Angerstein: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Urkunde angerstein.jpg|thumb|Urkunde des Erzbischofs Adalbert II. von Mainz]]In mittelalterlicher Minuskelschrift geschrieben beginnt so der Text einer Urkunde des Erzbischofs Adalberts II. von Mainz aus dem Jahre [[1139]]. ''"Im Namen der heiligen und unteilbaren Trinität (Dreiheit). Ich Adalbert (II.), durch Gottes Gnade Erzbischof von Mainz…"''
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Inhalt der Urkunde: Dem [[Augustinerchorherrenstift Katlenburg]] wird vom Erzbischof das verloren gegangene Recht wieder zuerkannt, den Zehnten von verschiedenen Höfen u. a. in [[Einbeck]] und [[Hillerse]] einzuziehen.
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Neben vier Geistlichen, kundig des Schreibens, der lateinischen Sprache und der juristischen Formalien werden wahrhaft illustre Zeugen des Beurkundungsaktes genannt. Zuallererst  Adelbertus dux Saxonie. Mit ihm, dem Herzog von Sachsen, ist kein geringerer gemeint als Albrecht der Bär, der Begründer der Mark Brandenburg (1157).
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[[Datei:Urkunde ausschnitt.jpg|thumb|left|vergrößerter Ausschnitt der vorletzten Zeile, neben dem Siegel]]Dann werden aufgezählt: Landgraf Dietrich von Elsaß (und Graf von Flandern) und Landgraf Ludwig I. von Thüringen (1131 - 1140). Dessen Ururenkel Ludwig IV. der Fromme (* 1200 - 1227 +) wird der Gemahl der Heiligen Elisabeth (*1207 - 1231+) sein. Nachfolgend zu diesen bedeutenden Reichsfürsten werden Grafen benannt: Unter anderem der Burggraf des Rustebergs, dem mainzischen Verwaltungssitz im Eichsfeld. Das war der Ausstellungsort der Urkunde. Und es wird genannt der comes castelli de Plesse Ropertus, der Burggraf Rupert von der Plesse. 
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Aufgelistet werden auch nichtadlige Zeugen: ''"…ministeriales…Thietericus de Aggerstein et gener eius (und sein Bruder) Adelbertus"''.  Unter Ministerialen sind in etwa zu verstehen: ''"…ritterlich lebende Dienstleute… bis ins 12. Jh.  … einzelner Grundherren, die auf Hofstellen amteten."'' (Internet-Enzyklopädie wikipedia). 
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Dieses ist das älteste schriftliche Zeugnis der Erwähnung des Ortsnamens ‚Angerstein’
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Das Brüderpaar Thiederic und Adelbertus gehörten offensichtlich zum Gefolge des Burggrafen Ropertus von der Plesse. Wären sie nur Reitknechte oder dergleichen Gesinde gewesen, so wären ihre Namen nie und nimmer für wert befunden worden, auf das Pergament als beglaubigende Zeugen geschrieben zu werden, zusammen mit denen von 15 erlauchten weltlichen und geistlichen Fürsten und Edlen, zusammen mit denen von 4 Notaren und 4 anderen Ministerialen. 
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Am [[23. Mai]] 1139 wurde die Urkunde ausgestellt. Die Angersteiner könnten also, wenn sie denn wollten, heuer eine 870 - Jahrfeier ausrichten. (Die Umrechnung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender, gültig ab [[1582]], müsste dann auch noch vorgenommen werden.)
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[[Datei:Siegel adalbert.jpg|thumb|Siegel Erzbischof Adalberts II. (1138-1141)]][[Nörten]] kann auf eine viel ältere Urkunde verweisen, andere Orte in der Umgebung auch. Zu nennen ist vor allem die [[1055]] vom Mainzer Erzbischof ausgestellte Urkunde. In ihr wird z. B. bereits die [[Leinebrücke]] genannt. Jedoch Angerstein gehörte anscheinend zwar kirchlich, jedoch nicht territorial zu Mainz. Das Gebiet der späteren Herrschaft Plesse, zu dem Angerstein gehörte, war im 10. Jh. von dem im Sächsischen reich begüterten Paderborner Bischof Meinwerk seiner Bistumskirche zum Geschenk gemacht worden. Den verwaltenden Burggrafen auf der Plesse gelang es im Laufe der Jahrhunderte, sich vom fernen Paderborn zu lösen und schließlich die faktische Reichsunmittelbarkeit zu erlangen.
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Übrigens: Auch heute hören Angersteiner auf die Vornamen der erstgenannten Angersteiner. ‚Dieter’ ist gebildet aus den althochdeutschen Wörtern  ‚diot’ = Volk und ‚riki’ = reich, kurz: mächtig; ‚Albert’ rührt her von ‚adel’ = edel und ‚beraht’ = glänzend, kurz: von glänzender Abkunft (Internetenzyklopädie wikipedia).
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=== Quellen ===
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* Die Originalurkunde vom 23. Mai 1139 befindet sich im Hauptstaatsarchiv Hannover (Cal.Or.Des.100 Katlenburg Nr. 2). 
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* In der SUB (Staats- u. Universitätsbibliothek Göttingen) ist sie in gedruckter Fassung im Lesesaal I einzusehen u. a. in: Mainzer Urkundenbuch, II. Bd., Arbeiten der hessischen historischen Kommission Darmstadt, bearbeitet von Peter Acht, Darmstadt 1968,Teil I, Nr. 8, S. 10 - 12, Signatur: PNR 1990 = 4 H HAS MDUC 813:4, 2, 1
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== Weblinks ==
 
== Weblinks ==

Version vom 29. November 2009, 15:26 Uhr

Angerstein ist ein Ortsteil von Nörten-Hardenberg im Landkreis Northeim.


Geschichte

(Ein Beitrag von Ortsheimatpfleger E. R. Christ)

…Ego Adelbertus dei gratia Mogontinus archiepiscopus…

Urkunde des Erzbischofs Adalbert II. von Mainz
In mittelalterlicher Minuskelschrift geschrieben beginnt so der Text einer Urkunde des Erzbischofs Adalberts II. von Mainz aus dem Jahre 1139. "Im Namen der heiligen und unteilbaren Trinität (Dreiheit). Ich Adalbert (II.), durch Gottes Gnade Erzbischof von Mainz…"

Inhalt der Urkunde: Dem Augustinerchorherrenstift Katlenburg wird vom Erzbischof das verloren gegangene Recht wieder zuerkannt, den Zehnten von verschiedenen Höfen u. a. in Einbeck und Hillerse einzuziehen.

Neben vier Geistlichen, kundig des Schreibens, der lateinischen Sprache und der juristischen Formalien werden wahrhaft illustre Zeugen des Beurkundungsaktes genannt. Zuallererst Adelbertus dux Saxonie. Mit ihm, dem Herzog von Sachsen, ist kein geringerer gemeint als Albrecht der Bär, der Begründer der Mark Brandenburg (1157).

vergrößerter Ausschnitt der vorletzten Zeile, neben dem Siegel
Dann werden aufgezählt: Landgraf Dietrich von Elsaß (und Graf von Flandern) und Landgraf Ludwig I. von Thüringen (1131 - 1140). Dessen Ururenkel Ludwig IV. der Fromme (* 1200 - 1227 +) wird der Gemahl der Heiligen Elisabeth (*1207 - 1231+) sein. Nachfolgend zu diesen bedeutenden Reichsfürsten werden Grafen benannt: Unter anderem der Burggraf des Rustebergs, dem mainzischen Verwaltungssitz im Eichsfeld. Das war der Ausstellungsort der Urkunde. Und es wird genannt der comes castelli de Plesse Ropertus, der Burggraf Rupert von der Plesse.

Aufgelistet werden auch nichtadlige Zeugen: "…ministeriales…Thietericus de Aggerstein et gener eius (und sein Bruder) Adelbertus". Unter Ministerialen sind in etwa zu verstehen: "…ritterlich lebende Dienstleute… bis ins 12. Jh. … einzelner Grundherren, die auf Hofstellen amteten." (Internet-Enzyklopädie wikipedia).

Dieses ist das älteste schriftliche Zeugnis der Erwähnung des Ortsnamens ‚Angerstein’

Das Brüderpaar Thiederic und Adelbertus gehörten offensichtlich zum Gefolge des Burggrafen Ropertus von der Plesse. Wären sie nur Reitknechte oder dergleichen Gesinde gewesen, so wären ihre Namen nie und nimmer für wert befunden worden, auf das Pergament als beglaubigende Zeugen geschrieben zu werden, zusammen mit denen von 15 erlauchten weltlichen und geistlichen Fürsten und Edlen, zusammen mit denen von 4 Notaren und 4 anderen Ministerialen.

Am 23. Mai 1139 wurde die Urkunde ausgestellt. Die Angersteiner könnten also, wenn sie denn wollten, heuer eine 870 - Jahrfeier ausrichten. (Die Umrechnung vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender, gültig ab 1582, müsste dann auch noch vorgenommen werden.)

Siegel Erzbischof Adalberts II. (1138-1141)
Nörten kann auf eine viel ältere Urkunde verweisen, andere Orte in der Umgebung auch. Zu nennen ist vor allem die 1055 vom Mainzer Erzbischof ausgestellte Urkunde. In ihr wird z. B. bereits die Leinebrücke genannt. Jedoch Angerstein gehörte anscheinend zwar kirchlich, jedoch nicht territorial zu Mainz. Das Gebiet der späteren Herrschaft Plesse, zu dem Angerstein gehörte, war im 10. Jh. von dem im Sächsischen reich begüterten Paderborner Bischof Meinwerk seiner Bistumskirche zum Geschenk gemacht worden. Den verwaltenden Burggrafen auf der Plesse gelang es im Laufe der Jahrhunderte, sich vom fernen Paderborn zu lösen und schließlich die faktische Reichsunmittelbarkeit zu erlangen.

Übrigens: Auch heute hören Angersteiner auf die Vornamen der erstgenannten Angersteiner. ‚Dieter’ ist gebildet aus den althochdeutschen Wörtern ‚diot’ = Volk und ‚riki’ = reich, kurz: mächtig; ‚Albert’ rührt her von ‚adel’ = edel und ‚beraht’ = glänzend, kurz: von glänzender Abkunft (Internetenzyklopädie wikipedia).


Quellen

  • Die Originalurkunde vom 23. Mai 1139 befindet sich im Hauptstaatsarchiv Hannover (Cal.Or.Des.100 Katlenburg Nr. 2).
  • In der SUB (Staats- u. Universitätsbibliothek Göttingen) ist sie in gedruckter Fassung im Lesesaal I einzusehen u. a. in: Mainzer Urkundenbuch, II. Bd., Arbeiten der hessischen historischen Kommission Darmstadt, bearbeitet von Peter Acht, Darmstadt 1968,Teil I, Nr. 8, S. 10 - 12, Signatur: PNR 1990 = 4 H HAS MDUC 813:4, 2, 1


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