Café Paulus: Unterschied zwischen den Versionen

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Am [[8. Februar]] [[1966]] konnte man seinen Mokka zum ersten Mal im Café Paulus am [[Friedrichsplatz]] einnehmen. Rotgepolsterte Stühle an weißen Tischen, eine Decke aus Nussbaumholz und lindgrüne Vorhänge - so präsentierte sich das Innere des Pavillons, der 138 Gästen Platz bot. [[Datei:Café Paulus.jpg|thumb|left|200px Das Café Paulus am Friedrichsplatz, Archivfoto: Lengemann]]
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Am [[8. Februar]] [[1966]] konnte man seinen Mokka zum ersten Mal im Café Paulus am [[Friedrichsplatz]] einnehmen. Rotgepolsterte Stühle an weißen Tischen, eine Decke aus Nussbaumholz und lindgrüne Vorhänge - so präsentierte sich das Innere des Pavillons, der 138 Gästen Platz bot. [[Datei:Café Paulus.jpg|thumb|left|200px| Das Café Paulus am Friedrichsplatz, Archivfoto: Lengemann]]
  
 
Oberbürgermeister [[Karl Branner]] hoffte damals, dass "ein Plausch bei einem Tässchen Kaffee am Friedrichsplatz für viele zu einer alten Gewohnheit wird." Ein Cafe gleichen Namens gab es bereits an der Treppenstraße. Inhaber Rudolf Herrmann wies vorsorglich in einer Anzeige darauf hin, dass auch dort "nach wie vor ein Treffpunkt" sei.  
 
Oberbürgermeister [[Karl Branner]] hoffte damals, dass "ein Plausch bei einem Tässchen Kaffee am Friedrichsplatz für viele zu einer alten Gewohnheit wird." Ein Cafe gleichen Namens gab es bereits an der Treppenstraße. Inhaber Rudolf Herrmann wies vorsorglich in einer Anzeige darauf hin, dass auch dort "nach wie vor ein Treffpunkt" sei.  
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Nemeczek sparte aber auch nicht mit kritischen Worten zur "städtebaulichen Lage". Der Pavillon bleibe ein Fremdkörper, er gehöre weder zur [[Oberen Königsstraße]] noch zum [[Friedrichsplatz]] und verhindere, dass der "größte Stadtplatz Europas in seiner ursprünglichen Gestalt zur Geltung komme."
 
Nemeczek sparte aber auch nicht mit kritischen Worten zur "städtebaulichen Lage". Der Pavillon bleibe ein Fremdkörper, er gehöre weder zur [[Oberen Königsstraße]] noch zum [[Friedrichsplatz]] und verhindere, dass der "größte Stadtplatz Europas in seiner ursprünglichen Gestalt zur Geltung komme."
 
[[1984]] lief der Pachtvertrag für die Räume an der Treppenstraße aus, seit dieser Zeit gibt es nur noch das Café am Friedrichsplatz. Bis [[1994]] blieb der Betrieb in Familienhand, danach übernahm bis [[2001]] ein Unternehmen aus Essen den Betrieb.  Im Jahr 2001 verschwand der traditionsreiche Name Café Paulus. Seitdem befindet sich die Gastronomiekette Alex in dem Flachdachbau.  
 
[[1984]] lief der Pachtvertrag für die Räume an der Treppenstraße aus, seit dieser Zeit gibt es nur noch das Café am Friedrichsplatz. Bis [[1994]] blieb der Betrieb in Familienhand, danach übernahm bis [[2001]] ein Unternehmen aus Essen den Betrieb.  Im Jahr 2001 verschwand der traditionsreiche Name Café Paulus. Seitdem befindet sich die Gastronomiekette Alex in dem Flachdachbau.  
Besonders beliebt war das Cafe Paulus für seinen Verkaufsschlager, den Baumkuchen. Er wurde sogar bis nach Amerika verkauft. Mit dem Ende des Familienbetriebes endete auch die Herstellung des Baumkuchens. <ref>[http://www.hna.de/kassel/mitte-kassel-ort248256/caf-paulus-wurde-jahren-friedrichsplatz-gebaut-heute-caf-alex-6093028.html Artikel aus HNA.de vom 4. Februar 2016: Café Paulus wurde vor 50 Jahren auf Friedrichsplatz gebaut - heute Café Alex]</ref>  
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Besonders beliebt war das Cafe Paulus für seinen Verkaufsschlager, den Baumkuchen. Er wurde sogar bis nach Amerika verkauft. Mit dem Ende des Familienbetriebes endete auch die Herstellung des Baumkuchens. <ref>[http://www.hna.de/kassel/mitte-kassel-ort248256/caf-paulus-wurde-jahren-friedrichsplatz-gebaut-heute-caf-alex-6093028.html Artikel aus HNA.de vom 4. Februar 2016: Café Paulus wurde vor 50 Jahren auf Friedrichsplatz gebaut - heute Café Alex]</ref>
  
 
== Quellen und Links ==
 
== Quellen und Links ==

Aktuelle Version vom 5. Februar 2016, 14:30 Uhr

Café Paulus

Das Café Paulus war ein kleiner Gastronomie-Betrieb in Kassel. Zwischen 1872 und 1994 war es ein beliebter Treffpunkt für die Menschen in der Innenstadt.

Anfänge

Hans Paulus war im Jahr 1900 in die Konditorei seines Vaters eingestiegen. Der hatte das Geschäft 1872 am Ständeplatz gegründet und sich schnell einen Namen gemacht. Zu den Kunden der Familie Paulus gehörte auch die Kaiserfamilie, wenn sie in Wilhelmshöhe weilte. Das Geschäft führte den Titel „Königliche Hofkonditorei und Baumkuchenfabrik“.

Unter Hans Paulus wurde das Geschäft ausgebaut. Seine Frau Lilli hielt ihm dabei den Rücken frei. Der zunehmende Auslieferungsservice an Hotels und Restaurants erforderte moderne und größere Arbeitsräume und Kühlungsanlagen.[1]

Die Tochter und die Bombennacht

Postkarte vom Café Paulus

Als Hans Paulus 1938 unerwartet starb, stieg Tochter Gisela Paulus in das Familienunternehmen ein. Ihr Bruder Herbert, der das Unternehmen als einziger männlicher Nachfolger eigentlich hätte übernehmen sollen, war 1918 im Alter von neun Jahren an einer Grippe gestorben.

In der Bombennacht im Oktober 1943 wurde die Konditorei Paulus am Ständeplatz völlig zerstört. Lilli Paulus und ihre Töchter Gisela und Ursula konnten nur ihr Leben retten. Bis das Café neu eröffnet werden konnte, sollten einige Jahre ins Land gehen.

1946 lernte Gisela Paulus ihren späteren Mann bei einer Freundin kennen, den Gartenarchitekten Rudolf Herrmann. 1948 heiratete das Paar, ein Jahr später kam Tochter Barbara zur Welt.

Der Neuanfang

1956 erfüllten sich Gisela Herrmann und ihre Mutter einen Herzenswunsch. Sie eröffneten das Café Paulus neu: In der Treppenstraße neben der Handwerkskammer. Rudolf Herrmann unterstützte seine Frau nach Kräften. 1959 gab er sogar seinen Gartenbaubetrieb auf, um sich ganz und gar dem Café zu widmen.

Bei einem Italienurlaub hatte das Paar gesehen, dass dort die Menschen draußen saßen. So wurde das Café Paulus der erste Betrieb in Kassel mit Außenbestuhlung. Am Anfang traute sich niemand der Kunden, an den Tischen Platz zu nehmen. „Dann mussten sich die Lehrlinge mit Cola und Butterbrot dort hinsetzen“, erzählte Gisela Herrmann 2006. Tische und Stühle unter freiem Himmel setzten sich schließlich durch.

Neues Café am Friedrichsplatz

Am 8. Februar 1966 konnte man seinen Mokka zum ersten Mal im Café Paulus am Friedrichsplatz einnehmen. Rotgepolsterte Stühle an weißen Tischen, eine Decke aus Nussbaumholz und lindgrüne Vorhänge - so präsentierte sich das Innere des Pavillons, der 138 Gästen Platz bot.
Das Café Paulus am Friedrichsplatz, Archivfoto: Lengemann

Oberbürgermeister Karl Branner hoffte damals, dass "ein Plausch bei einem Tässchen Kaffee am Friedrichsplatz für viele zu einer alten Gewohnheit wird." Ein Cafe gleichen Namens gab es bereits an der Treppenstraße. Inhaber Rudolf Herrmann wies vorsorglich in einer Anzeige darauf hin, dass auch dort "nach wie vor ein Treffpunkt" sei.

Großes Lob für das von Architekt Klaus Gerhardt entworfene Gebäude gab es von HNA-Kulturredakteur Alfred Nemeczek. Er freute sich über den "Verzicht auf den penetranten Cafehausstil" und über die Schlichtheit, die an den Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe erinnere.

Nemeczek sparte aber auch nicht mit kritischen Worten zur "städtebaulichen Lage". Der Pavillon bleibe ein Fremdkörper, er gehöre weder zur Oberen Königsstraße noch zum Friedrichsplatz und verhindere, dass der "größte Stadtplatz Europas in seiner ursprünglichen Gestalt zur Geltung komme." 1984 lief der Pachtvertrag für die Räume an der Treppenstraße aus, seit dieser Zeit gibt es nur noch das Café am Friedrichsplatz. Bis 1994 blieb der Betrieb in Familienhand, danach übernahm bis 2001 ein Unternehmen aus Essen den Betrieb. Im Jahr 2001 verschwand der traditionsreiche Name Café Paulus. Seitdem befindet sich die Gastronomiekette Alex in dem Flachdachbau. Besonders beliebt war das Cafe Paulus für seinen Verkaufsschlager, den Baumkuchen. Er wurde sogar bis nach Amerika verkauft. Mit dem Ende des Familienbetriebes endete auch die Herstellung des Baumkuchens. [2]

Quellen und Links

  1. [HNA vom 7. Juli 2011: Grabsteine und ihre Geheimnisse (13) - Kuchen für Kaiser und Künstler]
  2. Artikel aus HNA.de vom 4. Februar 2016: Café Paulus wurde vor 50 Jahren auf Friedrichsplatz gebaut - heute Café Alex