Bahnhof Bebra

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Quelle: Archiv Bö Bebra, Privatsammlung Peter Kehm

Wer an Bebra denkt, der denkt zunächst an die Eisenbahn - eine über hundertjährige Tradition der engen Verbundenheit mit der Eisenbahn hat die Stadt und die Menschen geprägt.

Historie

In den Jahren 1961-1966 erlebte der Bahnhof Bebra die umfangreichste Umgestaltung in seiner Geschichte: Die Gleisanlagen des Personenbahnhofs (1961/62) und des Rangierbahn¬hofs (1962-1966) wurden umgebaut. In diesen Jahren erhielt der Bahnhof Bebra sein im Wesentlichen heute noch bestehendes Aussehen.

In den Jahren 1961-1966 erlebte der Bahnhof Bebra die umfangreichste Umgestaltung in seiner Geschichte: Die Gleisanlagen des Personenbahnhofs (1961/62) und des Rangierbahn¬hofs (1962-1966) wurden umgebaut. In diesen Jahren erhielt der Bahnhof Bebra sein im Wesentlichen heute noch bestehendes Aussehen. An der Spitze der Technisierung des Rangierbahnhofs steht das Stellwerk Brf. Es steht seitwärts vom Ablaufberg dicht neben der Weiteröder Straßenunterführung und ist weithin sichtbar — in den 60er Jahren ein neues Wahrzeichen im Fuldatal.

Nach bzw. mit dem Umbau des Bahnhofs wurden der Bahnhof und die Strecken nach Norden, Westen und Süden elektrifiziert. Eine Kommandostelle für die Stromversorgung der Oberleitungsanlagen im Raum Bebra und weit darüber hinaus — das Bahnstrom-Unter¬werk — wurde im „Göttinger Bogen" errichtet. Die Nord-Süd-Strecke (Strecke Frankfurt (M.)-Göttingen) wurde im Frühjahr 1963, die Strecke Bebra-Kassel 1966 für die elektrische Zugbeförderung in Betrieb genommen. Die Elektrifizierung bedeutete die Zurückziehung der bekannten Dampflokomotiven der Baurei¬hen 01, 10 und 44 mit Ölfeuerung und Ersatz durch elektrische Triebfahrzeuge der Baureihen 140, 141 und 150.

Diese gravierenden Änderungen wurden durch den Neubau eines zweiten modernen Stellwerks im Personenbahnhof an der Otto-Kraffke-Straße ergänzt. Die Grundsteinlegung für dieses Stellwerk (Bpf) erfolgte im Mai 1969.

Im Dezember des gleichen Jahres wurde nach zweijähriger Bauzeit das mit einem Kostenauf¬wand von 1,15 Millionen DM errichtete neue Sozial- und Dienstgebäude auf dem Gelände des Betriebswerkes eingeweiht. Das Gebäude beinhaltet eine Lokomotivleitung für den Einsatz der in Bebra stationierten Lokomotivführer und der Lokomotiven sowie ein Ersatzlager für elektrische Lokomotiven, eine Werkstatt für 50 auszubildende Maschinenschlosser, eine Verwaltungsabteilung für die Mitarbeiter des Bahnbetriebswerkes und Sozialräume. Mit diesem Neubau wurde Ersatz für alte und über das ganze Werksgelände verzettelte Anlagen geschaffen. Die Konzentration in einem einzigen Gebäude war die wirtschaftlichste Lösung und brachte den dort beschäftigten Eisenbahnern gleichzeitig helle, freundliche Arbeits¬plätze.

In den Jahren 1967-1970 wurden die Gleisanlagen in den Industriegebieten der Stadt Bebra neu verlegt bzw. weiter ausgebaut. So wurde den dort ansässigen Firmen die Möglichkeit eröffnet, Wagen im eigenen Betriebsgelände zu be- oder entladen und zeitaufwendige Umladungen zu vermeiden.

1971/72 wurden mit einem Kostenaufwand von rund 500000 DM in der Umladehalle Renovierungs- und Ausbauarbeiten durchgeführt. Das Ziel war, die Kapazität für den Güterumschlag zu erhöhen und die dortigen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dem Güterumschlag in Bebra kam nach damaliger Meinung eine herausragende Bedeutung im Handel zwischen beiden Teilen Deutschlands zu, mit steigendem Güteraufkommen müsse gerechnet werden — eine irrige Meinung, wie sich wenige Jahre später herausstellte.

Am 22./23. Juli 1975 wurde das neue Zentralstellwerk im Personenbahnhof (Bpf) an der Otto-Kraffke-Straße eingeschaltet. Von hier wurden ohne die späteren Erweiterungen 144 Haupt- und Vorsignale, 114 Rangiersignale sowie 186 Weichen und Gleissperren gestellt und überwacht, um die täglich fast 400 Zugfahrten und etwa 1200 Rangierfahrten durchzuführen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 20 Millionen DM. Dieses und das rund 10 Jahre zuvor errichtete Stellwerk im Rangierbahnhof (Brf) ersetzen zusammen 14 veraltete Stellwerke. Von diesen beiden Stellwerken wird auch heute noch der Zug- und Rangierbetrieb im Raum Bebra gesteuert und überwacht. Das Zentralstellwerk Bpf erfuhr 1982 weitere Aufwertungen: Ab 22. März wurden die Stellwerke in Sontra und Cornberg und ab 26. April die Stellwerke Mecklar und Blankenheim von hier ferngesteuert und 1989 oder 1990 soll auch der Bahnhof Rotenburg (F.) von diesem Stellwerk aus ferngesteuert werden.

Im Februar 1976 wurde mit dem Abbruch eines der ältesten Bahngebäude, der alten Güterabfertigung, begonnen. Das Gebäude wurde abgetragen, um einem Neubau Platz zu machen, der heute die Güterabfertigung und die Grenzkontrollstelle beherbergt.


1970: Brandts Sonderzug

Am 19. März 1970 bildete der Bahnhof Bebra die Kulisse für ein wichtiges Ereignis der innerdeutschen Geschichte: Mit einem Sonderzug der DB reiste Bundeskanzler Willy Brandt zu dem ersten Gipfeltreffen mit dem Ministerratsvorsitzenden der DDR, Willi Stoph, nach Erfurt und am Abend des gleichen Tages wieder zurück nach Bonn. Bilder des Bahnhofs Bebra rückten in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit — der Schienenweg bewies nachdrück¬lich seine Funktion als Klammer über Trennungslinien und Ländergrenzen hinweg. Am 21. Mai 1970 folgte der Gegenbesuch in der nordhessischen Metropole - später „Kasseler Treffen" genannt. Und erneut gingen Bilder vom Bahnhof Bebra um die Welt.

1974: Erinnerung an die Dampflokomotiven

Zur Erinnerung an die historische Bedeutung der Dampflokomotiven für die Entwicklung der Stadt Bebra zum Verkehrsknotenpunkt wurde 1974 an der „Eisernen Brücke" auf der „Bleiche", auch für die vorbeifahrenden Reisenden gut sichtbar, eine Schnellzuglokomotive aufgestellt. Diese Dampflokomotive, die 1940 in Dienst gestellt wurde, trug die Nummer 01 1102 (seit 1970 012 102-0), war von April 1957 bis Februar 1973 in Bebra beheimatet und hatte eine Laufleistung von 4133167 km. Die Grünanlage, in der die Lokomotive aufgestellt ist, wurde am 31. Mai 1974 im Rahmen einer Feier mit den Worten „was für Paris der Eiffelturm, ist für uns diese Dampflokomotive — denn beide sind aus Stahl" ihrer Bestim¬mung als Denkmal übergeben.

Dienststellen

Bahnbetriebswerk (Bw): Wartung und Instandsetzung der Triebfahrzeuge und Wagen, Einsatz der Lokführer und Triebfahrzeuge Bahnhof (Bf) einschließlich Bahnpolizei-Wache: Steuerung des Zug- und Rangierbetriebes, Einsatz der Zugbegleiter, Sicherung der Reisenden und DB-Anlagen Bahnmeisterei (Bm): Wartung und Instandsetzung baulicher Anlagen und des Fahrwegs Güterabfertigung (Ga): Kundenberatung, Verkauf des Angebots der DB im Personen- und Güterverkehr Nachrichtenmeisterei (Nm): Wartung und Instandsetzung der signal- und fernmeldetechnischen Anlagen