Dalwigker Straße

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Die Dalwigker Straße in Korbach

Große Wagen blieben im engen Tor stecken

Der Name erinnert an das frühere Dorf Dalwigk. In der Straße stand eines der fünf Korbacher Stadttore.

Die Dalwigker Straße ist eine in Richtung Südosten aus der Stadt Korbach hinaus führende Ausfallstraße, die am Altstädter Marktplatz ihren Ausgang nimmt. Sie wurde nach dem etwa zweieinhalb Kilometer entfernt liegenden Dorf Dalwigk benannt, das allerdings schon vor Jahrhunderten von der Landkarte verschwand.

Am Ende der zum Stadtausgang hin abfallenden Straße stand einst das Dalwigker Tor.

Dieses Doppeltor war eins der fünf Korbacher Stadttore. Auf Anordnung der Fürstlichen Regierung mussten um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Stadttore niedergelegt werden. Als Begründung wurde angegeben, dass wiederholt große Wagen in den engen Durchfahrten steckengeblieben waren. Außerdem muss wohl auch von den verfallenden Stadttoren eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung durch herabstürzendes Mauerwerk bestanden haben. Nachdem bereits das Tränketor, das Bemdorfer und das Lengefelder Tor abgerissen waren, erfolgte der Abriss des Dalwigker Tores 1843. Das Enser Tor wurde erst 15 Jahre später niedergelegt. Durch den Abriss verschwand natürlich auch die Pförtnerwohnung, die sich über dem Tor befand.

Dem geplanten Ausbau der Landstraße nach Wildungen stand nun nichts mehr im Wege. Die äußere Stadtmauer, die vom Tränketor aus in weitem Bogen um die Stadt herum geführt wurde, fand am Dalwigker Tor ein Ende. Sie wurde von hier aus nicht fortgesetzt, da zwischen Dalwigker Tor und Tränketor keine Notwendigkeit dafür bestand. Die hier verlaufenden Bäche Wirmecke und Kuhbach mit dem dazwischen liegenden Sumpfgelände boten an dieser Stelle einen natürlichen Schutz gegen mögliche Angreifer. Nur die innere Stadtmauer verlief von hier aus über den Butterturm zum Tränketor. Auf der inneren Seite der später niedergelegten Mauer verläuft heute die Grabenstraße. Mit ihr wurden streckenweise die Fundamente der alten Innenmauer überbaut.

Die Verbindungsmauer zwischen beiden Toren blieb erhalten. Sie bildet heute den unteren Abschluss des Hospitalhagens. Nicht mehr zu sehen sind allerdings die Schießscharten, da das Gelände hier stark aufgefüllt wurde. An der Dalwigker Straße stehen auf beiden Seiten je sechs Häuser. Bis auf das Rube'sche Haus (Nummer l) sind alle Häuser nicht viel älter als 200 Jahre. Sie wurden auf ehemaligen Brandstätten oder auf Abrissgrundstücken erbaut. Das frühere Stuhldreher'sche Haus (Nummer 13) am unteren Ende der Straße wurde vor einigen Jahre Opfer einer Straßenbaumaßnahme, bei der die Kreuzung Dalwigker Straße, Grabenstraße und Wildunger Landstraße verkehrsgerecht ausgebaut wurde. Dieses Haus hatte 1945 beim Einmarsch der Amerikaner einige Beschussschäden erlitten.

Hier lag Dorf Dalwigk

Zwischen dem in Richtung Itter liegenden Krollsberg, den Korbachern auch als Müllers Berg" bekannt, und dem Dalwigker Holz findet der Wanderer einen Gedenkstein mit der Inschrift Hier lag das Dorf Dalwigk 1036 bis 1624". Es erinnert an eine Ortschaft, die im Dreißigjährigen Krieg verlassen und schließlich zur Wüstung wurde.

Die Adelsfamilie von Dalwigk, die ihren Stammsitz auf der Burg Lichtenfels hatte, führt ihren Namen auf diese frühere Ansiedlung bei Korbach zurück. Das heutige Dalwigksthal gibt es erst seit 1851.

Erbprinz und General ritten 1760 in die Stadt

Im Siebenjährigen Krieg standen sich bei der Schlacht vor Korbach die Verbündeten König Friedrichs II. von Preußen unter dem Oberbefehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig und die französische Armee unter Marschall de Broglie hier gegenüber. Da Korbach bereits von den Franzosen besetzt war, unternahm der Erbprinz von Braunschweig in Begleitung des Generals Luckner am 10. Juli 1760 einen Rekognoszierungsritt in die Stadt und hielt sich einige Zeit am Dalwigker Tor im Hause des Korbacher Bürgers Wilhelm Götte auf." Johann Wilhelm Goette, Metzgermeister und Ratsmitglied, war von 1727 bis 1768 Besitzer dieses Hauses. (Zitat aus Dr. Wolfgang Medding, Korbach - die Geschichte einer deutschen Stadt).

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße).

Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.

siehe auch