Zierenberg

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Zierenberg
Zierenberg Kirchturm.jpg
Blick zum Kirchturm
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 309
Fläche: 86,53 qkm
Einwohner: 6.580 (31. Dezember 2011)
Postleitzahl: 34289
Vorwahl: 05606
Kfz-Kennzeichen: KS
Adresse der
Stadtverwaltung:
Poststr. 20
34289 Zierenberg
Website: www.zierenberg.org
Ortsvorsteher (Zierenberg-Mitte): Jürgen Noll (UFW)
Bürgermeister: Stefan Denn (SPD)

Zierenberg ist eine Stadt im Landkreis Kassel im Naturpark Habichtswald.

Geografie

Zierenberg liegt im Tal der Warme im Naturpark Habichtswald zwischen dem Dörnberg und dem Großen Bärenberg. Nachbarstädte sind die Gemeinde Breuna im Norden, die Gemeinden Calden, Ahnatal und Habichtswald im Osten sowie im Südwesten und Westen die Stadt Wolfhagen.

Geschichte

Aus der Stadtgeschichte

Zierenberg wurde 1293 von Landgraf Heinrich I. (Enkel der Hl. Elisabeth) gegründet und diente dem hessischen Landgrafen zur Sicherung seiner Herrschaft im oberen Warmetal.

Schon einige Jahre später wurde der Ort als Stadt genannt; 1298 erhielt Zierenberg Stadtrechte verliehen. [1]

Von der Stadtbefestigung sind noch größere Teile vorhanden.

Mit der Stadtgründung im Jahre 1293 wurde auch der Bau der gotischen Stadtkirche begonnen.

Die Stadtkirche, mit ihren eindrucksvollen vorreformatorischen Wandmalereien ist bis heute ein Kleinod der alten Festungsstadt.

In unmittelbarer Nähe der Kirche steht das Rathaus von Zierenberg aus dem Jahre 1450. Das von Heinrich Brant um 1450 errichtete Rathaus ist das älteste gotische Fachwerk-Rathaus in Hessen.

Neben dem Rathaus stand einst die Synagoge, woran heute nur noch eine Gedenktafel erinnert.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Zierenberg Verwaltungssitz des landgräflich-hessischen Amts Zierenberg und während der Zeit des Königreichs Westphalen (1807–1813) des Kantons Zierenberg.

Bis zum Jahre 1821 bestand dann im damaligen Kurhessen, das Amt Zierenberg, das dem ehemaligen Amt Schartenberg nachfolgte.

Am Rande des Gipfelplateaus des Hohen Dörnbergs befindet sich eine Wallanlage aus keltischer Zeit. Auch Reste der Zierenberger Warte, ein aus dem Mittelalter stammender runder Steinturm und Aussichtsposten westlich der Stadt, sind noch zu besichtigen.

Seit 1923 wird der Dörnberg bei Zierenberg auch als Segelfluggelände genutzt.

Beim Novemberpogrom 1938, in Zierenberg bereits in der Nacht vom 8. auf den 9. November, wurden die Synagoge völlig zerstört, jüdische Wohnungen und Geschäfte durch SA- und SS-Leute überfallen und verwüstet, jüdische Mitmenschen misshandelt, der jüdische Friedhof schwer geschändet und verwüstet. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die 1897/1898 erbaute jüdische Synagoge.

Im Zuge der Neugliederung durch die hessische Gebietsreform entstand durch die Eingliederung der heutigen Ortsteile im Jahre 1972 eine Gemarkungsfläche von 7668 ha mit damals etwa 6.000 Einwohnern.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zunächst am 31. Dezember 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Escheberg und Hohenborn der Stadt Zierenberg an [2], später dann auch Oberelsungen, Burghasungen, Oelshausen und Laar.

Die evangelische Stadtkirche

Im Mittelpunkt der Stadt steht die spätgotische (heute evangelische) Kirche, eine Hallenkirche, deren Wände und Decke vollständig mit vorreformatorischen Malereien geschmückt sind.

Die Wandmalereien waren seit 1605 (im Zuge der sog. 2. Reformation in Hessen durch Landgraf Moritz) bis 1934 weiß übertüncht und wurden erst zu Zeiten des ehemaligen Pfarrer Seelig anlässlich einer Renovierung wiederentdeckt und freigelegt.

Ansicht mit dem Turm der Stadtkirche und dem Rathaus (rechts)

Mit dem Bau der Kirche wurde 1293 unter der Herrschaft des Landgrafen Heinrich I. begonnen, wobei in der ersten Bauphase bis etwa zum Jahre 1343 der Chorraum und die unteren Geschosse des Turms) errichtet wurden.

Im Jahre 1436 wurde das erste Langhaus der Kirche durch den Baumeister Hans Meynworten gegen das heutige größere ersetzt.

Im Jahr 1576 erhielten die Zierenberger die landgräfliche Erlaubnis, ihren Kirchturm mit den Steinen der ehemaligen Erzpriesterkirche St. Peter auf dem Schützeberg (bei Wolfhagen) zu vollenden.

Die Wolfhager ließen sich dies nach der Überlieferung zunächst nicht gefallen und nahmen den Zierenbergern 60 bis 70 Wagen Steine weg, warfen sie in den Weg und beschwerten sich beim Landgraf, allerdings ohne Erfolg.

Dabei sollen einige Steine auch nach Wolfhagen gelangt sein und wurden dort zum Bau der Mauer des neuen Friedhofs vor den Toren der Stadt verwendet.

Sehr viel zahlreicher sind allerdings die Reste der alten Kirche auf dem Schützeberg im Turm der Zierenberger Kirche zu finden, wo 1588 im oberen Umgang des Turmes auch das Portal der Schützeberger Kirche und eine Kreuzigungsgruppe eingebaut wurden.

Auch die Sandsteinplatten von der Schützeberger Kirche deckten noch bis vor 100 Jahren einen Teil des Dachs der Zierenberger Kirche.

Die 1934 wieder freigelegten Malereien aus dem 14. Jahrhundert (Chor) und 15. Jahrhundert (Langhaus) wurden 1958 und in der Zeit von 1998 bis 2006 restauriert.

Jüdische Gemeinde

Stadtansicht

Über viele Jahrhunderte hinweg hatte Zierenberg eine intakte Jüdische Gemeinde. Der Anteil ihrer Mitglieder an der gesamten Einwohnerzahl lag zwischen vier und sieben Prozent. Erste Ansiedlungen soll es bereits im 14. Jahrhundert gegeben haben. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Toten der jüdischen Gemeinde in Meimbressen beigesetzt; erst im Jahre 1846 wurde an der Ehlener Straße in Zierenberg ein eigener Friedhof angelegt, keine hundert Jahre später - im Jahr 1939 - war die Ruhestätte zerstört.

Etwa 40 Grabsteine soll es auf dem kleinen Friedhof gegeben haben, 90 Menschen waren bis dahin bestattet wurden. Als die Novemberpogrome 1938 begannen, gab es in Zierenberg nur noch 42 Juden. Viele hatten bereits das Land verlassen. Die meisten der Gebliebenen wurden in Lager deportiert, die Synagoge an der Mittelstraße zerstört. Bereits zu Beginn der 1930er wehte den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde ein scharfer, feindseliger Wind entgegen. Bei den Wahlen 1933 hatte die NSDAP in Zierenberg große Unterstützung erhalten. [3]

Zierenberger Türme

Kirchen

Altarraum der Zierenberger Stadtkirche

Literatur

Persönlichkeiten

Politik

Das Rathaus in Zierenberg

Bürgermeister

Am 28. September 2014 wurde Stefan Denn (SPD) mit 56,2% der Stimmen, gegen drei Gengenkandidaten, im ersten Wahlgang für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt, nachdem er erstmals am 14. September 2008 mit 50,9% auch im ersten Wahlgang gewählt wurde.

Er löste Jürgen Pfütze am 1. Januar 2009 ab, der zuvor in der Stichwahl am 10. Oktober 2002 mit einem Stimmenanteil von 58,6% zum dritten mal wiedergewählt worden war.

Bisherige Bürgermeister

* Conrad Brede 1856 - 1880
* Karl Kupferschläger 1880 - 1911
* Wiegand Pitz 1912 - 1933
* Wilhelm Schäfer 1933 - 1945
* Heinrich Ledderhose 1945 - 1948
* Konrad Bürgel 1948 - 1956
* Rudolf Walther 1957 - 1972
* Georg Hildebrand 1972 - 1984
* Horst Buchhaupt 1984 - 1990
* Jürgen Pfütze 1991 - 2008
* Stefan Denn 2009 -

Magistrat

Der von der Stadtverordnetenversammlung für die Legislaturperiode 2016-2021, am 25.04.2016 gewählte und von der neuen Mehrheit aus CDU, UFW und FDP zur Mehrheitsausweitung auf zehn ehrenamtliche Stadträte vergrößerte Magistrat setzt sich wie folgt zusammen:

* Bürgermeister Stefan Denn (SPD)
* Erster Stadtrat Helmut von Zech (FDP)
* (Stadträtin Gabriele Dörner-Knöppel (SPD) bis 31.07.2018)
* Stadtrat Richard Leck (SPD)
* Stadtrat Alexander Frese (SPD)
* Stadtrat Günter Fett (SPD)
* Stadtrat Dr. Rolf Balgheim (CDU)
* Stadtrat Heinz Behr (CDU)
* (Stadtrat Joachim Dorr (CDU) zusätzlich ab 30.05.2016 bis 31.07.2018)
* Stadtrat Jürgen Behr (UFW)
* (Stadtrat Ulrich Vreemann (UFW) bis 20.03.2017)
* Stadtrat Marco Weigelt (UFW) ab 20.03.2017

Parteien

Stadtverordnetenversammlung

Erg Stavo Zierenberg.jpg
Parteien und Wählergruppen %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 44,7 14 52,3 16 44,6 14 45,3 14
CDU Christlich Demokratische Union 25,9 8 21,9 7 24,9 8 23,6 7
UFW Unabhängige Freie Wählergemeinschaft 22,5 7 21,3 7 23,1 7
FDP Freie Demokratische Partei 6,9 2 4,6 1 7,4 2 7,5 2
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 16,2 5
FWG Freie Wählergemeinschaft 7,5 3
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 53,5 52,4 49,9 61,5

Schulen

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

Stadtkirche
  • Schloss Escheberg wurde im Jahre 1530 zunächst als Fachwerkbau errichtet und war Gutshof, Herrenhaus, und Edelsitz. Der Umbau im Jahre 1800 erfolgte im Charakter eines Biedermeiergebäudes. Die Anlage am Escheberg bei Zierenberg war im 19. Jahrhundert zur Zeit von Ernst Otto und Karl von der Malsburg Treffpunkt für Dichter und Künstler, darunter auch Louis Spohr und Emanuel Geibel.
  • Das Herrenhaus "Schloss Laar" aus dem Jahr 1790 liegt ebenfalls nur wenige Kilometer westlich von Zierenberg entfernt. Die restaurierte Mühle in der Nähe des Schlosses wird heute zur Stromversorgung genutzt.
  • Bereits seit 1923 wird der Dörnberg bei Zierenberg als Segelfluggelände genutzt. Ein Teilbereich mit einer Größe von 110 ha wurde im Jahre 1978 zum Naturschutzgebiet ausgewiesen.
  • Das ehemalige Kloster Hasungen in Burghasungen bei Zierenberg war ein Benediktinerkloster auf dem Hasunger Berg, eines der reichsten und schönsten Klöster in Hessen. Anlaß zur Gründung des Stifts Hasungen und des späteren Klosters war das Grab des heiligen Heimerad, der auf dem Berg wirkte. Nach seinem Tod entwickelte sich im Mittelalter ein bekannter Wallfahrtsort. Hier ließ Erzbischof Siegfried I. von Mainz neben dem Grab ein Kanonikerstift gründen und eine Kirche erbauen, die im Jahre 1074 eingeweiht wurde.
  • Die westlich der Stadt gelegene Zierenberger Warte - ein aus dem Mittelalter stammender runder Steinturm, der als Aussichtsposten diente, um die Bevölkerung vor feindlichen Angriffen zu warnen.
  • Etwa 2 km nördlich der Stadt finden sich auf der Randhöhe des Warmetals die Reste der Schartenburg, einer der ältesten Burgen in Hessen, die erstmals im Jahre 1124 urkundlich erwähnt wird.

siehe dazu auch:

Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele in der Umgebung

Katholische Kirche "Heilig Kreuz"
Zierenberg am Dörnberg
siehe dazu: Panorama Blick vom Dörnberg

siehe auch

Stadtteile

Einwohnerzahlen Dezember 2015:

Hauptwohnung Nebenwohnung Gesamt
Zierenberg 3738 177 3915
Oberelsungen 1267 45 1312
Burghasungen 930 30 960
Oelshausen 532 16 548
Escheberg 25 2 27
Laar 12 2 14
Hohenborn 16 2 18
Gesamt: 6.520 274 6794

Städtepartnerschaften

Die Stadt Zierenberg unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

  • Damvillers in der Nähe von Verdun in Frankreich,
  • Gattatico in der Poebene zwischen Reggio Emilia und Parma in Italien und
  • Ichtershausen in Thüringen.

Vereine

Schüler des TSV Zierenberg im Auestadion Kassel.

Freiwillige Feuerwehr

Sportvereine

Weitere Vereine

siehe auch:

Verkehrsanbindung

Bahnhof Zierenberg

Bahn

Zierenberg liegt an der Bahnstrecke Volkmarsen–Vellmar-Obervellmar. An der Bahnlinie liegen der Zierenberger Tunnel und das Zierenberger Viadukt.

Die Bahnstrecke ist Teil des Netzes der nordhessischen RegioTram Kassel, die seit dem 10. Dezember 2006 zwischen Wolfhagen und Kassel verkehrt.

Flughafen

Der nächstgelegene Flughafen ist der Flughafen Kassel-Calden.

Strasse

Die Bundesautobahn A 44 (Dortmund–Kassel) liegt nahe der Stadt, die über die Anschlussstelle Zierenberg (beim Stadtteil Burghasungen) und über die Bundesstraße B 251 zu erreichen ist.

Wandern

Habichtswaldsteig

Zum Vergrößern anklicken: Streckenverlauf des Habichtswaldsteiges

Der Habichtswaldsteig ist ein 85 Kilometer langer Wanderweg in Nordhessen. Der Premium-Wanderweg führt vom Edersee vorbei an Naumburg, Wolfhagen, Bad Emstal, Niedenstein und Schauenburg, vorbei am Kasseler Herkules nach Habichtswald und Zierenberg. Er kann aber auch andersherum gelaufen werden.

Auf ihrer Tour werden Wanderer vom scharfen Blick des Habichts begleitet. Der Greifvogel, der in der Region zu Hause ist, ist das Symbol für den neuen Habichtswaldsteig. Passend dazu lautet das Motto: "Auf den Schwingen des Habichts".

Der zweite Charakter des Habichtswaldsteiges ist der Bezug zur Grimmheimat und damit zu Märchen. Um den Berg der Fee läuft der Wanderer bei Breuna, im Land der Riesen befindet er sich bei Wolfhagen und im Tal der Quellen bei Naumburg. Auf der Burgruine der Schauenburg kann der Wanderer von vier überdimensionalen Thronen aus Eichenholz den Blick herrschaftlich über die weite Landschaft schweifen lassen.

Auf vier Etappen lässt sich der Habichtswaldsteig erwandern.

Weitere Wandertipps

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. R. Bremer: Hessens ältestes Fachwerkrathaus wird 550 Jahre alt, in: Mitteilungen des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde N.F. 36, 2000, S. 3 ff.
  2. Erlass des Hessischen Ministers des Innern vom 5. Januar 1971 - StAnz. 3/1971 S. 109
  3. HNA-online vom 11.10.2013: Auf dem Jüdischen Friedhof in Zierenberg sind Sepharden bestattet

Weblinks


Stadtteile der Stadt Zierenberg

Burghasungen | Escheberg | Friedrichsaue | Friedrichsstein | Hohenborn | Laar | Oberelsungen | Oelshausen | Rangen | Sieberhausen | Zierenberg


Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel
WappenLkKassel.jpg

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