Carlsbahn

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Streckenverlauf der Carlsbahn

Als Carlsbahn wurde die am 30. März 1848 eröffnete und am 27. September 1966 stillgelegte Eisenbahnstrecke zwischen dem heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme und Bad Karlshafen bezeichnet.

Zusammen mit der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn (bis Hümme) verband die Bahnstrecke die Stadt Kassel mit der Stadt Karlshafen an der Weser.

Geschichte

Eröffnung der Strecke im Jahre 1848

Bahnhof in Hümme
Bahnhof "Carlshafen linkes Ufer" 1877, Endpunkt der Carlsbahn

Nachdem sich der von Landgraf Karl von Hessen-Kassel geplante Bau einer Wasserstraße von Kassel nach Karlshafen (Landgraf-Carl-Kanal) nicht realisieren ließ, wurde gut ein Jahrhundert später eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande geschaffen.

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Erste Lokomotiven

Die ersten Lokomotiven auf der Strecke ("Hirsch" und "Sababurg") wurden von einer amerikanischen Firma (Firma Norris in Philadelphia) bezogen, bevor die erste einheimische Lokomotive ("Drache" zum Preis von 15.686 Talern) der Kasseler Maschinenbaufirma Henschel im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst aufnahm.

Streckenverlauf

Nach dem Abzweig von der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Hümme führte die ehemalige Eisenbahnstrecke der Carlsbahn in nordöstlicher Richtung nach Stammen und weiter zum Bahnhof Trendelburg (1912 erbaut).

Hinter Trendelburg wurde der 264 m lange Tunnel durch den Kesselberg ("Deiseler-Tunnel") erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape.

Dem Haltepunkt Wülmersen folgte der Bahnhof in Helmarshausen und schließlich der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer (zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer), der Anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde.

Stilllegung

Bereits im Jahre 1966 wurde die Eisenbahnstrecke stillgelegt und der öffentliche Personenverkehr von Bussen übernommen.

Galerie

Historische Verkehrsverbindungen

Carlsbahn und Carlskanal

Landgraf Karl verfolgte den Plan, die Weser bei Sieburg (dem späteren Carlshaven) mit der Fulda durch einen Kanal zu verbinden, etwa ab dem Jahr 1713, offenbar um das Hannoversch-Mündener Zollrecht zu umgehen und Waren direkt von Karlshafen (an der Weser) in die Residenzstadt Kassel bringen zu können.

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde dann gut ein Jahrhundert später mit der Eröffnung der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme und der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen geschaffen, nachdem man zunächst - unter der Herrschaft des Landgrafen Friedrich II. - eine gut ausgebaute Straße für Transporte von Kassel über Karlshafen bis nach Bremen gebaut hatte.

Ein Graf als Brettspiel

Uni-Studie über die touristischen Nutzungsmöglichkeiten von Carlsbahn und -kanal

Auszug aus dem Artikel von Markus Löschner in der HNA vom 15. August 2007

"Bad Karlshafen. Sieben angehende Landschafts- und Stadtplaner der Uni Kassel haben sich mit den beiden historischen Verkehrsverbindungen Carlsbahn und Carlskanal beschäftigt. Sie wollten wissen, ob sich die Anlagen touristisch nutzen lassen. Unter dem Motto "Wandeln auf historischen Pfaden" recherchierten sie zwischen Hümme und Bad Karlshafen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Bad Karlshafener Rathaus präsentiert.

Die Kasseler Studenten haben unter der Leitung von Professor Diedrich Bruns und Dr. Klaus Horn zunächst die Überreste der historischen Verkehrswege mithilfe von Ortskundigen, alten Karten und der Suche im Gelände aufgespürt, kartiert und in einem digitalen Archiv erfasst.

Im zweiten Schritt ihrer Arbeit hat sich die Gruppe mit der Frage beschäftigt, wie die Geschichte von Carlskanal und Carlsbahn touristisch genutzt werden könnte. Eine "Carlsroute" wurde erarbeitet, die zwar ähnlich verläuft wie der heutige Radweg, jedoch die Überreste der Bahntrasse besser erschließt und den Kanal stärker einbezieht.

"Warum wird so etwas denn nicht zugänglich gemacht?" Die Frage stellte sich eine Familie, die mit dem Rad zwischen Trendelburg und Wülmersen unterwegs war und in der Nähe von Deisel an der Informationstafel des Eco-Pfades Diemel anhielt und dem kleinen Pfad zum alten Deiseler Tunnel gefolgt war.

Ein mächtiger Anblick

Wer sich diese Mühe macht, wird mit dem Anblick des mächtigen Tunnelportals mitten im Wald belohnt. Der 202 Meter lange Tunnel ist sicherlich das spektakulärste Relikt der 1848 in Betrieb genommenen 16,5 Kilometer langen Carlsbahn zwischen Hümme und Karlshafen.

Eine Streckenführung durch den Deiseler Tunnel wäre für die Studenten das Idealziel. Im Tonstudio wurde auch ein Audioführer produziert, der den Reisenden an wichtigen Punkten der Strecke per MP3-Player mit Informationen versorgt. Ein handlicher Kulturlandschaftsführer mit Texten, Bildern, ausklappbaren Karten und touristischen Informationen liegt bereits als produktionsreifer Prototyp vor. ..."

siehe auch

Viadukt der ehem. Carlsbahn bei Wülmersen über die Holzape
Carlsbahn - Tunnelportal zwischen Trendelburg und Wülmersen

Weblinks