Bahnhof Bebra

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Quellen: „Bebra – Chronik einer Stadt“,Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm, Erich Meng

Wer an Bebra denkt, der denkt zunächst an die Eisenbahn - eine über hundertjährige Tradition der engen Verbundenheit mit der Eisenbahn hat die Stadt und die Menschen geprägt. Die gewaltigen Bahnhofsanlagen von Bebra, die sich im großen Halbrund um das Fuldaknie vom Lämmerberg bei Blankenheim bis zur Umladehalle (ULA) bei Lispenhausen erstrecken, umreißen in ihrer fast sechs Kilometer langen Ausdehnung das lebendigste Kapitel der Bebraer Heimatgeschichte.

Historie

1840: Preußen plante im Anschluss an die Berlin-Anhaltische Bahn eine Ost-West-Verbindung, die möglichst durch preußisesches Gebiet führen sollte. Preußen verhandelte mit den thüringischen Herzogtümern. Auch die ein Jahr früher mit Kurhessen-Kassel begonnenen Verhandlungen waren 1841 erfolgreich. Der Bau einer Eisenbahn von Halle über Weimar — Erfurt — Eisenach — Gerstungen nach Kassel und weiter nach Westfalen wurde beschlossen.

1844 wurde die Ost-West-Bahn von Kurprinz Friedrich Wilhelm konzessioniert.

Die seit Herbst 1849 rollenden Züge entfesseln auch schon neues Leben in südlicher Richtung nach Hersfeld, Fulda, Frankfurt. Welcher der genannten Tage nun als Eröffnungstag der »Friedrich Wilhelm Nordbahn« gilt und wie er wirklich gefeiert wurde, das entzieht sich der genauen geschichtlichen Feststellung. Gleichwohl, was die Chronik dazu zu sagen hätte, das Jahr 1849 hat für die Ortschaft Bebra den wesentlichen Teil ihrer Geschichte eingeleitet.

Keimzelle des späteren Bahnhofes mit seinem Schienengewirr und den notwendigen Gebäuden sind vorerst eine kleine Haltestation und ein ebensolcher Schuppen, der zwei Lokomotiven — Antilope und Elefant genannt — beherbergte.

Bebras Ruf als bedeutender Eisenbahnknotenpunkt wurde aber erst 17 Jahre nach den ersten Anfängen seiner Eisenbahngeschichte durch den Bau der Strecke nach Hanau angebahnt, wohin von altersher ein gleiches Verkehrsbedürfnis wie nach Kassel bestand.

Danach entwickelte sich der Bahnhof Bebra zum Eisenbahnknotenpunkt.

In den Jahren 1961-1966 erlebte der Bahnhof Bebra die umfangreichste Umgestaltung in seiner Geschichte: Die Gleisanlagen des Personenbahnhofs (1961/62) und des Rangierbahnhofs (1962-1966) wurden umgebaut. In diesen Jahren erhielt der Bahnhof Bebra sein im Wesentlichen heute noch bestehendes Aussehen.

In den Jahren 1961-1966 erlebte der Bahnhof Bebra die umfangreichste Umgestaltung in seiner Geschichte: Die Gleisanlagen des Personenbahnhofs (1961/62) und des Rangierbahnhofs (1962-1966) wurden umgebaut. In diesen Jahren erhielt der Bahnhof Bebra sein im Wesentlichen heute noch bestehendes Aussehen. An der Spitze der Technisierung des Rangierbahnhofs steht das Stellwerk Brf. Es steht seitwärts vom Ablaufberg dicht neben der Weiteröder Straßenunterführung und ist weithin sichtbar — in den 60er Jahren ein neues Wahrzeichen im Fuldatal.

Diese gravierenden Änderungen wurden durch den Neubau eines zweiten modernen Stellwerks im Personenbahnhof an der Otto-Kraffke-Straße ergänzt. Die Grundsteinlegung für dieses Stellwerk (Bpf) erfolgte im Mai 1969.

Im Dezember des gleichen Jahres wurde nach zweijähriger Bauzeit das mit einem Kostenaufwand von 1,15 Millionen DM errichtete neue Sozial- und Dienstgebäude auf dem Gelände des Betriebswerkes eingeweiht. Das Gebäude beinhaltet eine Lokomotivleitung für den Einsatz der in Bebra stationierten Lokomotivführer und der Lokomotiven sowie ein Ersatzlager für elektrische Lokomotiven, eine Werkstatt für 50 auszubildende Maschinenschlosser, eine Verwaltungsabteilung für die Mitarbeiter des Bahnbetriebswerkes und Sozialräume. Mit diesem Neubau wurde Ersatz für alte und über das ganze Werksgelände verzettelte Anlagen geschaffen. Die Konzentration in einem einzigen Gebäude war die wirtschaftlichste Lösung und brachte den dort beschäftigten Eisenbahnern gleichzeitig helle, freundliche Arbeitsplätze.

In den Jahren 1967-1970 wurden die Gleisanlagen in den Industriegebieten der Stadt Bebra neu verlegt bzw. weiter ausgebaut. So wurde den dort ansässigen Firmen die Möglichkeit eröffnet, Wagen im eigenen Betriebsgelände zu be- oder entladen und zeitaufwendige Umladungen zu vermeiden.

1971/72 wurden mit einem Kostenaufwand von rund 500.000 DM in der Umladehalle Renovierungs- und Ausbauarbeiten durchgeführt. Das Ziel war, die Kapazität für den Güterumschlag zu erhöhen und die dortigen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dem Güterumschlag in Bebra kam nach damaliger Meinung eine herausragende Bedeutung im Handel zwischen beiden Teilen Deutschlands zu, mit steigendem Güteraufkommen müsse gerechnet werden — eine irrige Meinung, wie sich wenige Jahre später herausstellte.

Am 22./23. Juli 1975 wurde das neue Zentralstellwerk im Personenbahnhof (Bpf) an der Otto-Kraffke-Straße eingeschaltet. Von hier wurden ohne die späteren Erweiterungen 144 Haupt- und Vorsignale, 114 Rangiersignale sowie 186 Weichen und Gleissperren gestellt und überwacht, um die täglich fast 400 Zugfahrten und etwa 1200 Rangierfahrten durchzuführen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 20 Millionen DM. Dieses und das rund 10 Jahre zuvor errichtete Stellwerk im Rangierbahnhof (Brf) ersetzen zusammen 14 veraltete Stellwerke. Von diesen beiden Stellwerken wird auch heute noch der Zug- und Rangierbetrieb im Raum Bebra gesteuert und überwacht. Das Zentralstellwerk Bpf erfuhr 1982 weitere Aufwertungen: Ab 22. März wurden die Stellwerke in Sontra und Cornberg und ab 26. April die Stellwerke Mecklar und Blankenheim von hier ferngesteuert und 1989 oder 1990 soll auch der Bahnhof Rotenburg (F.) von diesem Stellwerk aus ferngesteuert werden.

Im Februar 1976 wurde mit dem Abbruch eines der ältesten Bahngebäude, der alten Güterabfertigung, begonnen. Das Gebäude wurde abgetragen, um einem Neubau Platz zu machen, der heute die Güterabfertigung und die Grenzkontrollstelle beherbergt.

Seit 1975 rückte jedoch das Thema „Zukunft des Bahnhofs Bebra" immer stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Bereits nach Schließung der Umladehalle regte sich heftige Kritik nicht nur seitens der die Interessen der Eisenbahner vertretenden Gewerk¬schaften (der GdED — Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, der GDBA -Gewerkschaft Deutscher Bundesbeamten, Arbeiter und Angestellten und der GDL — Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und Anwärter) an der Verkehrs- und Personalpo¬litik der DB. Diese Kritik verstärkte sich beim Thema „Neubaustrecke" weiter — teilweise mit Spekulationen vermischt. So war (und ist gelegentlich noch) die Rede von „Entvölkerung im Kreis, Bahnhof Bebra sinkt zur Bedeutungslosigkeit herab, Bebra künftig ohne Rangier¬bahnhof, Nord-Süd-Strecke bald eingleisig" und ähnlichem.

1970: Brandts Sonderzug

Am 19. März 1970 bildete der Bahnhof Bebra die Kulisse für ein wichtiges Ereignis der innerdeutschen Geschichte: Mit einem Sonderzug der DB reiste Bundeskanzler Willy Brandt zu dem ersten Gipfeltreffen mit dem Ministerratsvorsitzenden der DDR, Willi Stoph, nach Erfurt und am Abend des gleichen Tages wieder zurück nach Bonn. Bilder des Bahnhofs Bebra rückten in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit — der Schienenweg bewies nachdrück¬lich seine Funktion als Klammer über Trennungslinien und Ländergrenzen hinweg. Am 21. Mai 1970 folgte der Gegenbesuch in der nordhessischen Metropole - später „Kasseler Treffen" genannt. Und erneut gingen Bilder vom Bahnhof Bebra um die Welt.

1974: Erinnerung an die Dampflokomotiven

Zur Erinnerung an die historische Bedeutung der Dampflokomotiven für die Entwicklung der Stadt Bebra zum Verkehrsknotenpunkt wurde 1974 an der „Eisernen Brücke" auf der „Bleiche", auch für die vorbeifahrenden Reisenden gut sichtbar, eine Schnellzuglokomotive aufgestellt. Diese Dampflokomotive, die 1940 in Dienst gestellt wurde, trug die Nummer 01 1102 (seit 1970 012 102-0), war von April 1957 bis Februar 1973 in Bebra beheimatet und hatte eine Laufleistung von 4133167 km. Die Grünanlage, in der die Lokomotive aufgestellt ist, wurde am 31. Mai 1974 im Rahmen einer Feier mit den Worten „was für Paris der Eiffelturm, ist für uns diese Dampflokomotive — denn beide sind aus Stahl" ihrer Bestim¬mung als Denkmal übergeben.

Bilder aus guten und schlechten Zeiten

Quelle: Bebra und die Eisenbahn von Erich Meng, aus „Bebra – Chronik einer Stadt“

Was der Bahnhof Bebra in 120 Jahren alles zu sehen bekam, kann nicht aufgezählt werden. Nur um das Geschehen einigermaßen vollständig anzudeuten, müsste man schon ein umfangreiches Bilderbuch zusammenstellen. Aber auch das würde den Rahmen dieser Chronik überschreiten. Es soll deshalb jedem einzelnen überlassen bleiben, im nun folgenden sich an Hand geläufiger Begriffe das Geschehen schlaglichtartig selbst zu beleuchten. Blenden wir also einmal auf:

Erste Folge: Dampfende Lokomotiven — stampfende Räder — Pfeifsignale — Ruß und Rauch — Kohlen¬bansen, Ölbehälter — blanke Schienen, Weichengewirr — blitzende Drähte, graue Masten — zeitlebens Früh-, Spät- und Nachtdienst — Rangieren bei Frost und Hitze —i Tag und Nacht im Führerstand — viele harte Hände am Werk — blaue Uniform, rotes Schulterband — Uhren und Lautsprecher — Form- und Lichtsignale — veraltete und moderne Stellwerke — Sicherheit als oberstes Gebot.

Zweite Folge: Reisepublikum in der ersten, zweiten, dritten, vierten Klasse — Extrazüge — Salonwagen — Kaiser- und Fürstenbesuch — Reisen nach Sondervorschrift — Komfort durch Schlaf- und Speise¬wagen — Touristik auf Schienen — Schul- und Gesellschaftsfahrten — Betriebsausflüge — mor¬gendlicher und abendlicher Berufsverkehr erste Schnelltriebwagen — E-Lok mit unsichtbarer Kraft — »Intercity" für moderne Boten des Merkur.

Dritte Folge: Truppenbewegungen — Lazarettzüge — Gefangenen- und Flüchtlingstransporte — Wartesaal als Nachtquartier — Abschied ohne Wiedersehen — Suchanzeigen — Freitod auf den Schienen — Reisende ohne festen Wohnsitz — verlorenes Gepäck — hilfsbedürftige Alte — Interzonenzüge, Besuche über eine »Grenze* in ein und demselben Vaterland. In ständig neuer Szenerie wechseln solche und ähnliche Bilder.

Vergessen wir jedoch nicht als vierte Folge jene zweite tragende Säule, den Güterverkehr, von dem der Bebraer Rangierbahnhof lebt. Güter, Güter, Güter! Vom kleinen Expreßgutpäckchen bis zum schweren Erzzug und — etwas besonders Auffälliges im Bahnhof Bebra — lebende Tiere in Vieh¬transporten. Alles zusammen ein dicker Katalog!

Eisenbahner in Bebra

Quelle: Bebra und die Eisenbahn von Erich Meng, aus „Bebra – Chronik einer Stadt“

Im Mittelpunkt aller Geschichte stand, auch bei der Eisenbahn in Bebra, eh und je der schaffende Mensch, der hier seine Heimat und seine Familie besaß, der seinen Beruf und damit sein Aus¬kommen und seine spätere Versorgung hatte und der nicht zuletzt immer wieder Sicherheit vor Krisen und Notstand suchte. Gerade bei den Eisenbahnern in Bebra hatte sich ein treuer Berufsstand entwickelt, der stolz auf die Leistungen seiner Vorfahren war. Bis zu vier Generationen standen einzelne Familien in Arbeit bei der Bahn und verdienten ihren Lebensunterhalt, oft unter Beibehaltung einer kleinen Nebenbeschäftigung in der Landwirtschaft oder im Handwerk. Die gesamte Belegschaft des Bahnbetriebes, zusammengesetzt aus Einwohnern von Bebra und seiner umliegenden Orte, betrug in der Zeit der höchsten Beschäftigung etwa um 1928/29 über 3000 Personen, begründet durch den damaligen Vollbetrieb der neuen Umladehalle, wie auch zum Teil noch durch den Einsatz von Bremsschaffnern auf Güterzügen, bis die durchgehende Luftdruckbremse überall eingeführt war. In den Jahren 1962/63 waren es um 2200 Beschäftigte. Zu diesen Zahlen hinzuzurechnen sind in der Betreuung ungefähr 1200 Pensionäre, Rentner und Hinterbliebene.

Dienststellen

Bahnbetriebswerk (Bw): Wartung und Instandsetzung der Triebfahrzeuge und Wagen, Einsatz der Lokführer und Triebfahrzeuge Bahnhof (Bf) einschließlich Bahnpolizei-Wache: Steuerung des Zug- und Rangierbetriebes, Einsatz der Zugbegleiter, Sicherung der Reisenden und DB-Anlagen Bahnmeisterei (Bm): Wartung und Instandsetzung baulicher Anlagen und des Fahrwegs Güterabfertigung (Ga): Kundenberatung, Verkauf des Angebots der DB im Personen- und Güterverkehr Nachrichtenmeisterei (Nm): Wartung und Instandsetzung der signal- und fernmeldetechnischen Anlagen