Bunker

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//Platz für 29 000 Menschen - In Kassel gibt es mit Stollenanlage Weinberg neun Bunker//

Vorlage:Bunker.gif?300Eine große weiße Betonmauer. Hinter dem Polizeipräsidium, unter dem Bahnhofsvorplatz. Eine unscheinbare graue Stahltür. Dahinter verbirgt sich der sicherste Bunker Kassels. "Im offiziellen Sprachgebrauch heißen sie Schutzräume", sagt Jürgen Sittig von der Berufsfeuerwehr. Neun Bunker gibt es in Kassel, acht hält die Feuerwehr im Auftrag der Bundesrepublik in Stand, einer fällt in die Zuständigkeit der Stadt (siehe Grafik). Wir haben einen Blick in den modernsten und in den ältesten geworfen.

Insgesamt bieten die Bunker 29 000 Menschen Schutz. "Das entspricht etwa 15 Prozent der Einwohner Kassels. Damit liegen wir über dem bundesdeutschen Durchschnitt von zehn Prozent", sagt Sittig.

Die Bunker sind Relikte aus Zeiten des Dritten Reichs und des Kalten Kriegs. "Wir versuchen daher, die Schutzräume in Friedenzeiten so sinnvoll wie möglich zu nutzen." Auch in den Pandemieplanungen spielen die Bunker eine Rolle, allerdings nur eine untergeordnete: Die Schutzräume seien lediglich für Kurzaufenthalte ausgerüstet. "Es gibt beispielsweise keine Lebensmittelvorräte." Dennoch: Der 3000 Quadratmeter große Bunker am Hauptbahnhof verfügt über eine unabhängige Stromversorgung, einen eigenen Notbrunnen und zwei Küchen. Ausgelegt ist der Atomschutzbunker für 3500 Menschen.

Gebaut wurde er 1941 von der Deutschen Reichsbahn. Wie die anderen Bunker wird er einmal jährlich überprüft. "In wenigen Stunden ist er einsatzbereit. Am Tag der Grenzöffnung im November 1989 hat es vier Stunden gedauert." In den folgenden Wochen diente er als Notunterkunft für tausende Besucher aus Ostdeutschland.

Der geschichtsträchtigste Bunker Kassels ist die Stollenanlage im Weinberg. Mehr als 10 000 Menschen finden dort Schutz. Hier, wie in allen anderen Bunkern, gilt: Wer im Notfall zuerst kommt, mahlt zuerst. "Privilegien gibt es nicht", sagt Sittig. Die 3,5 Kilometer Stollen wurden 1825 im Auftrag verschiedener Bierbrauer in den Weinberg getrieben. Er diente als Bier- und Eislager.

Die Temperatur im Innern liegt konstant bei zehn Grad Celsius - die Luftfeuchtigkeit bei mehr als 90 Prozent. Der Weinberg-Stollen ist der einzige Bunker, in dem kein Mensch wegen Bombeneinschlags ums Leben kam, weiß Michael Mühr, pensionierter Feuerwehrbeamter. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Stollen als Lager, und es wurden Champignons gezüchtet. 1992 wurden die schweren Eisentüren aufgebrochen und zwei junge Männer organisierten eine illegale Technoparty. Noch heute zieren Graffiti die Wände. Daneben sind Namen eingeritzt. Namen von Menschen, die in der Bombennacht 1943 um ihr Leben fürchteten.

Die Stolleneingänge sind wieder zu. "Die bekommt man so schnell nicht mehr auf", sagt Mühr. Für Veranstaltungen sei die Anlage leider nicht geeignet. Die Luftfeuchtigkeit zerstört alles. Und bei einem Brand wäre der Weinberg eine tödliche Feuerfalle. "Am besten bleiben die Türen zu", sagt Michael Mühr.

In Friedenszeiten Lagerraum oder Tiefgarage

Verantwortlich für die Schutzräume ist die Bundesrepublik Deutschland. Sie zahlt auch für den Unterhalt. Zwischen 10 000 und 15 000 Euro macht das für die Kasseler Bunker aus. „Sie abzureißen, wäre deutlich teuerer“, sagt Jürgen Sittig von der Kasseler Feuerwehr. Sicher ein Grund, warum es die Beton-Ungetüme noch gibt. Sie werden in Friedenszeiten allerdings auch sinnvoll genutzt.

Erst wenn die Bunker aus der so genannten Zivilschutzbindung des Bundes gestrichen werden, können sie alternativ genutzt werden.

Kassels Schutzräume im Überblick:

  • 3: Hafenstraße gegenüber der JVA: 500 Plätze, dient als Lager für Material der CDU.
  • 5: Stollenanlage Weinberg: 10 000 bis 11 000 Plätze, keine andere Nutzung möglich.
  • 6: Hauptbahnhof: 3500 bis 4000 Plätze, Atomschutzbunker, wird nicht anders genutzt.
  • 7: Agathofstraße: 600 Plätze, wird vom Kulturamt genutzt, Proberäume für Bands.
  • 8: Tiefgarage Kürfürstengalerie: 6500 Plätze im 2. und 3. Untergeschoss, dient als Tiefgarage, einsatzbereit in zehn Tagen.

Der Führungs- oder Stabsbunker wird als solcher nicht mehr genutzt. Der Stabsraum in Krisenfällen befindet sich jetzt in der Feuerwache 1 an der Wolfhager Straße.