700 Jahre Stadt Borken (Hessen): Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 4. März 2018, 12:33 Uhr

Ausgangssituation

Burg.jpg

Eine direkte Stadtgründung oder eine offizielle Verleihung von Stadtrechten ist für Borken (Hessen) bisher nicht nachgewiesen. Es handelt sich vielmehr bei der Stadtwerdung von Borken um einen stetigen Entwicklungsprozess, der etwa 60 - 70 Jahre angedauert hat und in dessen Verlauf offensichtlich einzelne Stadtrechte vergeben wurden. Ausgangspunkt für diesen Prozess dürfte der Bau der Burg Borken, in der Mitte des 13. Jahrhunderts gewesen sein. Volpert d. Ä. von Borken wird als Erbauer der Burg angesehen. Lehensnehmer Borkens, von den Thüringer Landgrafen, waren die Grafen von Reichenbach/später Ziegenhain, von denen Volpert d. Ä., von dem Borkener Adelsgeschlecht, der Nach-Lehensnehmer war. Bevor jedoch die Burg Borken erstmals erwähnt wurde, wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1253, von einem "Gerichtstag im Dorf Borken" berichtet. Zwischen 1253 und 1266 erfolgte offenbar der Bau der Burg. Einhergehend mit dem Bau der Burg erfolgte die Umfassung der Siedlung mit Wall, Graben und im Bereich der beiden Tore auch teilweise mit einem kleinen Stück Mauer. Damit gestanden die Grafen von Reichenbach/Ziegenhain offenbar Volpert von Borken ein erstes Stadtrecht zu, nämlich das Befestigungsrecht. Die erstmalige Erwähnung der Burg Borken erfolgte im Jahr 1266 in einer Urkunde des Volpert von Borken, in der er festhalten ließ, dass die Urkunde, (in castro meo Borken),= in meiner Burg Borken, gefertigt wurde. Im Jahr 1285 fiel die Hälfte der Siedlung Borken, durch Heirat an Werner von Bischofshausen, gen. von Westerburg (später Familie von Löwenstein). Diese Hälfte verkaufte Werner im Jahr 1302 an den Landgraf Otto von Hessen. Ab diesem Zeitpunkt waren die Landgrafen von Hessen und die Grafen von Reichenbach/Ziegenhain, je zur Hälfte, Besitzer von Siedlung und Burg Borken und der Landgraf begann nun das landgräfliche Amt Borken zu entwickeln und aufzubauen. Zu einer anderen, nicht nachvollziehbaren, Bewertung gelangt die Stadtverwaltung Borken auf ihrer Internetseite:"700jähriges Jubiläum:Von der Siedlung zur Stadt". Sie schreibt: "Im Jahr 1372 richtete die Landgrafschaft Hessen einen Verwaltungsbezirk ein: das "Amt Borken ?"

Der Wandel setzt ein

Am 27. August 1303, 50 Jahre nach der letzten Erwähnung als Dorf, wurde Borken erstmals in einer Urkunde des Wäppners Heinrich von Urff als Stadt bezeichnet (In Oppido Burckenn et in Terminis Ejusdem Oppidi) =, die Schenkung einiger Güter in Stadt und Gemarkung Borken. Mit dem lateinischen Begriff "Oppidum" bezeichnete man im Mittelalter eine "stadtähnliche Siedlung", der z.B. noch nicht alle Stadtrechte zuerkannt waren. Eine weitere Stadtbezeichnung liefert eine Urkunde vom 18. Januar 1314 in der es heißt (In Termines Oppidi Burcken) =, in der Gemarkung der Stadt Borken.

Die Stadtwerdung

Ein Höhepunkt dieses Entwicklungsprozesses bildete die Absichtserklärung vom 09. November 1317, des Landgrafen Otto von Hessen und des Grafen Johann von Ziegenhain. Eine Vergabe/Verleihung von Stadtrechten ist in dieser Urkunde mit keiner Silbe erwähnt. Folglich ist die immer wieder zu lesende Behauptung "700 Jahre Stadtrechte Borken" falsch und nicht zulässig. In dieser Urkunde erklärten lediglich beide: " Wir sullin auch miteynander semtliche das Stedechin (Stadt) Borkin buwin". Hiermit verpflichten sich beide vertraglich den Bau zur Stadt fortzuführen und Borken zur Stadt weiter auszubauen. Auch die Urkundenexperten des Staatsarchivs Marburg teilten im Oktober 2016 mit," dass damit die beiden Dynasten vereinbaren, Borken zur Stadt zu machen", obwohl Borken bereits 1303 und 1314 als Stadt bezeichnet wurde und der Ausbau zur Stadt wahrscheinlich bereits in diesem Zeitraum in Gang gebracht worden ist, wie es auch Georg Landau in seinem Buch "Beschreibung des Kurfürstentums Hessen" 1842, auf Seite 257 beschrieben hat. Die Absichtserklärung der beiden Fürsten in dieser Urkunde ist deshalb zum Datum ausgewählt, an dem Borken erstmals, offiziell als Stadt ("Stedechin") bezeichnet worden ist und dient daher auch als Datum für die Jubiläumsfeierlichkeiten 2017, "700 Jahre Stadt Borken". Bereits 1358 wurde die "stad czu Borkin" erwähnt und 1373 soll es bereits einen Stadtrat gegeben haben, bestehend aus einem Bürgermeister und sechs Ratsverwandten ( heute Magistratsmitglieder).

Ende der Teilung

Nach dem Aussterben der Grafen von Ziegenhain, im Jahr 1450, fiel deren Hälfte an Stadt und Burg Borken an die Landgrafschaft Hessen, die nun alleiniger Besitzer von Stadt und Burg war.

Zerstörung von Burg und Stadt

Im Jahr 1469 wurden Burg und Stadt Borken im hessischen Bruderkrieg des Landgrafen Ludwig II. und seines Bruders Heinrich III. zerstört. Während die Stadt wieder aufgebaut wurde, verzichtete man auf den Wiederaufbau der Burg. Sie hat somit etwa 200 Jahre bestanden.

Literatur

  • Friedrich Döring


- Georg Landau, Beschreibung des Kurfürstentums Hessen 1842, Seite 257

- Wilhelm Killmer, Das alte Amt Borken, 1929, Seite 2 u. 37-40

- Friedrich Schunder,Die von Löwenstein 1955, Band 2, Seite 49

- Werner Ide, Geschichte der alten Stadt,1967, Seite 12-26

- Werner Ide, Borkener Blätter, Heft 2 1972, Seite 1-5

- Heinrich Ewald, 1986, Die Burg Borken

- HStAM, E-Mail vom 12.10.16

- HStAM, Urk 5, Nr. 1921 und Urk 53, Nr 62

Siehe auch