Zisseln

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Die immer wieder anzutreffende Feststellung, das Wort Zissel finde man in keinem deutschen Wörterbuch, ist nicht ganz korrekt:

Der Begriff „zisseln“ findet sich bereits im Deutschen Wörterbuch der Grimms:

  • ZISSELN, vb., (einen baum) schütteln, (heu) auflockern, (zucker, samenkörner) auseinanderstreuen, (das masz) locker füllen. frequentativum zu zissen (zur germ. wz. tis- 'zupfen') 'schütteln'.

zisseln erscheint nur in md. dialekten, bes. im hessischen, zuweilen mit dehnung des vokals: zisseln VILMAR Kurhessen 471; HOFMANN niederhess. 270a; REUTING Höchst 50; zisele SCHÖN Saarbrücken2 234b; zisselen GRASSOW-HEIDELBACH Kassel 90a; ziseln, zieseln, zisseln etc. ++)

Dagegen finden sich im Rheinischen Wörterbuch folgende Einträge:

  • Zisseln: lose auseinanderstreuen, aufschütteln, aufrühren; Korn udgl. aus einem defekten Sack verlieren; lose aufhäufen, etwas lose in einen Behälter legen

auf-zisseln: -tsiz-, s- auflockern, etwa zu fest liegendes Heu od. Gras


++) Im Allgemeinen lässt sich dazu feststellen, dass „zisseln“ einerseits etwas mit „Auflockern, Schütteln“, andererseits mit ähnlicher Bedeutung des „Ver- und Zerstreuens“ auftritt. Die Herleitung des Begriffs „zisseln“ aus dem Plattdeutschen im Zusammenhang mit „Geld verzisseln oder Geld verzusseln“ ist sprachwissenschaftlich und logisch wenig überzeugend. Das dem Verb „zisseln“ zugeordnete Substantiv „Zissel“ käme demnach eine wenig nachvollziehbare Bedeutung zu. Nicht unbedingt überzeugender, aber im semantischen Sinne der o. g. Wörterbucheinträge ist eine überlieferte Geschichte aus dem Jahr 1925: Als wir an diesem Abend zu später Stunde, auf der Terrasse des damaligen Schwimmvereins zusammensaßen, und sahen, wie die letzten beleuchteten Boote sich langsam heimwärts bewegten, da sagte Walter Daume, einer der Hauptakteure bei jedem "Fulle Feez": "Jetzt verzisseln sie sich!" Damit hatte er, ohne es zu wollen, den Anstoß zu dem Namen des Festes gegeben.

Unabhängig davon, ob die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert oder nicht: Der Gebrauch des Verbs „verzisseln“ deckt sich mit den Wörterbucheinträgen und meint hier in der Verbindung mit dem Präfix ver- „fortgehen“, „sich auflösen, verstreuen“. Dem Substantiv „Zissel“ kommt demnach die Bedeutung der „Zerstreuung, Auflockerung“ zu und bedeutet letztlich nichts anderes als „Feier, Ablenkung suchen“ - und dies in klarer semantischer Abgrenzung zur "Kirmes", deren Wurzeln in der "Kirchmess, Kirchweih" liegen und letztlich christlich-religiösen Ursprungs sind. In dem gezeigten Sinn wird das Verb „zisseln“ auch heute noch gebraucht: Mäh gehn zisseln – feiern gehen.



Unterschieden wurde noch 1928 in den Fullezissel, Wagenzissel und Schiddsenfesdzissel


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