DFB-Pokal

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Finale im Auestadion 1958

Finale im Auestadion 1959

Kapitän Edmund Kasperski hält auf den Schultern eines Schlachtenbummlers den Pokal hoch. (Foto: HNA)
In der Klasse 12 a des Kasseler Wilhelmsgymnasiums gab es Ende 1959 gerade mal eine Hand voll Fußballfans. Unter diesen fünf (einschließlich des Schreibers dieser Zeilen) drehten sich die Gespräche in den Schulpausen ausschließlich um den KSV Hessen, der damals in der 2. Liga Süd spielte.

Doch in dem zu Ende gehenden Jahr stand die Attraktion im Fokus der Diskussionen, die im Kasseler Auestadion stattfinden sollte: Das DFB-Pokalfinale SW Essen - Borussia Neunkirchen am Tag nach Weihnachten.

Nicht nur das 12-a-Quintett fieberte diesem Endspiel entgegen. Eine ganze Fußball-Region erinnerte sich nämlich noch gut an das 58er Finale, das ebenfalls im Auestadion dem VfB Stuttgart einen 4:3-Sieg nach Verlängerung über Fortuna Düsseldorf bescherte.

Ein Jahr später war die Kasseler Arena somit erneut proppevoll, denn 21 000 Zuschauer erlebten den 5:2 (1:0)-Triumph der Essener gegen den Südwest-Oberligisten. Damals wurde der Pokal am Ende des Kalenderjahres vergeben, und da es noch keine Winterpause gab, blieben nur wenige freie Wochenenden.

Der Spielort wurde erst eine Woche vorher festgelegt; beide Finalisten durften zwei Stadien vorschlagen, konnten sich aber nicht einigen. So entschied sich der Deutsche Fußball-Bund für Kassel.

Die Essener, die heute in der NRW-Liga Platz vier belegen (Neunkirchen ist 14. in der Oberliga Südwest - beide also fünftklassig), hatten auf dem Weg ins Finale u. a. Hertha BSC und den HSV ausgeschaltet.

In Hamburg vertrat Essens Abwehrspieler Karl-Heinz Mozin seinen verletzten Torwart in der Schlussphase mit blankem Oberkörper (Auswechselspieler gab’s noch nicht), um sich optisch vom Team abzusetzen. Der Schiedsrichter hatte Mitleid und borgte ihm seine schwarze Jacke. Wenige Minuten später stoppte Mozin den durchgebrochenen Charly Dörfel, indem er ihm die Hose herunterzog. Alle erwarteten einen Platzverweis des Esseners, doch Mozin bat beim Schiedsrichter um Gnade - angeblich mit den Worten: „Lass mich im Spiel. Meine Frau macht mir die Hölle heiß, wenn ich im Finale nicht dabei bin.“

Im Kasseler Endspiel gehörten die Sympathien ganz klar den Essenern, stand doch mit Horst Trimhold der Sohn von Heini Trimhold in der Elf. Trimhold senior war in den Nachkriegsjahren zusammen mit Nationalspieler Hans Schäfer die große Stütze des in der Landesliga spielenden VfR Volkmarsen.

Weil Essen schon in den ersten 45 Minuten hoch überlegen spielte, tranken einige Spieler schon in der Pause Piccolo-Sekt, wie sich Horst Trimhold erinnerte. Die Pokalsieg-Prämie betrug 500 Mark, die jüngeren Spieler bekamen die Hälfte. Profis gab es noch nicht - die Essener verdienten 160 Mark im Monat.

Das Endspiel von 1959 in der Statistik

SW Essen: Merchel - Mozin, Pips - Steinmann, Kasperski, Ingenbold - Trimhold, Schieth, Rummel, Küppers, Klöckner

Neunkirchen: Jirasek - Frisch, Schreier - Leist, Lauck, Harig - Follmann, Meurer, Emser, Dörrenbächer, Ringel

Schiedsrichter: Schulenburg (Hamburg) - Linienrichter: Sparing (Hermannia Kassel) und Sturm (Hannover).

Tore: 1:0 Rummel (26.), 2:0 Rummel (51.), 3:0 Klöckner (66.), 4:0 Trimhold (70.), 5:0 Schieth (79.), 5:1 Emser (86., Foulelfmeter), 5:2 Dörrenbächer (89.). - Zuschauer: 21 000.


Quelle

  • Artikel von Günter Grabs in der HNA vom 29. Dezember 2009