Zur Namensgebung des Aussichtsturms von Hann. Münden vor über 125 Jahren

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Die Tillyschanze
Kupferstich von der Belagerung Mündens im Jahre 1626

Die Tillyschanze, ein 25 m hoher Aussichtsturm, liegt am Osthang des Reinhardswalds.

Von hier bietet sich ein Blick auf die Stadt Hann. Münden und über die Höhenzüge des Reinhardswalds, des Kaufunger Walds und des Bramwalds.

Der Turm wurde in den Jahren 1881 - 1885 errichtet und soll an die Belagerung der Stadt durch den Feldherrn Tilly während des Dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1626 erinnern.

Der Name des Henkers

Zur Namensgebung des Aussichtsturms von Hann. Münden vor über 125 Jahren

Von Claas Michaelis

Hann. Münden. Jeder, der die Geschichte von Münden und Graf Tilly kennt, fragt sich, warum der Aussichtsturm über der Stadt nach diesem Feldherren benannt ist. Was die Initiatoren des Turmbaus trieb, dem Bauwerk ausgerechnet den Namen eines Henkers der Stadt zu verleihen, ist nicht bekannt. Schließlich richtete Feldherr Johann Tserklaes Graf von Tilly während des 30-jährigen Kriegs hier ein Gemetzel an.

Trotz intensiver Recherchen zur Vorbereitung der Ausstellung über die Grundsteinlegung vor über 125 Jahren ist es auch Tillyschanzenwirt Reinhold Heck nicht gelungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Klar ist aber, dass die Namensgebung umstritten war. Auch einige Jahre nach der Grundsteinlegung wurde in Münden offensichtlich heiß über das Thema diskutiert. So beklagt sich der Schreiber eines Leserbriefs 1884 in den Mündener Nachrichten über den Namen Tillyschanze.

Nach den Erkenntnissen von Reinhold Heck ist inzwischen bewiesen: Graf Tilly feuerte seine Kanonen gar nicht vom Rabanenkopf auf Münden ab. Allerdings muss sich irgendetwas Bedeutsames an diesem Ort ereignet haben. Immerhin wird in Büchern darüber berichtet, dass die Tillyschanze auf einem „historischen Boden“ entstanden sei. Noch heute erinnert ein Relief von Gustav Eberlein im Turmzimmer daran, wie Tillys Truppen Münden dem Erdboden gleich machten.

Blickt man weiter zurück in bis ins Jahr 1306, landet man bei der Hesseburg. Die soll auf dem Rabanenkopf gestanden haben. Der Legende nach haben Wachposten von dort aus Schiffe beobachtet. Weil Münden das Stapelrecht für Handelsschiffe besaß, mussten diese ihre Waren drei Tage lang abladen und zum Verkauf anbieten, bevor sie weiterfahren durften. Außerdem haben sich angeblich Fürsten und Könige auf der Hesse-Burg getroffen, um dort Verträge zu unterzeichnen. (clm)

Graf Tilly hat sie nicht zerstört

30-jähriger Krieg: bekannte Feldherren auf katholischer Seite waren Tilly und Wallenstein, auf protestantischer Gustav Adolf von Schweden.

Zur Namensgebung der Tillyschanze hoch über der Stadt vor über 125 Jahren

Die Behauptung, Graf Tilly habe die Stadt Münden dem Erdboden gleichgemacht, wie sie im Artikel „Der Name des Henkers“ (24.6.) aufgestellt wird, ist falsch.

Die tillyschen Söldner richteten in den Pfingsttagen des Jahres 1626 zwar ein furchtbares Blutbad an, zu einer Zerstörung der Stadt, wie etwa in Magdeburg 1631, ist es jedoch niemals gekommen.

Tilly konnte gar kein Interesse an einer Zerstörung Mündens gehabt haben, denn wie ich im Rahmen meiner Magisterarbeit herausfinden konnte, gab es offensichtlich geheime Pläne, wonach Tilly Münden und andere Gebiete im Calenberger Land als Lohn für seine treuen Kriegsdienste erhalten sollte. (...)

Ähnliche Pläne, aber auch die Begehrlichkeiten der umliegenden Herrscher dürften dazu geführt haben, dass Münden, trotz des hohen Blutzolls, den die Bürger zu zahlen hatten, relativ glimpflich davon kam, so dass wir heute noch durch die historische Altstadt gehen können, die den Dreißigjährigen Krieg nahezu unbeschadet überstand.

Thomas Kossert, Freiburg im Breisgau

siehe auch

RegioWiki-Artikel zur Tillyschanze: