Club 21: Unterschied zwischen den Versionen

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== Damals hieß der DJ Plattenwender ==
 
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//Der Kasseler Club 21 gilt als die älteste Disco Deutschlands. Klaus Richter hatte vor 40 Jahren die bahnbrechende Idee, in seiner Kneipe einen Studenten einzustellen, der die Platten auflegte: Die Disco war geboren.//
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''Der Kasseler Club 21 gilt als die älteste Disco Deutschlands. Klaus Richter hatte vor 40 Jahren die bahnbrechende Idee, in seiner Kneipe einen Studenten einzustellen, der die Platten auflegte: Die Disco war geboren.''
  
 
Wer 1961 Jahren jung war und voll auf der Höhe des Zeitgeistes, der mixte Pils mit Sekt und traf sich zum Tanzen im Club 21. Die In-Brause kostete zwei Mark - das war teuer zu Zeiten, wo man für ein Glas Bier 70 Pfennige hinlegte. Der Treff residierte in den Kellerräumen des Autohauses Bierschenk am [[Friedrichsplatz]]. Schon wenige Tage nach der Eröffnung hat sich herumgesprochen, dass der Club 21 bei jungen Leuten angesagt ist. So was war neu in [[Kassel]]. Zuvor gab es nur Tanzcafés, Nachtclubs oder Eckkneipen. Kein Platz für die Szenejugend, die Anfang der 60er-Jahre gesittet mit Schlips und Kragen ausging und die Mädchen nach allen Regeln der Kunst zum Tanzen aufforderte.
 
Wer 1961 Jahren jung war und voll auf der Höhe des Zeitgeistes, der mixte Pils mit Sekt und traf sich zum Tanzen im Club 21. Die In-Brause kostete zwei Mark - das war teuer zu Zeiten, wo man für ein Glas Bier 70 Pfennige hinlegte. Der Treff residierte in den Kellerräumen des Autohauses Bierschenk am [[Friedrichsplatz]]. Schon wenige Tage nach der Eröffnung hat sich herumgesprochen, dass der Club 21 bei jungen Leuten angesagt ist. So was war neu in [[Kassel]]. Zuvor gab es nur Tanzcafés, Nachtclubs oder Eckkneipen. Kein Platz für die Szenejugend, die Anfang der 60er-Jahre gesittet mit Schlips und Kragen ausging und die Mädchen nach allen Regeln der Kunst zum Tanzen aufforderte.
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Eine echte Discothek wurde der Club 21 erst nach ein paar Wochen. Tanzmusik gab es zwar von Anfang an - das zog ja die jugendliche Kundschaft in Scharen in den plüschigen Keller. Aber die Mucke kam zu Beginn noch vom Tonband. In mühevoller Kleinarbeit hatte Klaus Richter die großen Rollen mit Schallplattenmusik bespielt und nudelte die Bänder Abend für Abend ab. Doch nach ein paar Wochen murrten die Gäste immer lauter. Sie kannten das Musikprogramm schon so gut, dass sie bei jedem Titel vorhersagen konnten, welcher als nächstes kommt. Und dann hatte Klaus Richter den Einfall, der seinem Club den Titel älteste Discothek Deutschlands einbrachte. Er stellte einen Studenten ein, der zwischen den Tonbandliedern Schallplatten auflegte.
 
Eine echte Discothek wurde der Club 21 erst nach ein paar Wochen. Tanzmusik gab es zwar von Anfang an - das zog ja die jugendliche Kundschaft in Scharen in den plüschigen Keller. Aber die Mucke kam zu Beginn noch vom Tonband. In mühevoller Kleinarbeit hatte Klaus Richter die großen Rollen mit Schallplattenmusik bespielt und nudelte die Bänder Abend für Abend ab. Doch nach ein paar Wochen murrten die Gäste immer lauter. Sie kannten das Musikprogramm schon so gut, dass sie bei jedem Titel vorhersagen konnten, welcher als nächstes kommt. Und dann hatte Klaus Richter den Einfall, der seinem Club den Titel älteste Discothek Deutschlands einbrachte. Er stellte einen Studenten ein, der zwischen den Tonbandliedern Schallplatten auflegte.
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Besonders gern wurde 1961 zu dem Alleinerziehende-Mutter-Hit Babysitter-Boogie von Ralph Bendix getanzt. Ein Jahr später drehte sich bevorzugt Connys Sehnsuchts-Schnulze Zwei kleine Italiener auf dem Plattenteller. "Discjockey nannten wir den noch nicht", erzählt Klaus Richter über seine musikalische Geheimwaffe, "damals hieß der einfach Plattenwender." Dieser Plattenwender hatte so einen Erfolg, dass er nach kürzester Zeit das Tonband ganz ersetzte. Das Besondere: "Wir hatten schon amerikanische Platten - das war ganz exklusiv."
 
Besonders gern wurde 1961 zu dem Alleinerziehende-Mutter-Hit Babysitter-Boogie von Ralph Bendix getanzt. Ein Jahr später drehte sich bevorzugt Connys Sehnsuchts-Schnulze Zwei kleine Italiener auf dem Plattenteller. "Discjockey nannten wir den noch nicht", erzählt Klaus Richter über seine musikalische Geheimwaffe, "damals hieß der einfach Plattenwender." Dieser Plattenwender hatte so einen Erfolg, dass er nach kürzester Zeit das Tonband ganz ersetzte. Das Besondere: "Wir hatten schon amerikanische Platten - das war ganz exklusiv."

Version vom 11. September 2006, 17:24 Uhr

Damals hieß der DJ Plattenwender

Der Kasseler Club 21 gilt als die älteste Disco Deutschlands. Klaus Richter hatte vor 40 Jahren die bahnbrechende Idee, in seiner Kneipe einen Studenten einzustellen, der die Platten auflegte: Die Disco war geboren.

Wer 1961 Jahren jung war und voll auf der Höhe des Zeitgeistes, der mixte Pils mit Sekt und traf sich zum Tanzen im Club 21. Die In-Brause kostete zwei Mark - das war teuer zu Zeiten, wo man für ein Glas Bier 70 Pfennige hinlegte. Der Treff residierte in den Kellerräumen des Autohauses Bierschenk am Friedrichsplatz. Schon wenige Tage nach der Eröffnung hat sich herumgesprochen, dass der Club 21 bei jungen Leuten angesagt ist. So was war neu in Kassel. Zuvor gab es nur Tanzcafés, Nachtclubs oder Eckkneipen. Kein Platz für die Szenejugend, die Anfang der 60er-Jahre gesittet mit Schlips und Kragen ausging und die Mädchen nach allen Regeln der Kunst zum Tanzen aufforderte.

Klaus Richter, damals Mitte 20, gerade aus der Dekorateurs-Branche ausgestiegen und den Kopf voller Ideen, hatte den richtigen Riecher, als er mit einem Kumpel die erste Discothek Deutschlands aufmachte. Sein Laden war von Anfang an ein Renner und hielt sich bis Anfang 2002 in der Friedrich-Ebert-Straße.

Eine echte Discothek wurde der Club 21 erst nach ein paar Wochen. Tanzmusik gab es zwar von Anfang an - das zog ja die jugendliche Kundschaft in Scharen in den plüschigen Keller. Aber die Mucke kam zu Beginn noch vom Tonband. In mühevoller Kleinarbeit hatte Klaus Richter die großen Rollen mit Schallplattenmusik bespielt und nudelte die Bänder Abend für Abend ab. Doch nach ein paar Wochen murrten die Gäste immer lauter. Sie kannten das Musikprogramm schon so gut, dass sie bei jedem Titel vorhersagen konnten, welcher als nächstes kommt. Und dann hatte Klaus Richter den Einfall, der seinem Club den Titel älteste Discothek Deutschlands einbrachte. Er stellte einen Studenten ein, der zwischen den Tonbandliedern Schallplatten auflegte.


Besonders gern wurde 1961 zu dem Alleinerziehende-Mutter-Hit Babysitter-Boogie von Ralph Bendix getanzt. Ein Jahr später drehte sich bevorzugt Connys Sehnsuchts-Schnulze Zwei kleine Italiener auf dem Plattenteller. "Discjockey nannten wir den noch nicht", erzählt Klaus Richter über seine musikalische Geheimwaffe, "damals hieß der einfach Plattenwender." Dieser Plattenwender hatte so einen Erfolg, dass er nach kürzester Zeit das Tonband ganz ersetzte. Das Besondere: "Wir hatten schon amerikanische Platten - das war ganz exklusiv."

Damit war die bahnbrechendste Veränderung in der Geschichte des legendären Nacht-Treffs bereits vollzogen. Was danach kam, waren im Vergleich zur Geburt des deutschen DJs Kleinigkeiten. 1966 der Umzug in einen Neubau in der Friedrich-Ebert-Straße - mitten zwischen die Trümmergrundstücke. Später gab es immer mal eine neue Tapete oder neue Bezüge für die Polster-Barsessel. Dann wurde im Club eine Cocktailbar eröffnet - es waren eben die bunten Drinks in und nicht mehr Pils mit Sekt.

Hölzernes Maskottchen und Wahrzeichen des Clubs war ein Affe. "Man trifft sich unterm Affen." Trank vielleicht einen der über 60 Whiskys, die der Club 21 im Angebot hatte, bis er am 26. Januar 2002 seine Pforten schloss.