Diemelsächsische Fachwerkhäuser

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Haus Malzfeldt - Diemelsächsisches Bauernhaus in Hofgeismar aus dem Jahr 1684, das als Längsdielenhaus entstand und sich trotz mehrerer Brände in unmittelbarer Nachbarschaft als unversehrter barocker Fachwerkbau mit geschnitzter Bauornamentik präsentiert.
Haus Scheffer - Restauriertes diemelsächsisches Fachwerkhaus in Hofgeismar aus dem Jahr 1684, ein reich dekoriertes Längsdielenhaus, das in Mischbauweise (Ständer- und Rähmtechnik) entstand.

Diemelsächsische Fachwerkhäuser finden sich in vielen Städten und Gemeinden am Reinhardswald und im übrigen Landkreis Kassel.

Zu ihnen gehören etwa die Orte Grebenstein, Gottsbüren, Immenhausen, Trendelburg oder die Städte Hofgeismar und Wolfhagen mit ihren Stadtteilen.

Bauwerke

Beeindruckende Fachwerkhäuser

Als beeindruckende Bauwerke sind in Hofgeismar etwa das Haus Scheffer (Steinweg 18) oder das Haus Malzfeld (Petristraße 13) - beide aus dem Jahre 1684 - zu nennen. Erntewagengroße „Deelentore“ weisen auch den Hofgeismarer Stadtteil Hümme als altes diemelländisches Bauerndorf aus.

Im Städtchen Trendelburg entstanden diemelsächsische Bauernhäuser mit großem Tor und Tenne etwa in der Straße Altes Tor seit dem 17. Jahrhundert in einer Zeile vor der Stadtmauer. Erhalten geblieben sind auch die mit Inschriften geschmückten Fassaden. Das älteste erhaltene Bauernhaus, Rathausstraße 3, entstand um 1460.

Das älteste Fachwerk-Rathaus steht in Zierenberg, prachtvolle Fachwerkbauten finden sich auch in Naumburg oder in der Altstadt von Korbach. Während im nördlichen Waldeck noch heute zahlreiche im niederdeutschen, diemelsächsischen Stil errichtete Bauernhäuser zu finden sind, blieb in Korbach allerdings nur ein einziges Bauernhaus dieser Art erhalten.

Das offenbar älteste Fachwerkhaus Nordhessens und Niederdeutschlands ist Haus Höhn an der Grenze zwischen der Grebensteiner Ober- und Unterstadt. Das grosse Längsdielenhaus am Grebensteiner Hochzeitsberg wurde von Wissenschaftlern auf das Baujahr 1428/29 datiert.

Das Dorfmuseum in Oberweser - Oedelsheim im Ortskern ist in einem 1656 erbauten diemelsächsische Fachwerkhaus beheimatet, das seit 1996 ein Museum mit Exponaten zum Luftkur- und Weserort Oedelsheim birgt.

Und im Tierpark Sababurg findet sich heute ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1610, in dem das Jagd- und Forstmuseum untergebracht ist. Das diemelsächsische Längsdielenhaus stand bis 1979 in Gottsbüren und wurde im Frühjahr 1980 im Tierpark wieder aufgebaut.

Das älteste Fachwerkhaus Nordhessens

Das älteste Fachwerkhaus Nordhessens steht am Hochzeitsberg 5 in Grebenstein und stammt aus dem Jahr 1428. [1]

Deutsche Fachwerkstrasse

Die Region im Landkreis Kassel und im Landkreis Waldeck-Frankenberg ist Teil der 8. Regionalstrecke der Deutschen Fachwerkstraße vom Reinhardswald hin zum Waldecker Land.

Über Trendelburg, Hümme und Hofgeismar führt die Strecke auf der Bundesstrasse B 83 nach Grebenstein und weiter nach Immenhausen, von dort über Calden und Ehrsten nach Zierenberg.

Die nächsten Stationen sind Oberelsungen, Nothfelden und Wolfhagen.

Über Bründersen und Altenstädt verläuft die Route im Landkreis Kassel weiter nach Naumburg und von dort in den Kreis Waldeck-Frankenberg nach Korbach und über die Bundesstrasse B 252 mit Stationen in Herzhausen, Vöhl, Nieder-Werbe, am Edersee entlang, nach Affoldern und Mehlen bis nach Bad Wildungen.

Hintergrund

Das Diemelsächsische Bauernhaus (Diemelhaus) ist neben der bis heute nur noch zum Teil erhaltenen diemelländisch-niederdeutschen Sprache Teil der altsächsisch-niederdeutschen Kultur des nördlichen Hessen.

Das Diemelhaus ist im Wesentlichen nördlich, z. T. auch noch südlich der "ick-ich-Linie" beheimatet.

Es ist heute zu finden im Altkreis Hofgeismar und im Altkreis Wolfhagen, die beide zum heutigen Landkreis Kassel gehören, sowie im Altkreis Waldeck (dort mit weiteren Variationen).

Das Diemelhaus ist eine Form des niederdeutschen "Einhauses" mit Lebens- und Wohnraum für Mensch und Tier unter einem Dach.

Man unterscheidet Drei- und Vierständerhaus. Die ursprünglich breit angelegten, giebelständigen Häuser wurden im 18. Jahrhundert auch traufständig gebaut oder verändert. Es gibt daher Längs- und Querdielenhäuser.

Im Mittelpunkt, manchmal leicht nach links verschoben, befindet sich die Diele, "DEELE" genannt, die "Lebensachse" des Hauses, die im Diemelhaus oft nur Durchfahrtstenne ist, da für die Hofwirtschaft wenig Platz war, und der Hof hinter dem Haus lag. Beim Dreiständerhaus befindet sich die "DEELE" auf einer Seite.

Prägend für das Diemelhaus ist die oft aufwändig gearbeitete Fachwerkfront mit dem großen "DEELENTOR".

An der "DEELE" reihen sich die Wohn- und Stallbereiche auf. Sind im Altniederdeutschen Haus Stallteil vorn und Wohnteil (Küche, Fleet) hinten (ohne Durchfahrt), so ist das im Diemelland meist umgekehrt, also Wohnteil vorn und Stallteil auf der Seite oder hinten (mit Durchfahrt).

Die Vorratsräume für Mensch und Tier liegen im geräumigen, mächtigen Dachstuhl des Hauses, der, meist aus Eichenholz gezimmert, "BALKEN" genannt wird.

Die oft viele Jahrhunderte alten Diemelsächsischen Häuser geben den Dörfern und Landstädten ein besonderes Gepräge.

Bildergalerie

siehe auch

Kbh-BauernhausAltesTennentor.JPG

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 8.10.2013: Rettung für ältestes Haus - Paar kaufte Baudenkmal

Weblinks