Ab Münden die lieblichsten Aussichten

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Die Begründer der Dampfschifffahrt setzten schon 1843 auf Touristen - Und einen vortrefflichen Reiseführer gab‘s dazu

Flusslandschaft: Blick über Bursfelde hinweg nach Süden in das Wesertal mit dem noch weit sichtbaren Turm der Bramburg – Lithographie von Robert Geißer 1863. Die beiden Türme der Klosterkirche in Bursfelde wurden erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzt . Repro: von Pezold

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Der Gedanke, auf der Weser Dampfschifffahrt zu betreiben, ging 1841 von Bremen aus. Die Initiative zur Gründung einer Schifffahrtsgesellschaft wurde hingegen im folgenden Jahr in Hameln ergriffen und von Münden aus nachdrücklich unterstützt. In Bremen dachte man zunächst nur an die Strecke bis Minden, wobei man stromaufwärts die Personen- mit mit der Schleppschifffahrt kombinieren wollte.

„Landschaftlich schön ist die Strecke von Münden bis Minden. Abwärts von Minden aber ist die Gegend öde und die lange Dampferfahrt ermüdend.“ (Bremer Bedenken)

Zwar glaubte man auch, dass mit der Dampfschifffahrt der Personenreiseverkehr von Münden bis Bremen zunehmen würde, dies aber hauptsächlich für die „landschaftlich schöne Strecke von Münden bis Minden“ gelten würde. Abwärts von Minden sei „die Gegend öde“ und „die lange Dampferfahrt ermüdend,“ weshalb die Schleppschifffahrt hier größere Bedeutung haben würde.

In Hameln und Münden plante man von Anfang an nur die gegenüber der Schleppschifffahrt leichter zu betreibende Personenschifffahrt auf der gesamten Weser bis Bremen. Und man setzte sich damit auch durch, als Ende November 1842 in Hameln unter Bremer und Mindener Beteiligung die „Vereinte Weser-Dampfschifffahrt“ gegründet wurde.

Nach bescheidenen Anfängen mit dem Dampfschiff „Hermann“ im Oktober 1843 zwischen Hameln und Münden konnte der Fahrbetrieb mit Beginn der Schifffahrtssaison im März 1844 auf der gesamten Strecke von Münden bis Bremen zunächst mit zwei Schiffen, im Verlauf des Jahres dann mit insgesamt fünf Schiffen aufgenommen werden.

Rechtzeitig im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Er war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein. Und gleich eingangs empfahl er nachdrücklich: Wer seine Schiffsreise in Münden begann oder beenden wollte, sollte wegen ihrer zahlreichen Sehenswürdigkeiten mindestens einen Tag in der Stadt verbringen.

"Wer seine Schiffsreise in Münden beginnen oder beenden wollte, sollte wegen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten mindestens einen Tag in dieser Stadt verbringen." Reiseschriftsteller Dr. Ludwig Boclo

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Von dem insgesamt 255 Seiten umfassenden Büchlein nimmt die Beschreibung der Strecke bis Minden und seiner Geschichte allein 220 Seiten ein. Weiter weserabwärts war – wie es schon die Bremer gewusst hatten – wenig Sehenwertes zu vermerken.