Übersicht zur Geschichte der Stadt Hofgeismar

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Hofgeismar von der Stadtgründung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

13. bis 15. Jahrhundert Stadtrechte erhielt die Siedlung „Hove Geismari“ 1223 durch den Mainzer Erzbischof Sigfried II., nachdem sie sich bereits zum Mittelpunkt eines Kirchsprengels entwickelt hatte.

Hofgeismar - alte Stadtansicht

Kriegsschulden aus der Mainzer Stiftsfehde (1461 – 1463) führten dazu, dass die Besitzungen des Erzbistums Mainz zwischen Diemel und Weser an den hessischen Landgraf Ludwig II. verpfändet wurden. Auch Hofgeismar kam in hessischen Besitz.

16. und 17. Jahrhundert Nach dem Merlauer Vertrag im Jahre 1582 gehörte die Stadt endgültig zur Landgrafschaft Hessen-Kassel.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg wuchs die Zahl der Einwohner in Hofgeismar auf etwa 2500 Personen. Die bis heute erhaltene Fachwerkbauten der Stadt stammen teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert. Unter den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs hat auch Hofgeismar stark gelitten.

Landgraf Carl von Hessen-Kassel siedelte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch in der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier Hugenotten und Waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. vertrieben worden waren. In Hofgeismar wurde am 22. Februar 1686 eine französisch-reformierten Gemeinde gegründet und in der Hofgeismarer Neustädter Kirche sowohl die Gottesdienste der deutsch-reformierten Gemeinde als auch der französisch-reformierten Christen abgehalten.

18. und 19. Jahrhundert Der Siebenjährige Krieg brachte für die Stadt Hofgeismar erhebliche wirtschaftliche Schäden, besonders während des Stellungskriegs an der Diemel in den Jahren 1760-1762; hessische Truppen kämpften damals im Sold Englands gegen Frankreich.

Eine jüdische Gemeinde in Hofgeismar ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegt, die im Jahre 1764 im Bereich Petriplatz/ Loggenhagen eine Synagoge errichtete. Im Jahre 1783 gehörten der Hofgeismarer jüdischen Gemeinde 107 Gemeindemitglieder an, ihre Zahl stieg bis zum Jahre 1861 auf 219 Personen.

Hofgeismar - Evangelische Akademie

Im 18. Jahrhundert stieg die Stadt Hofgeismar mit dem Stadtteil Gesundbrunnen zum Badeort auf. Daran erinnern bis heute die Bauten, die rund um die Heilquelle entstanden sind. Schon im Dreißigjährigen Krieg soll die Quelle des "Gesundbrunnens" von einem verwundeten Soldaten entdeckt worden sein und ihm die erhoffte Heilung gebracht haben. Das Schlösschen Schönburg im Park Gesundbrunnen („Montcherie“, erbaut 1787-1789 im klassizistischen Baustil nach den Plänen von Simon Louis du Ry) war ursprünglich Wohnsitz von Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (seit 1803: Kurfürst Wilhelm I. des Kurfürstentums Hessen-Kassel) während seiner Aufenthalte in den Sommermonaten.

Ab dem Jahre 1808 gehörte Hofgeismar unter französischer Herrschaft zum Königreich Westfalen, das mit König Jérôme, dem jüngsten Bruder von Napoléon Bonaparte, an der Spitze errichtet wurde. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig löste sich das Königreich Westfalen auf. Durch den Wiener Kongress 1814/ 1815 wurden die alten Regierungsstrukturen weitestgehend wiederhergestellt.

Unter Kurfürst Wilhelm II. und dessen Sohn Friedrich Wilhelm I. wurde ab 1844 im Kurfürstentum Hessen-Kassel mit dem Bau der Friedrich-Wilhelms–Nordbahn von Karlshafen über Kassel bis nach Bebra begonnen. Im Bereich der Stadt Hofgeismar – inzwischen auch Garnisionsstadt und Poststation – entstand 1848 ebenfalls ein Empfangsgebäude für die neue Eisenbahnlinie, ein weiterer Bahnhof entstand im heutigen Stadtteil Hümme.

Der kurhessische Staat erlosch 1866, nachdem er von Preußen in Folge des Deutschen Krieges annektiert worden war. Zwei Jahre später wurde er mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der durch preußische Truppen besetzten Freien Stadt Frankfurt zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt, in der das bisherige Kurhessen den Regierungsbezirk Kassel bildete. Auch die Stadt Hofgeismar kam 1866 zu Preußen, das Staatsbad Gesundbrunnen wurde aufgelöst.

aus dem Meyerschen Konversationslexikon – 4. Auflage von 1885 - 1892
Hofgeismar: Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, an der Esse und der Linie Schwerte-Kassel der Preußischen Staatsbahn, hat 2 evang. Pfarrkirchen, ein Amtsgericht, ein Realprogymnasium, Buch- und Steindruckerei, Malzfabrikation, Spiritusbrennerei, eine chemische Fabrik, Holzschneidereien, Ziegeleien, eine Fabrik für Militärputzeffekten, bedeutende Waldungen und (1885) mit Garnison (ein Dragonerregiment Nr. 5) 4343 meist evang. Einwohner

Aus den in Hofgeismar stationierten Hessischen Leibhusaren ging 1867 das 1. hessische Husarenregiment Nr. 13 hervor. Im Jahre 1875 wurde dann in Hofgeismar das Dragoner-Regiment Nr. 5 stationiert, das später den Namen Dragoner-Regiment "Freiherr von Manteuffel" erhielt.

Die katholische Gemeindeseelsorge in der stark evangelisch geprägten Stadt begann in nennenswertem Umfang im Jahre 1892, der Bau der katholischen St.-Petri-Kirche schloß sich 1897/ 98 an.

Nach einer Zählung im Jahre 1868 lag die Bevölkerungszahl in Hofgeismar bei 3.708 Personen (darunter 750 Mann Militär); sie stieg bis zum Jahr 1906 auf 4600 Einwohner.

siehe auch

Literatur

  1. Friedrich Pfaff, Geschichte der Stadt Hofgeismar, 2. Auflage, 1954
  2. Richard Andrae, Die Stadt Hofgeismar im 19. Jahrhundert, veröffentlicht als zweiter Band der „Geschichte der Stadt Hofgeismar“, 1954
  3. Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 124 ff.
  4. Alt-Hofgeismar, Bilder aus einer vergangenen Zeit 1870 - 1925, herausgegeben und erläutert von Helmut Burmeister und Klaus-Peter Lange, Hofgeismar 1979

Weblinks