Aquädukt

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Vorlage:Aquaedukt r stiehl.jpg?300 Je intensiver der Park unter Landgraf Wilhelm IX. romantisch ausgestaltet wurde, desto ferner rückte die antike Welt. Die von Heinrich Christoph Jussow entworfene Teufelsbrücke und die von ihm geplante Löwenburg orientierten sich eher an dem mittelalterlichen Geist. Eine Brücke zur antiken Welt des Herkules schlug jedoch das größte Verbindungsprojekt zwischen Kaskaden und Fontäneteich - das ebenfalls von Jussow geplante Aquädukt. Es beginnt wie ein unscheinbarer kanalisierter Wasserlauf und endet theatralisch wie eine zerstörte Brücke, von der das Wasser herabstürzt.

Romantik endet im Abwasserkanal

Theater. Nichts als Theater? Der Bergpark Wilhelmshöhe ist ein Naturereignis, auch wenn er von Menschenhand geplant und angelegt wurde. Auch die Wasserkünste spielen mit einem natürlichen Element. Trotzdem stellen alle Gräben, Tümpel und Teiche, alle Bauwerke eine auf Effekte ausgerichte Kulisse dar. So jedenfalls wollte es Landgraf Wilhelm IX., den Vorstellungen der Romantik entsprechend.

In dieses Schema fügt sich auch das Aquädukt, das als Bauwerk und mit den Felsenpartien im Tal einer Theaterkulisse entspricht, romantisch gesehen. Diese Bühne wird mit einem tosenden Wasserfall bespielt, die Felsen zusätzlich mit rauschendem Nass umspült. Eine Szene mit zwei Rollen, wenn man so will, denn die Zuläufe kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Das Wasser am Fuß des Aquädukts wird aus einem kleinen Teich jenseits der Straße gespeist. Das Wasser, das 34 Meter in die Tiefe stürzt, kommt hingegen von Teufelsbrücke und Höllenteich. Läuft von dort über im Wald versteckte, romantische Kaskaden, ehe es in einer Zulaufrinne auf das Bauwerk geleitet wird.

Das Aquädukt, von Jussow geplant und gebaut, sollte eigentlich ein Gegenstück auf dem Apolloberg haben, etwa in der Mitte der Luftlinie zwischen Aquädukt und Gewächshaus. Die Vergänglichkeit in der Natur, sollte laut Parkchef Hermann Mielke symbolisiert werden durch das dann offensichtlich fehlende Zwischenstück. Aber auch ohne dass das zweite Bauwerk errichtet wurde, erreicht das bestehende durch sein gewollt ruinöses Erscheinungsbild einen ähnlichen Effekt. Aber wie im Theater geht es um den Schein, nicht einen tatsächlich maroden Zustand. Schließlich sollen die Wasserspiele funktionieren. Und dies unter extremen Bedingungen, wie Mielke sagt.

Speziell die Wasserrinne ist durch die ständige Wechselwirkung von Feuchtigkeit und Trockenheit, Wärme und Kälte harten äußeren Einflüssen ausgesetzt. Die führen zu Rissen und ohne eine Sanierung zu der Gefahr, dass die Wasserkraft die Tuffsteine angreift und letztlich das Gebäude sprengt. Wieder steht eine Sanierung an, wobei nicht geklärt ist, welches Dichtungsmaterial genommen werden soll, sagt Mielke. Bisher wurde ausgeteert, wurde mit Schlemmbeton gearbeitet. Das Optimum fanden die Experten bisher nicht, die allerdings auch einen Kompromiss zwischen technischen Möglichkeiten und Denkmalpflege finden müssen.

Vom Aquädukt stürzt das Wasser über die Peneuskaskaden, teilt sich am Freundschafts-, auch Apollotempel genannt und läuft in den Fontänenteich. Fällt die 52 m hohe Fontäne, die über eine direkte Leitung aus dem Fontänenreservoire gespeist wird, in sich zusammen, sind für die Besucher im Park die Wasserkünste beendet. Dabei gibt es genaugenommen ein Nachspiel. Schließlich werden die rund 700 Kubikmeter Wasser für barocke und romantische Wasserspiele nicht wieder Richtung Herkules gepumpt, sie fließen also weiter. Und zwar als ruhiger Wasserlauf über den Seearm im Süden des Fontänenteichs, dann über kleine Kaskaden, unter Brücken an Inseln wie die Roseninsel vorbei durch das Tal der Flora zum Lac.

Auf dieser Strecke befinden sich die Jussow-Kaskaden oder auch der Jussowsche Wasserfall. Der besteht aus Quarzsteinen und nicht aus Tuff oder Basalt wie sonst im Park verbaut. Die Quarzsteine, gespresste Sande, haben eine weiße Grundstruktur. Sie kommen an der Südseite des Schlosses vor und gaben dem Weißenstein-Flügel oder auch der ersten Rosenzüchtung 1777 Perle vom Weißenstein den Namen.

Auch der Lac ist nicht Endstation des nassen Elementes der Künste, sondern ebenso Durchlaufstation. Völlig unromantisch verlässt es den Bergpark am Beginn der Wilhelmshöher Allee im Kanalnetz der Stadt Richtung Kleine Fulda der Karlsaue und Fulda.