Am Südbahnhof

Aus Regiowiki
Version vom 6. November 2006, 17:21 Uhr von 195.243.117.53 (Diskussion)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Im August 1893 lief der erste Zug in Korbach ein

Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die Zeit der Industrialisierung zügig fortschritt, blieb auch die Region Nordhessen davon nicht unberührt. Allerdings musste für das erfolgreiche Gelingen eine Vorbedingung erfüllt sein: der Ausbau des Eisenbahnnetzes. Die ersten in der Region gebauten Bahnstrecken, die Kassel-Lippstädter und die Main-Weser-Bahn, führten jedoch um das Waldecker Land herum. Die erste Bahnlinie im Fürstentum Waldeck konnte erst 1893 in Betrieb genommen werden. Sie nahm ihren Ausgang in Wabern (Main-Weser-Bahn) und führte über Fritzlar nach Niederwildungen. Im gleichen Jahr bekam auch Korbach einen Bahnanschluss durch die Weiterführung der Strecke Warburg-Volkmarsen-Arolsen. Als der erste Zug am 15. August 1893 in Korbach einlief, wurde dieses Ereignis in der Kreisstadt gebührend gefeiert. Der Bahnhof lag damals am Rand der Stadt, etwa zweihundert Meter nordwestlich des heutigen Hauptbahnhofs. Der Weiterbau dieser Strecke nach Frankenberg mit Anschluss nach Marburg wurde 1896 begonnen. Sie wurde am l. Mai 1900 dem Verkehr übergeben. Am l. Juni 1912 wurde schließlich die Strecke Korbach - Wildungen in Betrieb genommen. Die Weiterführung nach Brilon-Wald über Willingen erfolgte allerdings erst im l. Weltkrieg. Sie wurde am l. April 1917 eröffnet. Bevor Korbach einen Bahnhof bekam, führte die 35 Kilometer von Korbach entfernt gelegene Station Brilon-Wald den Namen Brilon-Corbach. Als die Strecke Korbach- Frankenberg 1900 in Betrieb genommen war, verlangten die Bürger der Korbacher Altstadt eine Haltestelle in ihrer Nähe. Der Weg zum damaligen Hauptbahnhof war ihnen zu weit. Die Eisenbahnverwaltung war mit der Einrichtung einer Haltestelle am Dalwigker Tor einverstanden. Die Kosten dafür wollte sie jedoch nicht übernehmen. So ließ die Stadt Korbach den Bahnhof Süd", ein einfaches Fachwerkhaus mit Wartehalle und Einliegerwohnung, auf eigene Kosten errichten. Es stand hinter dem Haus Kalbe, in der Nähe der Kuhbachbrücke, wo die Verlängerung der Heerstraße auf die Wildunger Landstraße trifft. Die Bahntrasse führte zunächst, von Itter her kommend, immer an der Kuhbach" und der heutigen Heerstraße entlang zum Hauptbahnhof. Auf halber Strecke zwischen Süd- und Hauptbahnhof baute man an der Ecke Strother Straße/Philosophenweg ein Bahnwärterhaus, das heute noch steht. Beim Ausbau der Strecke Korbach-Wabern wurde die Trasse weiter an den Hang verlegt. Für die heutige Streckenführung musste ein tiefer Taleinschnitt gegraben werden. Der alte Südbahnhof an der Kuhbachbrücke war nur neun Jahre in Betrieb. Das Gebäude wurde 1936 an den Zimmermeister Kuhnhenn verkauft, von ihm abgerissen und an der Briloner Landstraße wieder aufgebaut. Dort steht es noch heute. Der neue Südbahnhof mit Wartesaal und Wohnung wurde 1911 errichtet. Den Dienst als Stationsvorsteher versahen meist kriegsbeschädigte Bahnbeamte. Wohl bekannt sind noch die Herren Helmerich, Fleck, Meier und Wiegand. Sie hatten nicht nur die Aufgabe, die Fahrkarten zu verkaufen, sondern mussten auch per Hand die Schranke bedienen, die den Übergang zum gegenüberliegenden Bahnsteig sperrte. Von dort aus führte eine steile Treppe hinauf zum Akazienweg. Mit der Stilllegung der Bahnstrecken von Korbach nach Wabern und Frankenberg hatte der Südbahnhof seine Aufgabe erfüllt. Das Gebäude wird heute als Wohnhaus genutzt. Über den Gleiskörper baute man eine Fußgängerbrücke. Jahrelang war es still um den einstigen Südbahnhof. Nachdem aber seit 1998 wieder Züge zwischen Haupt- und Südbahnhof verkehren, wurde die in die Jahre gekommene Fußgängerbrücke von Grund auf erneuert. Die kurze Straße, die von der Kreuzung Wildunger Landstraße/Heerstraße/Frankenberger Landstraße zum Südbahnhof führt, trägt heute noch ihren alten Namen: Am Südbahnhof.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.