Antonius Raab: Unterschied zwischen den Versionen

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Mit einer Landung auf der Berliner Straße "Unter den Linden" sorgte Raab [[1923]] für Schlagzeilen.
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Nach dem Krieg wurde Raab einer von zehn Piloten der Deutschen Luft-Reederei, zunächst auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin, ab [[1922]] auf dem Gelände der ehemaligen Zeppelinwerke in Berlin-Staaken, und war vorrangig für die Luftpoststrecken zuständig. Er war als Fluglehrer tätig und unterrichtete u. a. eine Gruppe Chinesen, darunter den späteren Premierminister Zhou Enlai. Zudem wurden die Flugzeuge für Filmaufnahmen und andere Aktionen wie Werbeflüge gechartert. Da der Flugverkehr im Winter weitgehend ruhte, studierte er nebenher ab [[1920]] in Berlin Jura. [[1921]] wurde er zur Deruluft versetzt für die Strecke Königsberg–Moskau, [[1923]] wechselte er zum Breslauer Stahlwerk Mark, das Sportflugzeuge herstellte und eine Flugschule betrieb. Raab knüpfte seine Einstellung jedoch an die Bedingung, keine Flieger für das Militär auszubilden. Bei der Leipziger Messe 1923 machte er einen vielbeachteten Werbeflug für Odol.
[[1925]] gründete Raab zusammen mit Kurt Katzenstein und Anatole Gobiet die Raab-Katzenstein-Flugzeugwerke. Das Kürzel RaKa wurde schnell bekannt, die Geschäfte liefen zunächst gut. Die Weltwirtschaftskrise und die Weigerung, sich an der Wiederaufrüstung der Reichswehr zu beteiligen, sorgten [[1930]] dafür, dass die Firma Konkurs anmelden musste.
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Reichspräsident Friedrich Ebert plante, Antonius Raab, der Mitglied der SPD war und als einer der besten Kunstflieger seiner Zeit galt, mit dem Aufbau des deutschen Sportflugwesens zu beauftragen. Nach dem Friedensvertrag von Versailles war es Deutschland verboten, Flugzeuge zu militärischen Zwecken zu entwickeln und nun sorgte man sich um die fliegerische Zukunft Deutschlands.
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Raab versprach Ebert, dieses Vorhaben durch eine spektakuläre Aktion zu unterstützen, wozu er am 8. Juli 1923 morgens um 5 Uhr mit einem Rieseler Sportflugzeug R III/22 in Berlin auf der Straße "Unter den Linden" landete und für viel Aufmerksamkeit sorgte. Als Raab jedoch anlässlich einer Trauerfeier für Manfred von Richthofen herausfand, dass die große Mehrzahl seiner Flugschüler verbotenerweise Offiziere der Reichswehr waren, fühlte er sich hintergangen und kündigte bei Mark.
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[[1925]] gründete Raab zusammen mit Kurt Katzenstein und Anatole Gobiet die Raab-Katzenstein-Flugzeugwerke in Kassel. Das Kürzel RaKa wurde schnell bekannt, die Geschäfte liefen zunächst gut. Die Weltwirtschaftskrise und die Weigerung, sich an der Wiederaufrüstung der Reichswehr zu beteiligen, sorgten [[1930]] dafür, dass die Firma Konkurs anmelden musste.<ref>[http://www.hna.de/lokales/kassel/kunstflieger-antonius-raab-verliess-1933-kassel-2823286.html HNA.de]</ref>
 
[[Datei:AntoniusRaab1.jpg|thumb|right|280px|Produktionshallen: Bei Raab Katzenstein wurden bis 1930 Flugzeuge für die zivile Nutzung hergestellt. Foto: Werner Kossin]]
 
[[Datei:AntoniusRaab1.jpg|thumb|right|280px|Produktionshallen: Bei Raab Katzenstein wurden bis 1930 Flugzeuge für die zivile Nutzung hergestellt. Foto: Werner Kossin]]
  

Version vom 27. März 2013, 10:23 Uhr

Herausragende Flieger: Antonius Raab vor einem Flugzeug auf dem Flughafen Waldau. Die Aufnahme hat der Fotograf Karl Achenbach gemacht, der auch die Fotomontage von Kurt Katzenstein unter der Fuldabrücke angefertigt hat. Foto: Achenbach / Archiv Werner Kossin

Antonius Raab (1897-1985) war ein berühmter Kasseler Pilot, Kunstflieger und Unternehmer.

Leben

Kindheit & Jugend

Antonius Raab wuchs in Rösrath bei Köln in der Nähe des Flugplatzes Wahner Heide auf, aus dem später der Flughafen Köln/Bonn entstand. Während des Ersten Weltkriegs erlebte er die ständigen Starts und Landungen von Flugzeugen, was bei ihm den Wunsch weckte, selbst Pilot zu werden.

1. Weltkrieg

1914 meldete er sich, im Alter von 17 Jahren, freiwillig als Soldat. 1918 wurde er als Infanterieflieger, also zum Zwecke der Aufklärung, ausgebildet. Kurz vor Kriegsende wurde er auf die Jagdfliegerschule nach Valenciennes versetzt, deren Leiter der spätere Generalinspekteur der NS-Luftwaffe, Erhard Milch, war.[1]

Karriere

Nach dem Krieg wurde Raab einer von zehn Piloten der Deutschen Luft-Reederei, zunächst auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin, ab 1922 auf dem Gelände der ehemaligen Zeppelinwerke in Berlin-Staaken, und war vorrangig für die Luftpoststrecken zuständig. Er war als Fluglehrer tätig und unterrichtete u. a. eine Gruppe Chinesen, darunter den späteren Premierminister Zhou Enlai. Zudem wurden die Flugzeuge für Filmaufnahmen und andere Aktionen wie Werbeflüge gechartert. Da der Flugverkehr im Winter weitgehend ruhte, studierte er nebenher ab 1920 in Berlin Jura. 1921 wurde er zur Deruluft versetzt für die Strecke Königsberg–Moskau, 1923 wechselte er zum Breslauer Stahlwerk Mark, das Sportflugzeuge herstellte und eine Flugschule betrieb. Raab knüpfte seine Einstellung jedoch an die Bedingung, keine Flieger für das Militär auszubilden. Bei der Leipziger Messe 1923 machte er einen vielbeachteten Werbeflug für Odol.

Reichspräsident Friedrich Ebert plante, Antonius Raab, der Mitglied der SPD war und als einer der besten Kunstflieger seiner Zeit galt, mit dem Aufbau des deutschen Sportflugwesens zu beauftragen. Nach dem Friedensvertrag von Versailles war es Deutschland verboten, Flugzeuge zu militärischen Zwecken zu entwickeln und nun sorgte man sich um die fliegerische Zukunft Deutschlands. Raab versprach Ebert, dieses Vorhaben durch eine spektakuläre Aktion zu unterstützen, wozu er am 8. Juli 1923 morgens um 5 Uhr mit einem Rieseler Sportflugzeug R III/22 in Berlin auf der Straße "Unter den Linden" landete und für viel Aufmerksamkeit sorgte. Als Raab jedoch anlässlich einer Trauerfeier für Manfred von Richthofen herausfand, dass die große Mehrzahl seiner Flugschüler verbotenerweise Offiziere der Reichswehr waren, fühlte er sich hintergangen und kündigte bei Mark.

1924 ging Raab als Chefpilot zur Dietrich-Gobiet Flugzeugbau AG und absolvierte zahlreiche Werbe-Flüge sowie Kunstflugvorführungen. Katzenstein und er gewannen zahlreiche Kunstflugwettbewerbe, u.a. 1925 in Prag und in München. Trotzdem ging die Firma 1925 Konkurs. In seinen Memoiren schreibt Raab, der Mitinhaber Dietrich habe 1925 „seine Sympathien für die Nazi-Partei entdeckt“ und versucht, die nicht „rein arischen“ Kurt Katzenstein und Gobiet (seinen Kompagnon), die ihm Geld und Ruhm eingebracht hätten, auszubooten. Dietrich selbst habe 1942 in seinem Buch "Im Flug über ein halbes Jahrhundert" geschrieben, dass „die Juden“ sein Unternehmen zerstört hätten.[2]

1925 gründete Raab zusammen mit Kurt Katzenstein und Anatole Gobiet die Raab-Katzenstein-Flugzeugwerke in Kassel. Das Kürzel RaKa wurde schnell bekannt, die Geschäfte liefen zunächst gut. Die Weltwirtschaftskrise und die Weigerung, sich an der Wiederaufrüstung der Reichswehr zu beteiligen, sorgten 1930 dafür, dass die Firma Konkurs anmelden musste.[3]

Produktionshallen: Bei Raab Katzenstein wurden bis 1930 Flugzeuge für die zivile Nutzung hergestellt. Foto: Werner Kossin

Nationalsozialismus & Exil

Raab geriet zunehmend in den Fokus der Nationalsozialisten. Er wurde von einem SA-Mann geschlagen und litt seitdem unter einer Störung des Gleichgewichtssinns. Seinen Schwiegervater aus erster Ehe, Herrmann Kalkhoff, prügelten die Nazis 1933 zu Tode. Dieser hatte Hermann Göring Jahre zuvor Geld geliehen und Ende 1932 den vergeblichen Versuch gemacht, Göring pfänden zu lassen. Antonius Raab flüchtete im selben Jahr über Lettland und Litauen nach Griechenland. Auch dort baute er Flugzeuge, die im Spanischen Bürgerkrieg gegen den Diktator Franco eingesetzt wurden. Im April 1941 flüchtete er vor den deutschen Truppen nach Ägypten, ein halbes Jahr später nach Indien. Dort gründete er mit einem Partner nach dem Krieg die erste indische Fluggesellschaft. Auf Drängen der Briten musste Raab wie alle anderen ehemaligen feindlichen Ausländer Indien verlassen. Zusammen mit seiner Frau ging er nach Genua. Seine Versuche, einen deutschen Pass zu bekommen, scheiterten.[4]

Würdigung

Antonius Raab starb 1985 in Italien. Nach ihm sind Straßen in Waldau und am neuen Flughafen Kassel-Calden benannt.

Weblinks und Quellen

  1. wikipedia.org
  2. wikipedia.org
  3. HNA.de
  4. HNA.de