Zur Entstehung des Ortsnamens Oelshausen - ein Märchen

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Oelshausen liegt an der Deutschen Märchenstraße. Eine Geschichte aus und um dieses Dorf, erklärt auf märchenhafte Weise, wie der eigentümliche Name dieses Dorfes zustande kam.

Es war einmal ein armes Bauernmädchen, das in einem kleinen Dorf lebte, in dem drei Quellen zusammenflossen und in einem kleinen Bach, der Erpe, mündete. Sechs Brüder hatte das kleine Mädchen, jeder an einem Wochentag geboren. Sie ist die siebte und wurde an einem Sonntag geboren. Das war ihr Glückstag.

Die Mutter starb sehr früh und fortan musste sich das Kind um Haushalt, Brüder und Vater kümmern. Wenn die anderen Kinder draußen spielten, war sie in der Küche oder am Bach, um die Wäsche zu waschen.

Sie wohnten sehr ärmlich. Sie musste sogar auf dem Fußboden schlafen, weil sie kein eigenes Bett hatte. Weder in ihrer Kammer noch irgendwo im Haus gab es einen Spiegel.

Eines Tages holte das Mädchen Wasser im Krug aus dem Dorfbrunnen, den alle Kump nannten. Die anderen Dorfkinder ärgerten sie derart, dass sie fortlief. Plötzlich stolperte sie dabei und fiel in die Scherben des Kruges. Dabei zog sie sich tiefe Schnittwunden im Gesicht zu. Weil sie so arm waren und keinen Arzt bezahlen konnten, durfte sie nicht zum Arzt gehen. Damit niemand ihre häßlichen Narben entdeckte, die sie fortan durch diese Schnittwunden behielt, trug sie ein Kopftuch, das sie sich tief ins Gesicht zog.

Es war wieder Winter und sehr kalt. Deswegen schickten die Brüder sie nach dem Essen in den Wald, um Holz und Reisig zu sammeln, damit sie Feuer im Ofen machen kann. Sie schnallte sich den großen Korb auf den Rücken und ging in den tiefen Wald auf dem Hundsberg. Der Berg hatte seinen Namen von der Sage einer weißen und alten Frau, die dort mit drei großen weißen Hunden lebte. Sie sei eine böse Kräuterhexe, deswegen ging eigentlich niemand allein in den Wald. Aber niemand hatte sie je gesehen. Dem kleinen Mädchen blieb jedoch keine Wahl, sie musste das Holz für ihre Brüder holen.

Als sie ihr Holz einsammelte, geschah etwas merkwürdiges; plötzlich standen da drei große weiße Hunde. Sie schauten aber so lieb drein, dass sie sich nicht fürchtete. Die Hunde schauten jedoch an ihr vorbei, so dass auch sie sich umdrehte. Da stand sie, die weiße alte Frau. Sie sah gar nicht aus wie eine böse Hexe. Im Gegenteil, sie hatte ein gütiges und liebes Gesicht, dachte das Mädchen.

Sie streckte beide Hände dem Mädchen entgegen und hielt darin eine Kastanie, eine Eichel und eine Buchäcker. Sie sprach: „dies sind Glaube, Liebe und Hoffnung. Drei Dinge die jeden Menschen glücklich machen, wenn er sie zu schätzen weiß. Gehe nach Hause und presse die Baumfrüchte aus, damit du daraus ein feines heilenden Oel bereitest.

Aber denke bei allem was du tust stets daran, dass man fest an etwas glauben muss. Denn der starke Glaube, die reine Liebe und die Hoffnung versetzen Berge.“ Das Mädchen nickte heftig, schnell schnappte es sich den Korb, nahm die Kostbarkeit des Waldes an sich und eilte nach Hause.

Nachdem das Feuer und dessen Wärme, die Brüder für den Abend besänftigte, schloß sich das Mädchen mit der alten Oelpresse in die Kammer ein.

Es legte vorsichtig die Baumfrüchte in die Presse und schraubte diese solange, bis sich nichts mehr bewegen ließ. Vorsichtig schaute sie in das darunter stehende Schälchen. Ein feines und wohlriechendes Oel befand sich darin.

Es waren aber nur drei Tropfen. Mit einem rieb Sie sich ein, die anderen schenkte sie in ein kleines Fläschchen. Dabei ging ein Tropfen verloren. So hatte sie nur noch einen einzigen. Den hob sie gut auf und trug ihn seit dieser Zeit immer bei sich. Nachdem sie noch die Hausarbeit erledigte, legte sie sich schlafen. In der Nacht träumte sie einen wunderschönen Traum, in dem sie ganz fest glaubte, liebte und hoffte.

Am nächsten Morgen hörte sie, wie alle Dorfbewohner zu der Straße liefen, die mit vielen großen stattlichen Bäumen eingerahmt war und sich um den kleinen Ort schlängelte. Die Fürstenfamilie fuhr hier manchmal mit der Kutsche entlang, um in das nahegelegene Jagdschloß zu gelangen.

Die Mädchen trugen alle weiße Schürzen und hatten ihre langen Haare ordentlich zu Zöpfen geflochten, die rechts und links vor den Schultern hingen. Alle Jungen standen mit frisch geputzten Schuhen und mit gekämmten Haaren, ihre Mützen in der Hand haltend an dem Straßenrand und jubelten der Fürstenfamilie zu. Mit ihren weißen Taschentüchern wedelten sie heftig in der Luft.

Nur unser kleines Mädchen nicht, sie schämte sich wegen ihrer häßlichen Narben, den Kopf hoch zu strecken und versteckte diesen gewohnheitsgemäß unter einem Kopftuch. Als das der Wächter des Fürsten sah, befahl er dem Kutscher, dieser sollte anhalten. Er ging auf das Mädchen zu und sprach mit böser Stimme: „Warum empfängst Du die Fürstenfamilie nicht so jubelnd wie alle anderen hier, sondern stehst nur stumm am Wegesrand?“ Das Mädchen zitterte vor Angst und wagte nicht das vernarbte Gesicht zu erheben. „Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede“, schrie der Wachmann. Er hob ihren Kopf an und dabei fiel das Kopftuch herunter. Da waren auf einmal alle still.

Auch der Wächter verstummte eine Weile, dann sagte er lächelnd: „Willst Du nicht mitkommen, ein so schönes Mädchen, können wir gut gebrauchen. Das Mädchen glaubte ihren Ohren nicht zu trauen. Sagte der Mann, schön? Sie dachte an die alte weiße Frau und die Oeltröpfchen. Noch eh sie sich besinnen konnte, saß sie bereits in der Kutsche der Fürstin. Sie fuhren an der Reihe der Dorfbewohner vorbei und niemand jubelte mehr.

Das Mädchen hatte ihre früheren Sorgen schnell vergessen. Denn das Fürstenpaar und der Prinz hatten sie lieb gewonnen. Ihre Schönheit war berühmt. Ihre kleine Oelflasche mit dem letzten Tropfen verschloß sie so gut, dass nur die Krone des Königs selbst besser bewacht war. Es vergingen viele Jahre und dem Mädchen hat es an nichts mehr gefehlt. Der Prinz verliebte sich ebenso in sie, wie alle anderen Menschen, die sie erblickten. Er gestand ihr seine Liebe und sie heirateten.

Eines Tages ritt der Prinz zu Jagd. Vor einem Hindernis, scheute sein Pferd und er fiel in einen Rosendornenbusch. Er zerstach sich die Augen und erblindete. Alles war dunkel um ihn. Seine Jagdbegleiter brachten ihn ins Schloß zurück. Dort holte man die besten Ärzte im Land, aber niemand konnte ihm helfen.

Die Prinzessin hielt ihm die Hand und weinte an seinem Bett. Dann fiel ihr der Oeltropfen und die Worte der alten weißen Frau ein: „Es heile alle Wunden“. Sie lief so schnell sie konnte, um das Fläschlein zu holen. Dann hielt sie plötzlich inne. Was ist, wenn ich dann wieder häßlich werde, ich hätte dann kein Oel mehr für mich selbst. Alle würden mich dann wieder verstoßen und ich müsste wieder in meine alte Kammer zurückkehren. Niemand würde mich je wieder lieben, auch der Prinz nicht. Sie zögerte.

Dann aber sprach ihr Herz zu ihr und sie dachte daran, wie gut der Prinz immer zu ihr gewesen ist und wie sehr er sie liebte. Durch ihn wurde ihr Leben erst schön. "Ich werde ihm helfen, auch wenn ich wieder zurückkehren muss in meine Kammer", beschloss sie. Sie nahm den letzten Tropfen Oel aus dem Fläschchen heraus und rieb dem schlafenden Prinzen damit die Augen ein.

Dann setzte sie sich an sein Bett um zu warten, schlief jedoch nach eine Weile ein. Sie träumte von der alten weißen Frau, wie sie ihr sagte, sie müsse fest an die heilende Wirkung glauben, lieben und hoffen. Der starke Glaube von einem reinen und guten Menschen versetze Berge. Als der Prinz dann erwachte, geschah ein Wunder. Seine gütigen braunen Augen konnten wieder sehen.

Er war glücklich und blickte auf zu seiner Prinzessin. Aber er erschrak. Wer bist du denn, du häßliches Etwas? Was machst du hier? Die Prinzessin hatte aus Liebe zum Prinzen an nichts anderes mehr gedacht als an seine Gesundung und sich selbst dabei vergessen.

Sie hat nur noch an ihn und nicht mehr an sich geglaubt. Daher verflog der Zauber des Oels und sie war wieder voller Narben. Unter Tränen gestand sie dem Prinzen ihre Vergangenheit. Sie hoffte auf sein Verständnis, dass seine Liebe ausreiche und dass er sie nicht wieder zurück schicken würde. An der Stimme erkannte er, dass es wirklich seine Prinzessin war. Er sagte: “Ja, du bist es wirklich, meine Prinzessin. Weine nicht, ich sehe Dich längst nicht mehr mit meinen Augen, sondern ich sehe Dich mit meinem Herzen.“ Er weiß, dass man nur mit dem Herzen erkennen kann, ob ein Mensch gut ist oder schlecht. Er sprach: „Nur mit meinem Herzen kann ich sehen, was du für ein guter und lieber Mensch bist. Deine Schönheit kommt von innen. Du erstrahlst mit deinem lieben Wesen alles und erwärmst die Herzen mit deiner Güte. Alles andere ist mir gleich.“ Er schloß sie in die Arme und beide weinten Freudentränen. Dabei kullerten zahlreiche Tränen, die noch Reste des kostbaren Oels in sich trugen, auf das Gesicht der Prinzessin.

In der Nacht träumte sie davon, wie sie mit ihrem häßlichen Gesicht wieder unter die Menschen tritt. Alle lachten den Prinzen aus, weil er eine so häßliche Frau hat. Alle Menschen zeigten mit den Fingern auf sie. Doch plötzlich wecke sie der Prinz. „Schau nur“, rief er, „Du bist noch schöner als je zuvor.“ Sie schaute in den Spiegel und tatsächlich, war sie noch schöner geworden. Sie lächelte und sprach leise vor sich hin: „Glaube, Liebe und Hoffnung ist wirklich das Wichtigste“.

Sie wünschte sich, dass allen Menschen in Not, diese drei Worte weiterhelfen würden. Der Prinz und die Prinzessin vergaßen dieses Ereignis niemals und regierten auch später als König und Königin stets ihr Volk mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Einige Jahre später bekamen die beiden drei Töchter. Die Erste nannten sie Glaube, die Zweite nannten sie Liebe und die Dritte Hoffnung. Das Dorf, indem die Prinzessin geboren wurde, nannten alle fortan Oelshausen, weil dort das heilende Oel herkam. So lebten alle glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

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