Elmarshausen: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 23. September 2008, 22:18 Uhr

(Hermann Neumeyer)

http://kassellexikon.hna.de/images/7/7d/Elmarshausen.jpg

Allgemeines:

Besondere Probleme der Denkmalspflege in Deutschland stellen die alten Adelsschlösser dar:

Zuerst waren sie mittelalterliche Höhenburgen.

Durch die Erfindung der Feuerwaffen aber änderte sich die Verteidigungstechnik.

Seit der Spätgotik und Renaissance befinden sich die Schlösser in Tallage. Der Verteidigungscharakter ist seit dieser Zeit oft nur nachempfunden.

Viel Raum für ausreichendes Personal, das auch beherbergt werden musste, war vorhanden.

Man betrieb in der Küche Vorratshaltung, insbesondere für Festlichkeiten.

Die landwirtschaftliche Basis war entscheidend.

Doch mit der Veränderung des sozialen Gefüges auf dem Lande war teilweise auch die Ausprägung einer gehobenen Wohnkultur verbunden. Im Elmarshäuser Schloss zeugt davon noch als künstlerisches Juwel neben dem älteren, nicht weniger bedeutsamen Renaissance-Treppenhaus die Rokoko-Kapelle mit einer toskaninischen Mittelsäule.

Die vormals landwirtschaftliche Basis wurde seit 1960/70/80 abgekoppelt.

Neue Nutzungen wurden angestrebt (Pferdezucht, Familientourismus usw.). Allerdings hat in Elmarshausen bisher eine touristische Nutzung trotz des vorhandenen Potentials der hier durch das Schloss repräsentierten Weserrenaissance noch keinen Einzug gehalten, obwohl sich gerade die Rokokokapelle mit eingebauter Orgel und ihrem Ambiente etwa für Trauungen wunderbar eignen würde.



Urkundliche Erwähnung einer Siedlung: 1123 Egelmareshusen, 1150 Elimareshusen, 1255 Eilmarshusen, 1314 Elmershusen

Im 13. Jahrhundert war Elmarshausen im Besitz der Herren von Helfenberg, die es als Lehen der im nordhessisch-niedersächsischen Gebiet reich begüterten Grafen von Everstein hielten. Im 14. Jahrhundert verkauften die Helfenberger Elmarshausen an die Herren von Gudenberg. Lehensherren der Gudenberger für Elmarshausen aber wurden die Herzöge von Braunschweig, die mit den Landgrafen von Hessen gemeinsam das Erbe der Grafen von Everstein angetreten hatten. Von den Gudenbergern schließlich kaufte 1515 Hermann von der Malsburg das Gut. Den dazu notwendigen Reichtum hatte er als Hof- und Feldmarschall des Herzogs Ulrich von Württemberg erworben, vor allem, als er dem zunächst aussichtslosen Gefecht von Lauffen doch noch eine siegreiche Wendung gab. Herzog Ulrich von Württemberg hatte sich nach seiner Niederlage im Kampf gegen den Schwäbischen Bund, den Wilhelm Hauff in seinem Roman Lichtenstein behandelt, unter den Schutz des Landgrafen Philipp von Hessen begeben und bei ihm im Exil gelebt. Philipp bereitete im Zuge seiner Aktionen gegen die Habsburger, die auch Württemberg in Besitz hielten, den Feldzug zur Wiedergewinnung Württembergs politisch und militärisch vor und ließ ihn unter dem Feldmarschall Hermann von der Malsburg durchführen. Die Malsburger behielten Elmarshausen dann über vier Jahrzehnte hinweg und bis noch vor 200 Jahren als braunschweigisches Lehen. Erst durch den Tod von Dr. Otto von der Malsburg 1961 starb die Familie im Mannesstamm aus und die älteste Tochter Freifrau Friederike Elsner von Gronow übernahm den Besitz. Deren Sohn Elmar Elsner von der Malsburg ist der heutige Schlossbesitzer. Durch die Verbindung nach Braunschweig lässt sich auch erklären, dass mit dem Wasserschloss Elmarshausen die Weserrenaissance am weitesten nach Süden in das Gebiet der ehemals hessischen Landeshoheit vordringt.


Vor dem Südflügel:

Bereits zur Zeit der Gudenberger Mitte des 15. Jahrhunderts wurde mit dem Bau einer Burg begonnen, nachdem dort schon seit 100 Jahren eine dem heiligen Andreas geweihte Kapelle stand. Von diesem Bau ist nur der Südflügel im Kern bis heute erhalten geblieben. Dieser Gudenbergischen Burg kam auch eine politische Bedeutung zu, denn sie lag nur wenige hundert Meter östlich neben der wichtigen Verkehrsstraße von Paderborn nach Fritzlar. Auf der ältesten deutschen Straßenkarte von 1641 ist diese Straße mit Elmarshausen verzeichnet. Sie wurde von der Kunstanstalt Kragemann in Fürth neu gedruckt. Von dem Südflügel als Frühwerk der Renaissance jedoch sind die durch Rundbögen nach oben abgeschlossenen kleinen Giebel um 1800 zur Zeit des beginnenden Klassizismus abgerissen und durch flache Dreiecksgiebel ersetzt.

Der eigentliche Erbauer des Schlosses ist Hermann von der Malsburg. Ihm verdankt es im Wesentlichen sein heutiges Aussehen als Wasserschloss der Renaissance. Bis 1563 führte sein Sohn Christoph von der Malsburg des Schlossbau zu Ende. Christoph von der Malsburg beschäftigte den Baumeister, Steinmetz und Bildhauer Jörg Unkair. Dieser kam aus Lustnau, heute ein Stadtteil von Tübingen, und hatte bereits an den spätgotischen Teilen des Kreuzganges vom Kloster Bebenhausen und des Tübinger Schlosses gearbeitet. Danach arbeitete er am Herzogsschloss in Celle, am Rathaus und Schloss in Stadthagen und am Detmolder Schloss und trug zur Entwicklung des Stils der Weserrenaissance bei. In Elmarshausen lässt sich durch zahlreiche seiner Steinmetzzeichen belegen, dass vor allem die rundbogigen kleinen Giebel mit den aufgesetzten Kugeln seine Handschrift tragen. Weitere Renaissanceelemente sind der quadratische Eckturm an der Südwestecke, die flach vorspringenden Fenstererker an der Süd- und Westseite, der Kragerker und der im Achteck vorspringende Erker an der Ostseite. Die Treppentürme sind jedoch mit barocken Hauben überdeckt. Ebenfalls barock ist der zweigeschossige Vorbau an der Südseite.


Im Innenhof:

Zunächst haben wir eine Dreiflügelanlage, die zuerst nach Norden nur durch eine Schildmauer abgesperrt war, um einen rechteckigen Hof. Später wurde vor dieser Schildmauer auf der Innenhofseite ein Wirtschaftsgebäude als Verbindungsbau mit einem offenem Laubengang errichtet und dabei das spätgotische Fenster der Pförtnerwohnung im angrenzenden Ostflügel einfach zugemauert. Dieser Laubengang wurde 1881 durch eine massive Außenmauer in neugotischen Formen ersetzt. Durch den Westflügel und Ostflügel ist der Innenhof durch Tore zugänglich. Im Ostflügel, dem Kapellenbau, wurde auch die Burgkapelle im 18. Jahrhundert zu einer barocken Schlosskapelle mit Orgelempore, Herrschaftslogen und hölzernen Mittelsäulen im toskanischen Stil umgebaut.


An der Erpebrücke:

Die ehemalige Zehntscheune befindet sich im Süden der Schlossanlage und steht mit der Westwand am Graben. Der barocke Fachwerkbau der Mühle schließt sich südlich an die Zehntscheune an. Gegenüber der Südwestecke des Schlosses befindet sich das Gärtnerhaus mit einem sehr steilem Walmdach.


Am Friedhof:

Der Friedhof ist mit einer Bruchsteinmauer umfriedet. Bemerkenswert ist das Grabmal für Georg Franz Wilhelm und Carl Hermann Prollius, gestorben 1791. Auf einem doppelt abgetrepptem Sockel ruht ein Obeliskstumpf, der von einer Urne bekrönt ist. Weiter sind fünf Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert mit ovalen Grabschriftkartuschen aus Sandstein vorhanden.