1,20 Mark pro Bett

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1,20 Mark pro Bett

Das Krankenhaus nahm 1878 seinen Betrieb auf und musste mehrfach erweitern


Das Gebäude des ehemaligen Garnisonslazaretts an der Burckhardtstraße, das nach dem Zweiten Weltkrieg vom Mündener Krankenhaus genutzt wurde. Foto: von Pezold


Von Dr. Johann Dietrich von Pezold


Nach seiner Einweihung am 12. Juni 1878 nahm das Mündener Krankenhaus den Betrieb nach einem Reglement auf, das der Vorstand des Krankenhausvereins beschlossen hatte. Danach war es bestimmt „zur Aufnahme Kranker in der Stadt Münden und Vorstadt Blume ansässiger oder beschäftigter Personen beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Religion oder Confession.“

Im Rahmen der Möglichkeiten konnten auch Patienten, die außerhalb dieses Einzugsgebietes wohnten, aufgenommen werden. Über die Aufnahme entschied der Vereinsvorstand in Verbindung mit dem für das Krankenhaus tätigen Arzt. Der Tagessatz in einem Mehrbettzimmer betrug 1,20 Mark. Darin waren die Kosten für Medikamente enthalten.

Kostenlosen Aufenthalt für sechs, längstens acht Wochen genossen Kranke aus dem festgelegten Einzugsgebiet, die sich vorweg zu einem jährlichen Beitrag für das Krankenhaus von drei Mark verpflichtet hatten. Sonderregelungen für die Aufnahme galten bei Epidemien, bei „ekelerregenden Krankheiten“ und bei Armen.

Das Krankenhaus entwickelte vom ersten Tage an die erwartete segensreiche Tätigkeit. Bis zum Jahresende 1878 wurden 35 Patienten aufgenommen. Die Zahl der Aufnahmen stieg von Jahr zu Jahr und erreichte bald einen jährlichen Durchschnittswert von 250 bis 270 Patienten.

Schon im Oktober 1879 hatte eine zweite Diakonisse ihre Tätigkeit aufgenommen. 1888 wurde ein Anbau erforderlich. Die Baukosten in Höhe von 9000 Mark wären ohne die jährlichen Haussammlungen in Münden und ohne die für das Krankenhaus bestimmen Einkünfte aus zahlreichen Vermächtnissen, nicht aufzubringen gewesen. Zeitweilig fanden Haussammlungen im Landkreis Münden statt, der seit den späten 1880er-Jahren auch einen jährlichen Zuschuss von 1000 Mark zahlte.

4500 Patienten in 20 Jahren

Das jährliche Budget betrug durchschnittlich 13000 bis 14 000 Mark. Etwa die Hälfte davon machten die Vergütung des Arztes und eines seit 1895 mit der Kassenverwaltung beauftragten Rechnungsführers aus.

Bis zum 1. Januar 1898 waren 4475 Patienten aufgenommen worden, von denen 4154 als geheilt oder gebessert entlassen werden konnten, 321 waren gestorben. Neuerliche Ausbauten wurden 1900 erforderlich. Ein größerer Erweiterungsbau wurde 1928 eingeweiht.

Während des 2. Weltkriegs (1939-1945) wurden einzelne Abteilungen in andere Häuser ausgelagert, darunter in das Lokomotivführerheim Haus Weserland. Nach dem Kriegsende wurde auch das Gebäude des ehemaligen Garnisonslazaretts in Neumünden als Krankenhaus eingerichtet. Von den Außenstellen blieb nur das Haus Weserland ab 1946 in Betrieb. Ein erster Erweiterungsbau wurde in Neumünden 1953 errichtet. Ein zweiter folgte 1956, wonach der Altbau am Vogelsang und das Haus Weserland geräumt wurden.