Eltmannshausen

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Eltmannshausen ist ein Ortsteil von Eschwege im Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen.

Geschichte

Der Ortsname Eltmannshausen ‑ in den ersten Nennungen ‑Eltwinshusen" ‑ leitet sich von dem Personennamen Eltwin ab, vielleicht von jenem Eltwin, der in einer auf den Ort bezogenen Urkunde des Jahres 1073 erscheint. Die Siedlung selbst ist wesentlich älter, was durch zahlreiche Bodenfunde belegt ist, die bis in die Zeit der Bandkeramik zurückreichen. Sie entwickelte sich nicht an der Fernstraße, der heutigen B 27, sondern am Schweinsbach entlang in einem Bogen den Kirchberg umschließend. Auf diesem Berg, der auch schon vorgeschichtliche Funde gebracht hat, erhebt sich die Kirche, in ihrer jetzigen Form auf das Jahr 1519 zurückgehend, als Standort aber sicher älter. Hier wird gewiss eine alte vorchristliche Tradition fortgesetzt und durch den christlichen Bau sozusagen "besetzt“ .

Im 11. Jh. ‑ erstmals erwähnt 1073 ‑ verfügte die bei Hersfeld gelegene Propstei Petersberg über Besitz in Eltmannshausen. Dieser Besitz lässt sich als Lehen über lange Zeit hinweg verfolgen, betraf aber nur einen kleinen Teil der Gemarkung, nämlich eine Hufe und mehrere einzelne Landstücke in der Hand der Familien von Diede und von Baumbach. Der größere Teil des Dorfes und seiner Flur war landgräflich und stammte wohl aus dem 1301 von den Bilsteiner Grafen erworbenen Besitz. 1359 erkauften Heinrich von Honstein und seine beiden Söhne von der Propstei Petersberg 24 ½ Acker auf Leben zeit.1360 war das Dorf an die Boyneburger verpfändet, 1389 gleichfalls, und 1454 verpfändeten sie ihrerseits Besitz im

Ort, so dass aus ehemaligem Pfand wohl wirklicher Besitz geworden war. 1498 ist Eltmannshausen völlig landgräflich und wird zum Amt Bilstein gezählt. Es werden 24 Wohnstätten und 26 Hufen Landes genannt.

Westlich Eltmannshausen lag einst die Siedlung Hetterode (heutige Flurlage "Der Anger" genannt), wo 1236 bilsteinischer Besitz nachzuweisen ist. Spätere Erwähnung nennen landgräfliche Lehnsträger als Nachfolger der Bilsteiner. 1498 ist Hetterode wüst und wird von Eltmannhausen aus bebaut; es umfasste 10 ½ Hufen, die im Kataster von 1748 noch als "Hetteröder Gut“ erscheinen. Offenbar ist Hetterode im 16. Jh. wieder neu besiedelt worden, denn 1585 sind hier 2 Höfe nachzuweisen, die vermutlich bis zum 30jährigen Krieg bestanden haben.

Seit 1523 wurden die von Baumbach mit verschiedenen Gütern im Gericht Bilstein belehnt, darunter 1 Hufe Land und 1 Wiese genannt der Hudehof in Eltmannshausen. Die sogen. Zapfenwiese war Lehen der Diede. Die Baumbacher Hufe wurde 1653 von Eltmannshäuser Bauern erworben, doch mussten weiterhin Abgaben an den Adel entrichtet werden.

Aus dem Jahre 1748 liegt ein Überblick über das Dorf in Gestalt des ältesten Steuerkatasters vor. Die Baumbachsche Hufe besteht in diesem Jahr noch und ist an die Bauern verteilt, ebenso das 59 Acker umfassende Pfarrgut der Pfarrei Niddawitzhausen. Die Gemeinde besitzt die Kirche, Schule, Hirten‑ und Schäferhaus sowie neben kleinen Arealen Garten, Wiesen und Land noch 90 Acker Huderasen und 290 Acker Buschholz, dessen Nutzung sich 66 Berechtigte teilen. Die Einwohnerzahl beträgt 317 in 66 Häusern.

Eine etwa hundert Jahre jüngere Statistik nennt andere Zahlen. Die Zahl der Einwohner ist 1857 auf 550 gestiegen, die Zahl der Häuser auf 75. Die 1825 erbaute Schule ist zu eng bemessen für die 97 Schüler, die von einem Lehrer unterrichtet werden müssen.

Der Bau der Eisenbahn 1876 veränderte die Entwicklung des Dorfes erheblich. Die Einwohnerzahl stieg auf 713 im Jahre 1895, vor allem durch den Zuzug von etwa 40 Eisenbahnerfamilien. Das Dorf dehnte sich von nun an in Nord-Süd‑Richtung entlang der heutigen B 27 aus. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts wurden die Dorfstraßen schrittweise verbessert, zum Teil auch schon kanalisiert. 1929 erbaute die Gemeinde einen Schuppen für die Dreschmaschine, 1928 wurden die ersten Bohrungen für die Wasserversorgung vorgenommen, doch erwies sich das Wasser als zu hart.

1935 entschloss man sich zum Anschluss an das Meißner‑Verbandswasserwerk. 1930 konnte ein Sportplatzgelände erschlossen werden. Bis zum Kriegsausbruch veränderte sich die Einwohnerzahl nur unwesentlich. In der Weimarer Zeit ist ein Dominieren der linken Kräfte bis 1930 augenfällig, doch besaß ab Juli 1932 die NSDAP die Mehrheit und überflügelte die SPD.

Die Gemeindewahl am 12.3.1933 ergab einen Gleichstand von Nationaler Gemeinschaft und Arbeiter‑ und Beamtenliste, letztere mit der SPD identisch. Nach der Verfügung vom 27.7.33 über die "Besetzung freigewordener Sitze der Gemeindevertreter" wurden 6 Sitze frei, und Bürgermeister August Böttner teilte mit: "Nach Vorschlag der jetzigen Vertretung mit der Ortsgruppenleitung der NSDAP sollen 2 Personen nachrücken". Böttner war Bürgermeister seit 1919 und gehörte nach eigenen Angaben schon 1922/23 der nationalsozialistischen Bewegung an. Nach seinem Tod am 6.5.1943 übernahm die Bürgermeistergeschäfte der kommissarische 1. Beigeordnete, Bauer und SA‑Führer Erich Beck.

Von 1946 bis 1954 war Oskar Schröder Bürgermeister, dann für zwei Jahre Erich Beck. Anfang der 50er Jahre entstanden neue Wohnhäuser an der B 27; im Dorf wurden die Straßenverhältnisse verbessert. Im September 1955 konnte das Ehrenmal eingeweiht werden.

Wilhelm Schreiber, seit 1935 Gemeindediener, wurde am 27.11.1956 Bürgermeister des Ortes. 1957 gründete sich ein Schützenverein.

Nach Unterzeichnung des Vertrages am 17.12.1971 wurde Eltmannshausen am 1.1.1972 Stadtteil von Eschwege, mit damals 884 Einwohnern. 1973 fand die 900‑Jahrfeier gemeinsam mit Niddawitzhausen statt.

Straßenbaumaßnahmen kennzeichnen die 70erjahre im Ort: Im Mai 1976 musste die Untermühle fallen, 1978 folgte der Ausbau der Ortslage. Ein neuer Hochbehälter wurde 1977 erbaut. Von 1981‑86 war Eltmannshausen Dauerbaustelle: 6 Mio. wurden für Kanalisation und Straßenbau aufgewendet. Das Mehrzweckgebäude konnte am 18.7.1988 seiner Bestimmung übergeben werden, im Oktober desselben Jahres die neue Geschäftsstelle der Sparkasse. Die Sporthalle West wurde am 3.2.1990 fertiggestellt.

Die Einwohnerzahl des Ortes ist bis Ende 1991 auf 749 stetig abgesunken. Ein wachsendes Problem ist der Schwerverkehr auf der B 27, verbunden mit dem Raststättenbetrieb. Seit 1989 häufen sich die Proteste der Anlieger gegen die Verkehrsbelastung; ein Ausbau der B 27 erfolgte 1991/92.

Bis hier aus: Geschichte der Stadt Eschwege 1992

Durch Spendengelder des Frauenkreises der ev. Kirchengemeinde Eltmannshausen konnte 1993 an der Ostseite der Kirche ein neues Fenster eingebaut werden, dass von dem Marburger Glaskünstler Erhardt Jakobus Klonk gestaltet wurde.

Im Jahr 1994 erhielt die Freiwillige Feuerwehr als Ersatz für das über 26 Jahre alte Feuerwehr-Fahrzeug ein modernes Fahrzeug LF 8. Insbesonde wegen des starken Verkehrsaufkommens ist das Fahrzeug mit entsprechendem Rettungsgerät ausgerüstet.

In den folgenden Jahren konnten zahlreiche Vereine größere Jubiläen feiern: 1994 ESV Union Eltmannshausen 75 Jahre 1997 Schützenverein 40 Jahre 1999 Jugendmusikgruppe 25 Jahre 1999 ESV Union Eltmannshausen 50 Jahre Fußballabteilung 2000 Freiwillige Feuerwehr 125 Jahre und Spielmanns-/Musikzug 50 Jahre

Im Jahr 1997 begann die Stadt Eschwege mit der Erschließung von Bauland am Ernteweg, wo bereits zahlreiche Neubauten entstanden sind. In 2003 erfolgte nochmals eine Erweiterung um 6 Bauplätze.

1998 tat sich erneut die engagierte Kichengemeinde hervor, als sie Eigenleistungen im Wert von 100.000 DM für die Restaurierung des Kirchenschiffes aufbrachte. In den Jahren 2002 und 2003 erfolgte der längst fällige Ausbau der Abteroder Straße. Neben umfangreichen Kanalbaumaßnahmen wurden auch die Versorgungsleitungen erneuert. Die stellenweise zu hoch geratene Stützmauer zum Mühlbach wird von den Bürgern mit gemischten Gefühlen betrachtet, musste ihr doch die einzigartige natürliche Grasböschung am Mühlbach weichen.

2004 konnte sich die Kirchengemeinde über eine großzügige Spende freuen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche verfügen die Eltmannshäuser jetzt über einen Taufstein. Eltmannshausen zählt am 31.12.2003 insgesamt 738 Einwohner, davon 361 männlich und 377 weiblich.

Kirchen

siehe auch

Weblinks

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