Christenberg

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Militär-Basis für den Krieg gegen die Sachsen

Beliebtes Ausflugsziel für Frankenberger, Marburger und Biedenkopfer ist der Christenberg oberhalb von Münchhausen. Nicht nur die gute Gastronomie lockt, sondern auch das weitläufige, geschichtsträchtige Gelände.



Keine Urkunde berichtet über die frühe Zeit, in der auf dem heutigen Christenberg erste Festungsanlagen entstanden. Erst 1225 wird der Platz als Kesterburg schriftlich bezeugt. Da ist er bereits oder noch Sitz eines Dekanats, eines kirchlichen Verwaltungsbezirks, der von der Wohra bis ins Siegerland reichte. Der Name Kesterburg wird von Castrum-Kastell abgeleitet und ist so ein doppelter Burgname, aus dem in einer falschen Eindeutschung Christenberg wurde, während der letzte Bestandteil burg der Landschaft zwischen Frankenberg und Marburg den Namen Burgwald gegeben hat.

Die 387 Meter hoch gelegene Fläche war in zwei Epochen vor rund 2400 Jahren sowie vor 1200 Jahren für ein großes Umland ein mächtiges Wirtschafts- und Machtzentrum. Noch heute sind am Rand des Plateaus mächtige Erdwälle zu sehen, die zu einem Teil aus dem 8. Jahrhundert nach Christi Geburt stammen. Der Hauptvorwall wurde nach den bisherigen Erkenntnissen in frühkeltischer Zeit um 400 vor Christi angelegt. Nach der Zerstörung der keltischen Festungen blieb der Christenberg fast ein Jahrtausend lang unbesiedelt, bis sich ab der Zeit um 700 nach Christi Geburt die fränkische Reichsgewalt hier erstmals einen wichtigen Stützpunkt für die Eingliederung des hessischen Gebietes und für die beginnende Auseinandersetzung mit den Sachsen schuf. Eingetiefte kasemattenartige Häuser, Holzbauten mit schrägen Außenstützen, sechseckige Pfosten-Speicherbauten und steinerne Webkammern vervollständigen das Bild der Innenbesiedlung.

Offensichtlich war aber nicht die ganze Fläche besiedelt. Die größeren offenen Flächen dienten dazu, im Kriegsfall das Heer aufzunehmen, das dann in der Kesterburg auf dem Christenberg eine feste Basis für die Operationen entlang der Weinstraße ins Sachsenland hatte. Nicht zufällig fand eine der großen Schlachten zwischen Sachsen und Franken im Jahr 778 vor den Toren des Christenberges zwischen Laisa und Battenfeld statt. Dem imposanten Südtor entsprechend, wenngleich wieder anders gestaltet, war das Nordtor nördlich der heutigen Totenhalle. Es wurde erst während der zweiten karolingischen Befestigungsphase angelegt. Hier wurde die Befestigungsmauer - wie es bei späteren frühmittelalterlichen Anlagen häufig vorkommt - nach innen eingezogen und bildete so den zwingerartigen Vortorbereich. Dann folgte eine ähnliche Toranlage wie die der Südseite. Im Nordwesten schirmte eine rechteckige Bastion den von Nordosten kommenden Einfahrtsweg ab. Im Innern der Anlage stand schon während der Befestigungszeit die St. Martinskirche.

Unter der heutigen Kirche, die in Turm und Langhaus dem 11.Jahrhundert entstammt und einen Chor von 1520 besitzt, wurde der ältere Grundriss einer noch größeren Saalkirche mit einem quadratischen Chorabschluss von sieben Meter Seitenmaß ausgegraben. Dank der Unterstützung von Land und Kreis ist es gelungen, neben den restaurierten Befestigungsanlagen im Gasthausgebäude auf dem Christenberg eine Ausstellung zu errichten, die in der Form der Gestaltung ganz neue Wege einschlägt, um so einen Querschnitt des Fundmaterials nicht nur einigen Spezialisten, sondern der gesamten interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Von Klaus Jungheim (Quelle: Dr. Rolf Gensen)