An der Maulbeerplantage

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Traum von Seide aus Kassel

An der Maulbeerplantage sollte neue Industrie entstehen

Vorlage:Maulbeerplantage.jpg

Maulbeerplantage - das klingt wie China und Seidenraupen. In Kasseler Ohren klingt es wie Blücherviertel. Der Anfang der Straße „An der Maulbeerplantage“ liegt im Abbruch. Im Jahr 1767 wurde die alte Festungsanlage abgerissen. Das Abbruchgelände musste begrünt werden. Es wurden Maulbeerbäume gepflanzt, erklärt Heimatforscher Georg Textor. Bei deutschen Fürsten ging eine Art Seidenrausch um. Rohseide wird von den Kokons der Seidenraupen gewonnen, Seidenraupen fressen Maulbeerbaumblätter - also wurden die Bäume gepflanzt.

Landgraf Karl hatte schon 1714 angeregt, auf dem Weinberg 1500 Maulbeerbäume zu pflanzen. Sie wurden nie zur Seidenraupenzucht genutzt. Die 1767 gegründete Seidenmanufaktur existierte nur zwei Jahre, schreibt Stadthistoriker Paul Heidelbach.

Doch der Traum von Seide aus Kassel hielt sich. 1770 rief Landgraf Friedrich II. dazu auf, Seidenbau zu betreiben, „da die Vermehrung und Einführung nützlicher Industrie und Gewerbes Unseren getreuen Unterthanen zum wahren Vortheil und Uns zu Wohlgefallen und Vergnügen gereichen...“ Besonders Beamte, Bügermeister, Pfarrer, Organisten und Schulmeister sollten sich „Cultur und Anpflanzung des Maulbeerbaums bestens angelegen seyn lassen“. Damit bekam Kassel eine Maulbeerplantage. Ob es dort auch eine Seidenraupenzucht gab, ist nicht überliefert. Vermutlich wurde nichts daraus, denn sonst würde die Straße heute wohl „Seidenstraße“ heißen. Der Weg, der an dem Gelände vorbeiführt, nimmt - so Textor - den gleichen Verlauf, den die Festungsanlage hatte, genau die Linie von Mauer, Graben und äußerem Wall.

Vorlage:Maulbeerplantage grafik.gifDie Häuser im Blücherviertel - also auch „An der Maulbeerplantage“ - wurden ab 1890 zum großen Teil vom Beamten-Wohnungs-Verein gebaut und auch von Beamten bewohnt. An der Maulbeerplantage baute der Verein ab 1909 103 Wohnungen.

Im Haus Maulbeerplantage 25, von der Drahtbrücke aus links, war eine beliebte Gaststätte: Schiebelers Garten (nach der Bierbrauerei Schiebeler am Altmarkt), auch „Schiebelei“ genannt. Das war ein großer Biergarten mit Saal und Musikpavillon.

Später entstand auf dem Gartengelände noch das Restaurant „Blücherhof“. Nach den Bomben vom 22. Oktober 1943 war von all dem nichts mehr übrig.

Vor drei oder vier Jahren hat übrigens irgendjemand ein Maulbeerbäumchen gepflanzt. Schräg gegenüber der Herderschule. An der Maulbeerplantage.