Dreißigjähriger Krieg: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 12. August 2007, 11:53 Uhr

Hintergrund: Der 30-jährige Krieg. In ganz Europa tobte von 1618 bis 1648 ein Krieg, der millionenfachen Tod, Verwüstung und Barbarei mit sich brachte. Nach dem legendären Prager Fenstersturz trugen zahleiche Länder ihre Macht-, Religions- und Wirtschaftsansprüche blutig auf dem Schlachtfeld aus. Es kam zu Auseinandersetzungen vor allem zwischen katholischen und protestantischen Herrschern, in Deutschland und den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel. Bekannte Feldherren auf katholischer Seite waren Tilly und Wallenstein, auf protestantischer Gustav Adolf von Schweden.
Umzingelt. Ein unbekannter Kupferstecher gibt uns dieses Bild von der möglichen Situation Mündens 1626. Der Stich zeigt eine Szenerie vom Questenberg aus. Oben ist der Galgenberg zu sehen, ganz rechts der Fuß des Gahrenbergs, wo später die Tillyschanze gebaut wurde. Siie erinnert an die Eroberung.

Der Dreißigjährige Krieg in Europa war zugleich ein Religionskrieg und ein Staatenkonflikt zwischen den damaligen Mächten Europas, der von 1618 bis 1648 zwischen der Katholischen Liga auf der einen und der Protestantischen Union auf der anderen Seite tobte. Auch in Nordhessen und Südniedersachsen verheerte und entvölkerte der Krieg ganze Landstriche.

Söldnerheere im Solling

Söldnerheere durchzogen im Dreißigjährigen Krieg auch den Solling und legten die Dörfer in Schutt und Asche

„Es ist nicht auszusprechen, wie viel herzbrechende Klagen der armen Leute täglich einkommen. Das Land ist längst allen Vorrats an Getreide, Vieh, Kleidern, Hausrat und Pflügen beraubt; die Dörfer sind meist eingeäschert, und die kleine dem Tode bisher entgangene Bevölkerung haust in Hütten oder auf freiem Felde oder sucht im Wald Obdach.“ Als der Uslarer Amtmann Pape diese deprimierende Situationsbeschreibung 1625 zu Papier brachte, tobte der Dreißigjährige Krieg sieben Jahre in Deutschland. Obwohl im Solling keine größeren Schlachten zwischen protestantischen und katholischen Armeen geschlagen wurden, zerstörten durchziehende Söldnerheere, die auf dem Höxterschen Weg zur westfälischen Kleinstadt unterwegs waren, Dörfer und Städte und verwüsteten die Felder.

Erstmalig vom Krieg berührt wurde diese Region im Jahre 1623, als der protestantische Heerführer Christian von Braunschweig, der Bischof von Halberstadt, mit seinem 21 000 Mann starken Heer durch dieses Gebiet zog. Der „tolle Christian“ flüchtete vor den Truppen des katholischen Generals Tilly.

Tillys Söldner brandschatzten in Schönhagen, Kammerborn, Bodenfelde, Nienover und Wahmbeck und nahmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Allein in Bodenfelde stahlen sie 95 Pferde, dazu Kühe, Schafe und Schweine in großer Menge. In Wahmbeck ließen die Fremden alle Besitztümer der Kirche mitgehen, während sie in Kammerborn die gesamte Ernte auf dem Halm vernichteten. In Uslar nahm Tillys Reiterhauptmann Carthaus Quartier.

Im Jahre 1625 griff der dänische König Christian IV. auf evangelischer Seite in den Krieg ein und wurde vom Niedersächsischen Kreise zum Heerführer berufen.

Um die Dänen zu vertreiben, marschierten die katholischen Feldherren Tilly und Wallenstein nach Norddeutschland. Am 1. Juni 1625 überquerte Tilly mit einer starken Truppe die Weser bei Höxter und suchte zunächst den nördlichen Solling heim. Um Michaelis raubten die Kaiserlichen Uslar aus und brannten die Stadt teilweise nieder. Im November 1625 bezogen sie trotzdem in der Kleinstadt Winterquartier.

In den folgenden Monaten suchten die Söldner in katholischen Diensten die Dörfer des südlichen Sollings heim. „Anno 1626 ist dies Hauß durch die Kayerlichen Völcker gantz abgebrannt mit dem Vorwercke, Mühlen, Schäffery und Kruge“, notierte Henning Hillefeld, der Sohn des Amtmanns von Nienover.

Ostern 1626 ließ sich Christian von Braunchweig wieder von den welfischen Dörfern Südniedersachsens aushalten. Ihm folgten dänische Verbände und später wieder kaiserliche Truppen.

Am 27. November 1626 schreibt der Uslarer Magistrat an das herzögliche Konsistorium in Wolfenbüttel, dass die Winterfrucht erfroren sei und die Sommerfrucht „wegen täglichen streifens, plündern und raubens gar nicht bestellet werden können“.

Stadt ist ausgebrannt Am 9. Mai 1628 berichten Bürgermeister und Rat, dass vor dem Kriegsunglück 300 Bürger in der Stadt gewohnt hätten, danach nur noch 50. Das Vieh sei ihnen geraubt und den täglichen Unterhalt müssten sich die Uslarer aus „fremden Ländern“ beschaffen. „Die Stadt ist abgebrannt und die eingepfarrten Dörfer von Grund auf ruiniert und durch Pestilenz, Schwert, Hunger, Kummer, Angst und Not gänzlich heruntergekommen“ klagt Uslars Superintendent Specht ein paar Tage später.

Dr. Wolfgang Schäfer