Bad Karlshafen

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Version vom 27. Mai 2007, 14:47 Uhr von 84.44.179.164 (Diskussion) (Hugenottenmuseum und Hugenottenturm in Bad Karlshafen)

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Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 151
Fläche: 14,85 qkm
Einwohner: ca. 4.200
Postleitzahl: 34385
Vorwahl: 05672
Kfz-Kennzeichen: KS
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hafenplatz 8
34385 Bad Karlshafen
Website: www.bad-karlshafen.de
Bürgermeister: Ullrich Otto

Bad Karlshafen an der Weser ist mit etwa 4.200 Einwohnern die nördlichste Stadt in Hessen.

Das ehemals eigenständige Städtchen Helmarshausen ist heute ein Ortsteil der Stadt.

Aktuelle Ansichten der Stadt gibt es mit einer Webcam:

Die Stadt beherbergt sehenswerte Museen. Das Hugenotten-Museum vermittelt die Geschichte der französischen Glaubensflüchtlinge, es stehen aber auch Einwanderungslisten, Kopien von Kirchenregistern, Fachliteratur und Mikrofilme zur Familienforschung zur Verfügung.

Eine Faksimile-Ausgabe des Evangeliars Heinrichs des Löwen aus dem Jahre 1173 ist im Heimatmuseum Helmarshausen zu besichtigen, das eine Ausstellung zur Geschichte des ehemaligen Benediktinerklosters Helmarshausen präsentiert.

Geografie

Die Kurstadt im Landkreis Kassel liegt in Mittelgebirgs-Höhenlage an der Deutschen Märchenstraße im Länderdreieck Hessen - Nordrhein-Westfalen - Niedersachsen.

Geschichte

Hafen und Karlskanal

Die Stadt wurde seinerzeit von Landgraf Karl von Hessen gegründet zur Ansiedlung von Hugenotten, protestantischen Glaubensflüchtlingen aus Frankreich.

Der Hafen sollte das Tor zur Nordsee sein und mit einem abkürzenden Kanal Kassels Schifffahrt von der Fulda zur Weser erheblich befördern (siehe auch Karlskanal), wenig mehr als ein Gedanke.

Der Hafen diente dann dem späteren Throninhaber Friedrich II. zur Ausschiffung der Landeskinder als Soldaten für die Engländer, die dann in Amerika gegen die aufbegehrenden Kolonialisten im seinerzeitigen Unabhängigkeitskampf für England kämpfen sollten.

- H.-J.Schulz, 01.04.2006 -

Soldatenhandel zugunsten Englands

Friedrich II. ist der "Kasseler Landgraf", der es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte.

Er benutzte dabei den Hafen in Karlshafen. Von dort reisten die jungen hessischen Männer weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen. Die so "Verkauften" sollen Zigtausende gewesen sein.

- H.-J.Schulz, 03.04.2006 -

Aus der Stadtgeschichte

Das Denkmal des Stadtgründers Landgraf Carl vor der Karlskirche in Kassel

Bereits im Jahre 1699 erfolgte die einzige Stadtgründung für Hugenotten in Hessen, in Sieburg, dem späteren Carlshafen. Der Name Sieburg wurde offenbar nach einer alten Fliehburg oberhalb der Stadt gewählt. Nach dem Willen des Landgrafen Carl sollte hier eine neue Fabrik- und Handelsstadt entstehen, wobei der Capitän Friedrich Conrad, Ingenieur und Baumeister des Landgrafen, von 1699 bis 1750 als Bauleiter verantwortlich war. Die Planung des im Jahre 1717 in "Carlshaven" umbenannten Orts erfolgte durch den Hofbaumeister Paul du Ry.

Schon bald entstehen das Invalidenhaus mit Kapelle (1704 - 1710) für verletzte und ausgeschiedene hessische Soldaten, die landgräfliche Mühle (1710) oder das Pack- und Rathaus (1715 - 1719).

Die ersten Bewohner - hugenottische Glaubensflüchtlinge - zogen im Frühjahr 1701 in die Stadt, nachdem sie zunächst vorübergehend im nahen Helmarshausen untergebracht waren. Hinzu kamen ab dem Jahre 1708 aber auch zunehmend deutsche Familien, so dass bis zum Jahr 1745 insgesamt 131 Familien, darunter 37 "Franzosen" in der Stadt wohnten. Neben der Landwirtschaft entstanden Manufakturen, beispielsweise eine Blaufarbenfabrik oder eine Textilmanufaktur, die 1717 bereits 118 Arbeiter beschäftigte und auch Uniformstoffe für hessische Soldaten lieferte.

1730 entdeckte der hugenottische Apotheker Jacques Galland die Solequellen in Karlshafen, die die Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Kur- und Badestadt werden ließen.

Etwa ab 1713 verfolgte Landgraf Carl den Plan, die Stadt an der Weser über den Landgraf-Carl-Kanal mit der Fulda im Süden zu verbinden, offenbar um das Hannoversch-Mündener Zollrecht zu umgehen. Nachdem zunächst damit begonnen wurde, die Diemel schiffbar zu machen, wurde mit den eigentlichen Kanalbauarbeiten erst 1720 begonnen, wobei auch Soldaten zu den friedlichen Arbeiten herangezogen wurden.

Von Karlshafen führte der Kanal bereits bis zum heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Pfaff beschreibt in seiner "Geschichte der Stadt Hofgeismar" die Aufregung in den Köpfen der dortigen Bewohner, die bisher lediglich durch eine Botenpost mit Kassel im Süden oder Trendelburg im Norden verbunden waren.

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde gut ein Jahrhundert später mit der Eröffnung der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme und der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen geschaffen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Landgraf-Carl-Kanal folgte.

Ab dem Jahr 1843 wurde auch eine regelmäßige Dampfschiffahrt auf der Weser eingerichtet und zunehmend Wirtschaftsgüter mit Schiffen befördert.

Eine eigene evangelische Stadtkirche erhielt Karlshafen erst im Jahre 1962, nachdem mehr als zwei Jahrhunderte hinweg die Kapelle im Invalidenhaus als Gotteshaus zur Verfügung stand. Bei der Einweihung der Stephanuskirche mit ihrem fast 30 m hohen freistehenden Turm hielt Bischof D. Adolf Wüstemann die Festpredigt und nahm mit der von ihm gewählten Bibelstelle "Geh´aus deinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen will" (1. Mose 12,1) Bezug auf das Schicksal der ersten hugenottischen Bewohner der Stadt.

Die katholische Kirche St. Michael stammt bereits aus dem Jahr 1956. Die katholische Seelsorge in dem protestantisch geprägten Karlshafen begann in nennenswertem Umfang im Jahre 1891 unter Pfarrer Peter Nau. In Karlshafen und den benachbarten Ortschaften wohnten seinerzeit etwa 270 Katholiken. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Katholiken im ehemaligen Kreis Hofgeismar auf mehr als 22.000 Personen an. Heimatvertriebene mit zumeist katholischer Konfession kamen im Kreisgebiet an und fanden hier auf Dauer eine neue Heimat.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 56 ff.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992

Hugenottenmuseum und Hugenottenturm in Bad Karlshafen

Das im Jahre 1989 in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Stadt eröffnete Hugenottenmuseums gibt Einblicke in das Leben der französischen Glaubensflüchtlinge, die ab dem Jahre 1701 in die neugegründete Stadt zogen.

Oberhalb der Stadt auf einem steilen Berghang befindet sich der Hugenottenturm, der im Jahre 1913 im Auftrag des Kaufmanns Johann Joseph Davin aus Bremen errichtet wurde, dessen hugenottische Vorfahren in der Stadt Aufnahme fanden.

Radwanderwege

  • Der Diemel-Radweg mit Start in Willingen verläuft entlang der Diemel über Usseln, Diemelsee, Marsberg, Diemelstadt, Warburg, Liebenau, Trendelburg bis nach Bad Karlshafen.
  • Der Weser-Radweg verläuft aus Richtung Hann. Münden (Start) entlang der Weser über Oberweser (25,0 km), Lippoldsberg (30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) bis nach Bad Karlshafen (45,0 km). Hier schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

siehe auch

Weblinks


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WappenLkKassel.jpg

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