Amerikanische Besatzung im Bauna-Tal

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Endlich keine Bomben mehr, diesen Stoßseufzer stellt Adam Ritze über seine Berichte aus der Nachkriegszeit. Er erzählt von der Zeit der amerikanischen Besatzung im Bauna-Tal.

Serienteil: "Ruhe nach den Bomben"

Bild aus der HNA vom 19.02.2011

„Nach den täglichen, endlos langen Militärkolonnen, die durch Altenbauna gefahren sind, ist es auf den Dorfstraßen wieder ruhiger geworden. Übrig geblieben sind die amerikanischen Besatzungssoldaten. Aber mit denen hatten wir Kinder kein Problem. Im Gegenteil, wir haben uns mit den Soldaten sehr schnell angefreundet. Kamen wir doch durch sie wieder an Dinge, die wir schon lange nicht mehr gekannt haben. Zum Beispiel richtig dicke Blockschokolade und zwischendurch auch mal eine Banane oder eine Apfelsine. Auch mit ihren großen Motorrädern, konnten sie uns begeistern.

HNA Bericht vom 19.02.2011

Wer das Glück hatte, für einen Soldaten die Wäsche zu waschen, hatte zusätzliche Vorteile. Die Verbindung zu den Soldaten stellten wir Kinder her. Wir holten die Wäsche in der Unterkunft ab und brachten sie nach Hause. Gewaschen und gebügelt lieferten wir die Wäsche wieder ab. Die Soldaten zahlten dann in Naturalien. Ganz Ehrgeizige von uns brachten es sogar fertig, für zwei oder gar drei Soldaten die Wäsche nach Hause zu bringen. Ganz nebenbei wurden durch fleißige Hände die entstandenen Schäden durch den Granatenbeschuss erst mal notdürftig repariert. Dazu gehörten die beschädigten Häuser, die Granatentrichter auf den Straßen und vor allem das Stromnetz. Da es kein Material zu kaufen gab, musste alles durch Organisieren erledigt werden.

Es wurden also erst einmal die Leitungen wiederhergestellt, die man für Licht und Radio brauchte. Die Anschlüsse für die stärkeren Verbraucher mussten noch warten. Der Schulbetrieb setzte nach Kriegsende nur ganz zögerlich ein. Von Normalität war noch lange keine Rede. Die beiden in Altenbauna noch vorhandenen Lehrer waren sehr verunsichert, wie es weitergehen sollte. Meistens wurden irgendwelche Verordnungen oder Richtlinien verlesen, und nach einer halben Stunde konnten wir wieder nach Hause gehen.

Für uns Kinder war das in Ordnung. Konnten wir doch in der neu gewonnenen Freiheit viele Dinge tun, die wir vorher nicht machen konnten. Trotzdem mussten wir überall sehr vorsichtig sein, weil unsere Umwelt mit den Hinterlassenschaften des Krieges total verseucht war. Blindgänger und Munition aller Art lagen in der Gegend herum. Es hat auch einige Unfälle gegeben.“

Adam Ritze (75) aus Hertingshausen, eigentlich ein waschechter Altenbaunaer, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bauna-Tals und mit Geschichten aus alten Zeiten. In unserer Serie erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat. Dieser Artikel ist erschienen unter dem Titel "Ruhe nach den Bomben - Nachkriegszeit: Viele Familien verdienten sich bei der US-Besatzungsmacht Naturalien".

Galerie


HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" mit Adam Ritze und Ria Ahrend

Adam Ritze: Teil 1 bis 17 | Teil 1: Erinnerungen an den Baunsberg | Teil 2: Amerikanische Besatzung | Teil 3: Zwei junge Männer ließen Leben | Teil 4: Erste Vertriebene kamen | Teil 5: Abenteuer im Baunsberg | Teil 6: Endlich wieder Kirmesvergnügen | Teil 7: Man lernte, was möglich war | Teil 8: Eine neue Glocke für die Kirche | Teil 9: Die Zeit, als sich alles änderte | Teil 10: Die Abrissbirne regiert im Dorf | Teil 11: Kriegsende zum Osterfest | Teil 12: Sirenengeheul prägte Schulzeit | Teil 13: Kindergartenzeit im Krieg | Teil 14: Luftmine fiel vom Himmel | Teil 15: Bei Angriff in den Splittergraben | Teil 16: Blick auf das brennende Kassel | Teil 17: Bombenangst im Keller | Ria Ahrend: Teil 18 bis 40 | Teil 18: Flucht in den Kirchenbunker | Teil 19: Füße auf dem Küchentisch | Teil 20: Schlange stehen fürs Brot | Teil 21: Schwein mit drei Beinen | Teil 22: Ein Dieb stahl die Marken | Teil 23: Neue Stiefel von den Amis | Teil 24: Auf Reisen in Trizonesien | Teil 25: Bucheckern für etwas Öl | Teil 26: Spielen mit den Lämmchen | Teil 27: Spaß mit Hickelkästchen | Teil 28: Morgenwäsche im Bach | Teil 29: Bunker sind unvergessen | Teil 30: Kaffeemühle war der Hit | Teil 31: Polster im Hosenboden | Teil 32: Baden bei Denn und Ditt | Teil 33: Kindliche Gaumenfreuden | Teil 34: Zum Zahnarzt ging’s mit Briketts | Teil 35: Omas am Spinnrad|Teil 36: Zum Geburtstag gab’s Klöße | Teil 37: Stinkattacke auf die Läuse | Teil 38: Klassenzimmer mit Kino | Teil 39/40: Mit Zöpfen auf dem Motorrad | Weitere Artikel: Teil: 41 Kreuzkirche feiert Jubiläum | Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen | Besuch bei Molly in Besse | Englisch-Lektion auf der Treppe


Artikel

Weblinks

Siehe auch

Stadtteile der Stadt Baunatal
Stadtwappen Baunatal
Stadtlogo Baunatal

Altenbauna | Altenritte | Großenritte | Guntershausen | Hertingshausen | Kirchbauna | Rengershausen


Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel
WappenLkKassel.jpg

Ahnatal | Bad Emstal | Bad Karlshafen | Baunatal | Breuna | Calden | Espenau | Fuldabrück | Fuldatal | Grebenstein | Habichtswald | Helsa | Hofgeismar | Immenhausen | Kaufungen | Liebenau | Lohfelden | Naumburg | Nieste | Niestetal | Oberweser | Reinhardshagen | Schauenburg | Söhrewald | Trendelburg | Vellmar | Wahlsburg | Wolfhagen | Zierenberg