Zwerge im Stadtwall
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In dieser mysteriösen Wohnung, von der noch einige stockdunkle Gänge erhalten geblieben sind, haben einer alten Northeimer Sage zufolge Zwerge gehaust, die den Northeimern beim Bau des Schutzwalls geholfen haben.
Die dafür nötigen Steine wurden aus den alten Steinbrüchen des Wieters geholt. Dabei wurden allerdings die Arbeiter und Fuhleute auf ein merkwürdiges Phänomen aufmerksam: Der Vorrat an Bausteinen nahm niemals ab. Nach dem Abstransport des Materials wuchsen die Steinhaufen in der Nacht wieder zur alten Größe an.
Schließlich stellte sich heraus, dass Zwerge dahinter steckten. „Wei hebbet so en Barg Steine ebroken und up düssen Hucken esmetten, ober jei hett össek nichemal en Brat egeben. Issen dat ne Sache?“ (Wir haben so einen Berg Steine gebrochen und auf diesen Haufen geworfen, aber ihr habt uns nicht einmal ein Brot gegeben. Ist das so richtig?), soll einer der Gnome gesagt haben, als er von einem der Fuhrmänner am Steinbruch entdeckt wurde.
Nach und nach fuhren die Zwerge mit den Fuhrleuten vom Wieter hinunter und zogen in den entstehenden Schutzwall ein. Die Bauleute waren pfiffig und wussten, die Fähigkeiten der Zwerge für ihre Zwecke einzusetzen und mussten selbst überhaupt nicht mehr arbeiten. Gegen eine Gage aus Erbsen und Brot stellten die Wichtel den Schutzwall in kürzester Zeit fertig.
Dass sie anschließend dort selbst einzogen, erwies sich im Nachhinein als Glück für die Northeimer, denn immer wenn der Stadt in unruhigen Zeiten Gefahren drohte, war aus dem Bollwerk ein lautes Rumoren zu hören, sodass die Stadtwachen alarmiert wurden. Auch Schäden am Bauwerk durch feindliche Angriffe wurden von den Zwergen sofort behoben, sodass am nächsten Morgen Mauern und Türme wieder ihren Zweck erfüllen konnten.
Northeim bekam den Ruf einer uneinnehmbaren Festung, und das blieb so bis zum Dreißigjährigen Krieg. Dreimal wurde die Stadt von Tillys Truppen belagert. Zweimal ohne Erfolg. Bei der letzten Belagerung, die im September 1626 begann und am 6. Juli 1627 mit einem Vergleich endete, mussten sich die Northeimer jedoch geschlagen geben und wurden verpflichtet, die Stadtbefestiung abzureißen.
Bis auf 50 Hausbesitzer zog damals jedoch die Bevölkerung zur Verwandtschaft aufs Land, und die wenigen verbliebenen Einwohner schafften es nicht, dieser Verpflichtung nachzukommen. Zum Glück. Denn sonst gäbe es heute keine Stadtmauer und keinen Wall mehr. Und die Zwerge? Von denen fehlt seit dieser Zeit jede Spur.

