Zisselhering

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Zisselhering (oder sprachlich authentischer: der Zisselhäring) ist das Symbol des Kasseler Zissel, obwohl niemand jemals einen lebenden Hering in der Fulda hat schwimmen sehen. Auch seine ursprüngliche Bedeutung liegt im Dunkel der Volksfest-Geschichte. Während die einen meinen, er sei ein Durst verursachender Salzhering, vermuten andere einen in Kassel gern mit Pellkartoffeln gegessenen Schmandhering in ihm.

Beginn des Volksfestes

Tatsache jedenfalls ist, dass der Zissel erst beginnen kann, wenn der Hering – eine übergroße Kunststoffnachbildung in entsprechender Form – am Rondell unmittelbar am Fluss aufgehängt wurde. Ist das Fest vorbei, wird der Fisch wieder vom Haken genommen, bis zum nächsten Jahr.

Entführung im Jahr 1957

In die Entführung war war sogar die Kriminalpolizei involviert. Die Initiatoren waren Paul Schirakowski aus Dennhausen, sein Bruder Kurt, sein Cousin Hans-Dieter Köhler und weitere Kumpels.

Das Motiv der Jugendlichen: Der Hering, das Wahrzeichen des größten nordhessischen Volks- und Wasserfestes, war ihnen zu bunt.

Schirakowski und seine Freunde kannten sich bestens an der Fulda aus. Jeden Tag seien sie damals von der elterlichen Wohnung an der Fiedlerstraße in der Kasseler Nordstadt zum Bootshaus unweit der Drahtbrücke geradelt. Da die Eltern ein Faltboot über den Krieg gerettet hatten, konnten die Schirakowski-Brüder auch auf der Fulda paddeln.

Zwei Faltboote spielten auch eine Rolle bei der Entführung des Herings. Das Wahrzeichen war am Montagabend zum Abschluss des Volksfestes vom Rondell in die Fulda gelassen worden. Von dort trieb der Fisch stromabwärts bis zum Haus der Jugend. Dort wurde der Hering an Land gezogen.

Der damals 16-jährige Paul Schirakowski beobachtete das alles von der Alten Fuldabrücke und gab seinen Komplizen Handzeichen, die sich unten am Ufer aufhielten. Einer habe einen Polizisten, der sich in Nähe des Herings aufhielt, in ein Gespräch verwickelt. Die anderen nutzten die Gunst der Stunde, um den Fisch wieder ins Wasser zu ziehen und an die Faltboote zu binden. Gegen die Strömung zogen die Jungs den Hering zurück und versteckten ihn im Gebüsch neben dem Kurbad Jungborn.

Die Nachricht, dass der Fisch verschwunden ist, kam schnell Zisselrat Paul Flachsbarth zu Ohren. Mit einem angegebenen Wert von 50 DM meldete er den Hering als vermisst. Die Jungs hatten den Hering aber so gut versteckt, dass selbst von Bord des Polizei-Patrouillenbootes „Falke“ mit Argusaugen suchende Beamte vergeblich Ausschau nach dem Hering hielten. Die Fulda wurde bis Melsungen abgesucht.

Nachdem die Kripo sich auch noch eingeschaltet hatte und den Jungs zu Ohren gekommen war, dass die Entführung Konsequenzen haben könnte, hätten zwei Kumpels weiche Knie bekommen und sich gestellt, sagte Schirakowski im Sommer 2016. Die Clique wurde daraufhin ins Polizeipräsidium ans Königstor bestellt. Die Polizisten hätten zwar ein wenig gegrinst, ihnen aber auch unmissverständlich klar gemacht, dass sie so etwas nie wieder machen sollten. „Dann sagten sie zu uns, haut ab.“ Es gab keine Strafe.

Die Entführung blieb dennoch nicht folgenlos. Zisselrat Flachsbarth kündigte an, dass der Hering für den Zissel 1958 wieder eine andere Farbe bekommen sollte.

Entführung 1964

1964 wurde der Zissel bereits im Juni gefeiert und damals war der Stammplatz des Wahrzeichens am Kasseler Rathaus. Bis den Hering einige böse Buben in der Nacht zum Zisselsamstag ebenfalls entführten. Der Nachtwächter eines Kaufhauses hatte noch einige dunkle Gestalten gesehen, die einen meterlangen Gegenstand um kurz vor Mitternacht auf der Oberen Königsstraße Richtung Friedrichsplatz schleppten.

Die Besatzung von „Falke 10“ entdeckte den Hering noch in derselben Nacht. Er hing an einem Baum in der Karlsaue.

siehe auch

Weblinks