Bergpark Wilhelmshöhe: Unterschied zwischen den Versionen

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In dem italienischen Baumeister Guenieri fand der Landgraf einen kongenialen Verbündeten. [[1701]] begann Guenieri, die gewaltige Anlage zu planen, nur etwa ein Drittel wurde schließlich realisiert. [[1713]] war das [[Oktogon]] vollendet, eine weite Säulenhalle auf einem Felsensockel. Auf dem Tempel der Winde wurde eine Pyramide errichtet, deren Spitze die Kolossalstatue des [[Herkules]] bildete. 9,20 Meter vom Zeh bis zum Scheitel misst der Hühne, 2,15 Meter Umfang hat die stramme Wade, 4,80 Meter die Heldenbrust - eindrucksvolle Maße, die Johann Jakob Anthoni aus Kupfer im Kasseler [[Messinghof]] trieb.
 
In dem italienischen Baumeister Guenieri fand der Landgraf einen kongenialen Verbündeten. [[1701]] begann Guenieri, die gewaltige Anlage zu planen, nur etwa ein Drittel wurde schließlich realisiert. [[1713]] war das [[Oktogon]] vollendet, eine weite Säulenhalle auf einem Felsensockel. Auf dem Tempel der Winde wurde eine Pyramide errichtet, deren Spitze die Kolossalstatue des [[Herkules]] bildete. 9,20 Meter vom Zeh bis zum Scheitel misst der Hühne, 2,15 Meter Umfang hat die stramme Wade, 4,80 Meter die Heldenbrust - eindrucksvolle Maße, die Johann Jakob Anthoni aus Kupfer im Kasseler [[Messinghof]] trieb.
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Um die vielen Arbeitskräfte entlohnen zu können - parallel zum [[Karlsberg]], der späteren [[Wilhelmshöhe]], entstand die [[Karlsaue]] - zog [[Landgraf Karl]] die Bauern der Umgebung zu Hand- und Spanndiensten heran, was zu mancher Klage führte. Auch Karls Sohn [[Landgraf Friedrich I.|Friedrich]] soll die Baulust seines Vaters sehr kritisch beurteilt haben. Dass der Landgraf seinem Sohn wegen entsprechender Äußerungen anlässlich der Einweihung der [[Wasserspiele|Wasserkünste]] vor dem versammelten Hofstaat eine schallende Ohrfeige verpasst haben soll, ist historisch nicht einwandfrei belegt. Dennoch waren es nicht zuletzt finanzielle Gründe, die dem Landgrafen und seinem italienischen Baumeister Grenzen setzten.
 
Um die vielen Arbeitskräfte entlohnen zu können - parallel zum [[Karlsberg]], der späteren [[Wilhelmshöhe]], entstand die [[Karlsaue]] - zog [[Landgraf Karl]] die Bauern der Umgebung zu Hand- und Spanndiensten heran, was zu mancher Klage führte. Auch Karls Sohn [[Landgraf Friedrich I.|Friedrich]] soll die Baulust seines Vaters sehr kritisch beurteilt haben. Dass der Landgraf seinem Sohn wegen entsprechender Äußerungen anlässlich der Einweihung der [[Wasserspiele|Wasserkünste]] vor dem versammelten Hofstaat eine schallende Ohrfeige verpasst haben soll, ist historisch nicht einwandfrei belegt. Dennoch waren es nicht zuletzt finanzielle Gründe, die dem Landgrafen und seinem italienischen Baumeister Grenzen setzten.
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Er ist der größte seiner Art in Europa: der Bergpark Wilhelmshöhe. Auf 240 Hektar gedeihen auf magerem Boden und über der Stadt thronend mehr als 15.000 Bäume. Unter den 500 unterschiedlichen Gehölzarten gibt es 250 Jahre alte Kanadische Roteichen, Blutbuchen, Japanische Lärchen und die seltene Kobushi-Magnolie. Wegen des mageren Bodens wachsen die Bäume langsamer und werden wesentlich älter als die in der [[Karlsaue]].
 
Er ist der größte seiner Art in Europa: der Bergpark Wilhelmshöhe. Auf 240 Hektar gedeihen auf magerem Boden und über der Stadt thronend mehr als 15.000 Bäume. Unter den 500 unterschiedlichen Gehölzarten gibt es 250 Jahre alte Kanadische Roteichen, Blutbuchen, Japanische Lärchen und die seltene Kobushi-Magnolie. Wegen des mageren Bodens wachsen die Bäume langsamer und werden wesentlich älter als die in der [[Karlsaue]].
  
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* [http://www.wilhelmshoehe.de/home.htm www.wilhelmshoehe.de]
 
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* [http://www.123pano.de/images/stories/panoramen/kassel/sehenswuerdigkeiten/bergpark-kassel-wilhelmshoehe-wintertour-2010/Start-Herkules-Kaskaden.swf 360° virtuelle Wintertour durch den Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe]  
 
* [http://www.123pano.de/images/stories/panoramen/kassel/sehenswuerdigkeiten/bergpark-kassel-wilhelmshoehe-wintertour-2010/Start-Herkules-Kaskaden.swf 360° virtuelle Wintertour durch den Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe]  
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* [http://www.museum-kassel.de Museumslandschaft Kassel]
 
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* [http://www.kassel-wilhelmshoehe.de Internetseite über die Wilhelmshöhe und ihre Umgebung]
 
* [http://www.kassel-wilhelmshoehe.de Internetseite über die Wilhelmshöhe und ihre Umgebung]

Version vom 3. April 2010, 18:22 Uhr

Der Herkules
Herkules.jpg
Grafik zu den Wasserspielen (Stand 09/2006)
Schlossteich (Lac)

Der Bergpark Wilhelmshöhe zählt zu den schönsten und größten Bergparks in Europa. Er entstand zur Zeit von Landgraf Karl Anfang des 18. Jahrhunderts.

Auf dem Gipfel des Karlsbergs wurde in etwa 550 m Höhe die Herkules-Pyramide errichtet.

In der Geschicklichkeit gefehlt

Die Bergparkanlage und der Herkules: Achtes Weltwunder und baufällig von Anfang an

Für einige Reisende des 18. und 19. Jahrhunderts waren der Bergpark Wilhelmshöhe und das Oktogon mit dem Herkules eine Sensation. Die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer gar schrieb 1787 von dem achten Wunder der Welt. Auch Georg Dehio, der im 20. Jahrhundert die maßgeblichen Handbücher für die Kunstdenkmäler verfasste, schwärmte: Die von dem italienischen Architekten Giovanni Francesco Guerniero gestaltete Anlage sei vielleicht das Grandioseste, was irgendwo der Barock in Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat.

Die Kühnheit des 1701 begonnenen Projekts ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Denn zu jener Zeit lag Kassel noch Kilometer von der Wilhelmshöhe entfernt, die damals noch Winterkasten, später Karlsberg genannt wurde. An dem Berghang stand lediglich das Jagdschloss Weißenstein, das an Stelle einer Klosteranlage gebaut worden war. Ansonsten war die Gegend bewaldet. Durch das Bergpark-Projekt wurde nicht nur ein gewaltiges, weithin sichtbares Bauwerk geschaffen, sondern es wurde auch eine Achse vom Herkules, über die Kaskaden und die spätere Wilhelmshöher Allee gebildet, die bis heute die Stadt prägen sollte.

Aber so hoch gerühmt und kühn die Anlage auch sein mochte, so fehlerhaft und schlecht gebaut war sie von Anfang an. Denn bereits während die Bauarbeiten liefen, musste mit den Reparaturen begonnen werden. So ist die Geschichte des Oktogons und der Kaskaden auch eine Sanierungsgeschichte, deren Ende nicht absehbar ist. Guerniero hat das möglicherweise frühzeitig eingesehen. Als er während der Bauarbeiten unter dem Titel "Delineatio Montis" seine Entwurfszeichnungen als Mappenwerk 1706 in Rom veröffentlichen ließ, um sich feiern zu lassen, schrieb er in das Vorwort unter anderen den Satz: "Die Arbeit seye nun an sich selbsten wie sie wolle / und ob ich schon in der Kunst und Geschicklichkeit gefehlet haben möchte..." Unschwer lässt sich daraus ein Eingeständnis falscher Berechnungen ableiten.

Aber es war nicht nur das Unvermögen von Guerniero, das das dreigeschossige Oktogonschloss und die Kaskaden zur Dauerbaustelle werden ließ. Der leicht zu bearbeitende Tuffstein erwies sich angesichts der Witterungsverhältnisse als das falsche Material. Zudem war immer das Geld knapp; schließlich beliefen sich die Baukosten auf etwa jährlich 20.000 Reichstaler. Außerdem wurden neben Bauarbeitern auch unkundige Untertanen zum Dienst verpflichtet. In den Berichten aus jener Zeit ist von Protesten und Arbeitsniederlegungen der Handlanger und Fuhrleute zu lesen. Für die größten Probleme sorgte aber die 1713 getroffene Entscheidung des Landgrafen, auf das schon fertige Oktogon eine spitze Pyramide und die kolossale Herkulesfigur zu setzen. Diese Planänderung machte zusätzliche Sicherungsmaßnahmen notwendig. Die Grundmauern des Oktogon mussten verstärkt werden, nachdem offenbar Guerniero schon Berechnungsfehler unterlaufen waren. Daher mussten auch die großen offenen Bögen untermauert werden, wodurch das Bauwerk seine Leichtigkeit verlor.

Guerniero, der vom Landgrafen mit 3.000 Reichstalern jährlich gut belohnt worden war (die Wintermonate durfte er in Italien verbringen), entzweite sich offenbar mit dem Fürsten. Denn zum einen wurde nur ein Teil seines Entwurfs realisiert und zum anderen geriet er wohl wegen der Baumängel unter Druck. So setzte er sich 1715 heimlich aus Kassel ab; allerdings hinterließ er Vorschläge für die Sanierung.

Die Kaskaden und das Oktogon wurden am 30. November 1717 eingeweiht, nachdem der von dem Augsburger Kupferschmied Johann Jacob Anthoni in Kupfer getriebene Herkules fertig gestellt war. Noch lange sollte diese über neun Meter hohe Figur die Gemüter beschäftigen, weil sie als die größte Monumentalplastik nördlich der Alpen galt. Der Landgraf allerdings musste schon fünf Jahre nach der Fertigstellung größere Sicherungsarbeiten am Oktogon einleiten. 1795 wurden sogar Soldaten eingesetzt, um einen Einsturz zu verhindern. Die Folge war, dass von 1802 bis 1804 die Gewölbe und Fassaden des Grundbaus saniert und ersetzt wurden. Doch 1823 stürzte der Südostvorbau ein. Nachdem der Vorbau neu errichtet worden war, musste sieben Jahre später die Pyramide zum Teil erneuert werden. Bald darauf wurde auch der Nordostvorbau neu aufgebaut. Im 20. Jahrhundert ging das so weiter.

Die Kaskaden und das Oktogonschloss werden wahrscheinlich nie endgültig fertig und gesichert sein.

Dem Halbgott zu Füßen

Landgraf Karl begann den Osthang des Habichtswaldes zum Park umzugestalten, spätere Herrscher fügten weitere Vorstellungen hinzu. Bis heute ist der höchste Bergpark Europas eine Attraktion.

Der englische Reiseschriftsteller Stevens schrieb von einer der prächtigsten Anlagen in ganz Europa, Klopstock rühmte den schönen Gedanken, den Landgraf Carl in unseres lieben Herrgotts Schöpfung hineingeworfen hat, und Bismarcks Leibarzt Schweninger versicherte, hier sei jeder Atemzug einen Taler wert.

Der Bergpark Wilhelmshöhe fand zu allen Zeiten Bewunderung, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Inspiriert von einer Reise nach Italien fasste Landgraf Karl den Entschluss, den Osthang des Habichtswaldes in eine Parkanlage mit Wasserfällen, Grotten und Statuen zu verwandeln.

In dem italienischen Baumeister Guenieri fand der Landgraf einen kongenialen Verbündeten. 1701 begann Guenieri, die gewaltige Anlage zu planen, nur etwa ein Drittel wurde schließlich realisiert. 1713 war das Oktogon vollendet, eine weite Säulenhalle auf einem Felsensockel. Auf dem Tempel der Winde wurde eine Pyramide errichtet, deren Spitze die Kolossalstatue des Herkules bildete. 9,20 Meter vom Zeh bis zum Scheitel misst der Hühne, 2,15 Meter Umfang hat die stramme Wade, 4,80 Meter die Heldenbrust - eindrucksvolle Maße, die Johann Jakob Anthoni aus Kupfer im Kasseler Messinghof trieb.

ca.1895 Wilhelmshöhe bei Cassel Schlossteichstraße Hotel "KRONPRINZEN"

Um die vielen Arbeitskräfte entlohnen zu können - parallel zum Karlsberg, der späteren Wilhelmshöhe, entstand die Karlsaue - zog Landgraf Karl die Bauern der Umgebung zu Hand- und Spanndiensten heran, was zu mancher Klage führte. Auch Karls Sohn Friedrich soll die Baulust seines Vaters sehr kritisch beurteilt haben. Dass der Landgraf seinem Sohn wegen entsprechender Äußerungen anlässlich der Einweihung der Wasserkünste vor dem versammelten Hofstaat eine schallende Ohrfeige verpasst haben soll, ist historisch nicht einwandfrei belegt. Dennoch waren es nicht zuletzt finanzielle Gründe, die dem Landgrafen und seinem italienischen Baumeister Grenzen setzten.

Die Gestaltung des Parks bezog ihre Anregungen aus der Mythologie. Der Sage nach streckte Herkules den Riesen Enkelados im Kampf nieder. Aus dem Riesenkopfbecken speit der Besiegte bis heute nach seinem Bezwinger - der Beginn der Wasserspiele. Von hier aus fließt das Wasser über die Kaskaden bis zum Neptunbecken und weiter über den Steinhöfer Wasserfall, durch die Teufelsbrücke in den Höllenteich, die Plutogrotte und das Aquädukt bis zum Fontänenteich, wo eine 30 Meter hohe Fontäne aufschießt.

Karls Enkel, Landgraf Friedrich II. hatte alle Schäden aus dem Siebenjährigen Krieg beseitigen lassen und den barocken Park teilweise neu gestaltet und ergänzt. Das chinesische Dörfchen Mulang, arabische Arabesken, Grabmäler und Tempel kamen hinzu. Das heutige Gesicht des Parks prägte Friedrichs Sohn, Landgraf Wilhelm IX., seit 1803 Kurfüst Wilhelm I. Er ließ die Anlage, die später nach ihm Wilhelmshöhe genannt wurde, in englischem Stil umgestalten und gab den Wasserkünsten mit Teufelsbrücke und Steinhöferschem Wasserfall neue Akzente. Auch das Aquädukt und die abschließende Fontäne sind nach den Plänen des Kurfürsten entstanden.

"Lac" ist der Name des Schlossteiches von Schloss Wilhelmshöhe.

Bis heute ist es Besuchern ein besonderes Vergnügen, die seltenen Gehölze des Parks zu entdecken und die immer neuen Ausblicke zu genießen. Ob man einen Spaziergang am Herkules beginnt und mit dem Wasser die Stufen der Kaskaden hinunterläuft oder die Fontäne am Schlossteich bewundert, um dann den Aufstieg zum Herkules zu beginnen - jeder Gang hat seinen Reiz. Die großartige Aussicht über die Stadt, die man vom Herkules aus hat, entschädigt in jedem Fall auch für den beschwerlicheren Anstieg.

Obwohl ganz unterschiedliche Stilepochen ihre Spuren im Bergpark hinterließen, wirkt er doch wie ein harmonisches Ganzes und bietet viele Anziehungspunkte für Spaziergänge. Neben der Löwenburg, die sich Kurfürst Wilhelm I. unweit des von ihm erbauten Schlosses als mittelalterliche Ruine errichten ließ, sind zwischen Schloss und Herkules immer wieder kleine Grotten, Pyramiden und Tempel zu entdecken. Aber auch die Gehölze und Pflanzen sorgen in jeder Jahreszeit für reizvolle Eindrücke, die bunten Blumenbeete um die Schlosswiese sind im Sommer eine Augenweide, während das große Gewächshaus auch in der kälteren Jahreszeit eine blühende Oase ist.

Eine weiter Attraktion bildet das Museum im Schloss. Die Anordnung der Kunst-Kabinette und die großen Fenster ermöglichen Ausblicke auf die Parkanlage. So wird die gestaltete Natur in die Betrachtung der Kunst einbezogen.

Baumbestand

Im Bergpark Wilhelmshöhe findet man heute über 500 Bäume und Sträucher aus der ganzen Welt, zu einem erheblichen Teil in der zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts beschafft und angepflanzt. Aus früheren Zeiten sind Gehölze kaum mehr vorhanden, sie wurden wohl dem Zeitgeist im Zuge der Umgestaltung des Parks geopfert und durch Neuanpflanzungen, vornehmlich aus Nordamerika, ersetzt. Erst später kamen Pflanzen aus Asien und anderen Gebieten unseres Erdballs hinzu. Manches ist heute nicht mehr vorhanden, anderes entstand neu.

Spannend ist es, im Baum- und Pflanzenführer über die aktuellen Bestände nachzulesen. Natürlich sind viele einheimische Arten zu finden, immer noch aber auch europäische und viele andere aus exotischen Ländern der ganzen Welt. Trotz der Veränderungen, denen der Bergpark auch botanisch in zwei Jahrhunderten unterworfen war, hat er seine Attraktivität behalten. Die pflanzliche Vielfalt macht neugierig und es ist ein Erlebnis ganz eigener Art, sich auf die botanischen Besonderheiten dieses einzigartigen Stückes Natur einzulassen.

Eine bewegte Geschichte seit fast 500 Jahren

Die Teufelsbrücke
Pagode im chinesischen Dorf Mulang
Herkules Kassel Winter

Er ist der größte seiner Art in Europa: der Bergpark Wilhelmshöhe. Auf 240 Hektar gedeihen auf magerem Boden und über der Stadt thronend mehr als 15.000 Bäume. Unter den 500 unterschiedlichen Gehölzarten gibt es 250 Jahre alte Kanadische Roteichen, Blutbuchen, Japanische Lärchen und die seltene Kobushi-Magnolie. Wegen des mageren Bodens wachsen die Bäume langsamer und werden wesentlich älter als die in der Karlsaue.

In den 300 Jahren seiner Entstehungsgeschichte flossen die verschiedenen Gartenbauepochen in die Gestaltung des Parks ein. Vier wichtige Entwicklungsphasen haben den Park besonders geprägt: die barocke Phase, die anglochinesische Phase (Mulang), die romantische Phase des Landschaftsgartens und die realistische Phase des Landschaftsgartens. Über dem Park wacht das Wahrzeichen der Stadt, der kupferne und neun Meter hohe Herkules auf dem Oktogon.

Wie das Gesamtensemble auf Besucher wirken mag, beschreibt der englische Schriftsteller Aldous Huxley 1932 so: "in den Außenbezirken von Kassel, das die Hauptstadt dieses lächerlichen Fürstentums (Hessen) war, steht ein Palast, groß und prächtig genug, einen aufgeblasenen Kaiser zu beherbergen, und von der Hauptfassade dieses Palastes erhebt sich bis zur Spitze des benachbarten Berges einer der prächtigsten, architektonischen Gärten der Welt. Dieser Garten (...) steigt hinauf zu einem unbeschreibbaren Gebäude im großartigsten römischen Stile, das fast so groß wie eine Kathedrale ist. (...) Das Schauspiel des herabstürzenden Wasser ist großartig. (...) Die Wasserkünste von Versailles sind im Vergleich dazu zahm und trivial zu nennen."

Der italienische Gartenkünstler und -architekt Giovanni Francesco Guerniero wurde für seine Entwürfe und für die Bauausführung aber nicht nur geliebt. Am Oktogon zeigen sich schon während des Baus Risse. Der Unmut unter den Machthabern wächst, Guerniero flieht 1715 heimlich aus Kassel. 1717 kommt der Herkules dennoch an seinen jetzigen Platz. Weitergebaut wird erst wieder unter Landgraf Friedrich II. (1760 bis 1785). Die letzte große Veränderung findet in der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. (1831 bis 1866) statt. Hofgärtner Wilhelm Hentze erweitert den Park um den Neuen Wasserfall samt neuem Parkgelände.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs untersteht die Anlage der Verwaltung Schlösser und Gärten des Landes. Dem zuständigen Gartenbauingenieur Michael Boßdorf helfen 200 Mitarbeiter. Die Kosten der Instandhaltung trägt das Land Hessen. Man erhalte die Anlage basierend auf den Plänen von Hofgärtner Ernst Virchow (1899-1918), sagt Boßdorf.

Derzeit in Planung ist, den Neuen Wasserfall wieder in Gang zu setzen und ein Leitsystem für Besucher zu schaffen. Auch die Sanierung des Merkurtempels und der Sibillegrotte stehen in den kommenden Jahren an. Ein weiteres Projekt ist, den Baumbestand des Virchow-Plans wieder aufzuforsten.

Ein Überblick: Geschichte des Bergparks

Literatur

  • Sandra Kress, Die Harmonie des Dreiklangs - Der Bergpark Wilhelmshöhe im Anmeldeverfahren zum UNESCO-Weltkulturerbe, in: Jahrbuch für den Landkreis Kassel 2010, S. 37 ff.

siehe auch

Löwenburg
Kentaur

www.kassel-mulang.de: Dia-Schau (60 Bilder) • Chinesisches Dorf • Villenkolonie • Schutz für Mulang! • Kurort Wilhelmshöhe • Persönlichkeiten • Wilhelmshöhe, Umgebung • Die Herkulesbahn • Luftbad Waldwiese


Weblinks


  • Uwe Feldner: Stadt-LEXIKON - (Fast) alles über KASSEL, erschienen im Herkules Verlag