurence Bossé und Hans Ulrich Obrist in Rom das Projekt "La Ville, le Jardin, la Memoire" (Die Stadt, der Garten, die Erinnerung) in der Villa Medici.

Einzelausstellungen erarbeitete sie unter anderem für Georges Adeagbo, Santiago Sierra, Michael Rakowitz und Nedko Solakov, Takashi Murakami und Doris Salcedo sowie William Kentridge und Janet Cardiff. Sie widmete sich der jüngeren Kunst ( The Moderns / I moderni, 2003) ebenso wie einem Rückblick auf die 80er-Jahre. Als P.S.1-Kuratorin inszenierte sie in New York eine Ausstellung mit 120 amerikanischen Künstlern der jüngeren Generation. In der Ausstellung "Faces in the Crowd" (Gesichter in der Menge) untersuchte sie 2004/05 die Geschichte der Figuration von Édouard Manet bis zu Anri Sala, Song Dong and Destiny Deacon. In der Schau waren Gemälde, Skulpturen, Fotos, Videos und Installationen von 100 Künstlern seit 1873 vertreten.

Laut FAZ waren in der Kandidaten-Schlussrunde für die documenta 13-Leitung neben Carolyn Christov-Bakargiev vom Turiner Castello di Rivoli, der derzeit am New Museum» in New York tätige Kurator Massimiliano Gioni, Lisette Lagnado aus Brasilien, Wiktor Missiano aus Russland, Douglas Fogle sowie Catherine de Zegher aus den USA. Wie Kasper König, der Direktor des Museums Ludwig in Kön, als Sprecher der Findungskommission erklärte, waren unter den letzten drei ausschließlich die Kandidatinnen.

3. 12. 2008

Weiere Texte:

Markus Müller wieder documenta-Pressechef

Gute Aussichten für 2012

Zwischen Kontinuität und Experiment

Die Lust, sich selbst zu widersprechen

documenta-Konferenz

Zwischen Poesie und der Suche nach einem Konzept

Nach Lesart von Carolyn Christov-Bakargiev hat die documenta 13 (2012) am Freitag, 18. September 2009, mit einer Konferenz im Castello di Rivoli begonnen. Der scheidenden Museumschefin war es gelungen, alle ihre lebenden Vorgänger nach Rivoli einzuladen: Jean-Christophe Ammann für den verstorbenen Harald Szeemann (documenta 5), Manfred Schneckenburger (Documenta 6 und 8), Rudi Fuchs (documenta 7), Jan Hoet (documenta IX), Catherine David (documenta X, Okwui Enwezor (documenta 11) und Roger Buergel (documenta 12). Außerdem referierten für den Zeitraum der ersten vier Ausstellungen Heiner Georgsdorf und Walter Grasskamp. Außerdem waren Künstler zu Statements eingeladen.

Spannend wurde die Diskussion am ersten Abend, als es um die Frage ging, ob bei der Ausstellungsplanung eher die Poesie das Sagen habe (wie Rudi Fuchs es für sich reklamierte) oder ob Konzept, Themen und Botschaften zu formulieren seien.



siehe auch: documenta-Retroperspektive


Die documenta 13 findet vom 9. 6. 2012 bis 16. 9. 2012 in Kassel statt

Findungskommission

Die Findungskommission (von links nach rechts): Sitzend: Udo Kittelmann, Oscar Ho, Elizabeth McGregor, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Kathy Halbreich, Manuel Borja-Villel. Stehend: Geschäftsführer Bernd Leifeld, Paulo Herkenhoff, Joseph Backstein, Rein Wolfs und Kasper König. Foto: Herzog
Mit der ersten Sitzung der international besetzten Findungskommission am 6. und 7. April 2008 in Kassel hatten die konkreten Vorbereitungen für die nächste documenta begonnen. Die neunköpfige Kommission setzt sich wie folgt zusammen:

Joseph Backstein, Direktor Institute of Contemporary Art Moscow, künstlerischer Leiter State Centre for Museums and Exhibitions "Rosizo"

Manuel J. Borja-Villel, Direktor Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia Madrid. Er war bereits Mitglied der Findungskommission für die documenta 12.

Kathy Halbreich, Stellvertretende Direktorin Museum of Modern Art New York (zur Stärkung und Profilierung zeitgenössischer Kunst). Sie war bereits Mitglied der Findungskommission für die documenta X.

Paulo Herkenhoff, Freier Kurator, vorher: Direktor Museu Nacional Belas Artes Rio.

Oscar Ho, Direktor MA Programme in Cultural Management, Chinese University of Hong Kong und Gründungsdirektor Museum of Contemporary Art, Shanghai.

Udo Kittelmann, Direktor Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und designierter Direktor der Neuen Nationalgalerie und des Hamburger Bahnhofs, Berlin.

Kasper König, Direktor des Museum Ludwig Köln. König war seit Ende der 70er-Jahre mehrfach in der engeren Wahl für die documenta-Leitung. Er ist der Sprecher der Findungskommission.

Elizabeth Ann Macgregor, Direktorin Museum of Contemporary Art Sydney.

Rein Wolfs, Leiter der Kunsthalle Fridericianum Kassel.

In der ersten Runde beriet die Kommission die Kriterien für eine Auswahl der nächsten documenta-Leitung. In einer weiteren Sitzung im Sommer in Frankfurt wurden Namen diskutiert und Kandidaten aufgefordert, ein Konzept einzureichen. Schließlich wurden in der dritten Runde in Kassel auf der Grundlage der Konzepte sechs Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Unter den letzten drei Kandidaten waren ausschließlich Frauen. Der daraus folgende Personalvorschlag der Kommission wurde vom documenta-Aufsichtsrat einstimmig gebilligt.