Ziegenhain

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Steinernes Haus
heute Museum der Schwalm

Ziegenhain ist ein Stadtteil von Schwalmstadt im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen mit etwa 4.180 Einwohnern. In Ziegenhain gibt es 29 Vereine.

In den Jahren 1821 bis 1974 war Ziegenhain Kreisstadt des Landkreises Ziegenhain, seit 1974 ein Teil des Schwalm-Eder-Kreises.

Geografie

Lage und Gemarkung

Ziegenhain liegt am Nordrand des Ziegenhainer Beckens in der Schwalmniederung an der Schwalm. Der alte Siedlungskern wird von zwei Schwalmarmen sowie dem Wallgraben umfasst.

Die Gemarkung hat eine Größe von ca. 1.132 Hektar.

"Die Langen Hessen"

Nach Ziegenhain führte, vom Rhein-Main-Gebiet über Grünberg, Homberg (Ohm) und Willingshausen kommend, der südliche Teil der alten Landstraße "Die Langen Hessen".

Südlich von Ziegenhain kam von Kirchhain über Neustadt ein nördlicher Zweig der "Langen Hessen". Beide Straßen trafen im Nordosten Ziegenhains auf den Hauptstrang der "Langen Hessen", welcher von Treysa kommend, weiter nach Hersfeld führte. Diese Straße war zugleich Teil der alten Messestraße von Köln nach Leipzig.

Heute führen an Ziegenhain die Bundesstraßen 254 und 454 vorbei.

Geschichte

Am Wallgraben von Ziegenhain:
Stolz steht die Kanone am ehemaligen Festungseingang. Sie erinnert an die kriegerischen Zeiten, als die Grafen von Ziegenhain im politischen Geschehen mitmischten.
Foto: Andreas Lages

In Ziegenhain entstand wohl bereits im Hochmittelalter eine Burganlage zur Sicherung des Schwalmüberganges. Ziegenhain erscheint erstmals 1144 in einer Urkunde, als die "Grafen de Cigenhagen" erwähnt werden. Die Grafen waren ein Zweig der Grafen von Reichenbach und Wegebach und benannten sich seither nach ihrer Burg in Ziegenhain.

Eine Siedlung "Zigenhagen" in der Nähe der Burg wird erst um 1230 erstmals ausdrücklich bezeugt. Diese wird in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer Stadt ausgebaut und erhält im Jahr 1274 Stadtrechte. Durch den Ausbau der Burg zu einem repräsentativen Residenzschloss wurde die Entwicklung Ziegenhains stark vorangetrieben.

Nach dem Tod des letzten Grafen im Jahre 1450 fiel die Grafschaft an die Landgrafen von Hessen. 1470 wurde die Burg in Ziegenhain zu einem Schloss umgebaut. Im gleichen Jahr begannen Planungen Ziegenhain zu einer Wasserfestung umzubauen. Diese Pläne wurden aber erst von Landgraf Philipp I. von 1537 bis 1545 verwirklicht. 1577 bis 1579 wird das Magazin, später Fruchtspeicher, errichtet.

Im ehemaligen Amtshaus im Renthofbereich war von 1567 bis 1857 das hessische Samtarchiv untergebracht.

Schloss Ziegenhain
heute Justizvollzugsanstalt
Angeblich schönstes Fachwerkhaus Deutschlands

Um 1600 wird das Schloss erneut umgebaut. Die im Norden gelegene Vorstadt Weichaus vor den Stadttoren Ziegenhains wurde 1625 mit Wällen, Gräben und zwei Bollwerken befestigt. 1659/60 wird das "Steinerne Haus" an Stelle eines älteren Burgmannsitzes errichtet. Es ist das Haus des Stadtkommandanten.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Ziegenhain nur durch das Philippstor im Norden zugänglich. Es war zugleich die Verbindung zur Vorstadt Weichaus.

1807 werden die unzerstört gebliebenen Festungsanlagen Ziegenhains geschleift. Im Jahre 1842 wird das Schloss zu einem Zwangsarbeitergefängnis mit 400 Gefangenen umgebaut. Der ehemalige Fruchtspeicher dient ab 1882 als Gefängnis für weibliche Gefangene.

Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine nennenswerte Stadterweiterung über den Bereich der historischen Stadt und Vorstadt hinaus. Von 1902 bis 1937 entstanden neue Häuser an der Hessenallee. Nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Neubauten in den Gebieten "Am Fünften", "Am bunten Bock", "Hinterm Schloss" und "Am Hain".

Im Jahr 1928 werden Teile der aufgelösten Gutsbezirke Schafhof und Forst Neukirchen nach Ziegenhain eingemeindet.

1956 wird die Frauenstrafanstalt aufgelöst. Seither ist sowohl im Fruchtspeicher wie im Schloss ein Männergefängnis, heute Justizvollzugsanstalt untergebracht.

Seit dem 31. Dezember 1970 ist Ziegenhain ein Stadtteil von Schwalmstadt.

Das "Steinerne Haus" beherbergt heute das Museum der Schwalm. Dieses widmet sich der Geschichte und Kultur der ehemaligen Grafschaft Ziegenhain sowie der Schwälmer Region. Gegenüber liegt das angeblich schönste Fachswerkhaus Deutschlands, in dem heute ein Hotel untergebracht ist.

Landräte des Landkreises Ziegenhain nach 1945 waren: Heinrich Treibert (SPD). Friedrich Klar (FDP). Albert Pfuhl (SPD).

Kirchen

Evangelische Kirche

  • Die Schlosskirche in Ziegenhain wurde 1665 als Garnison- und Stadtkirche erbaut und 1667 eingeweiht. Sie ist als reformierte Predigtkirche gebaut.
  • Das Evangelische Dekanat befindet sich im Gebäude Paradeplatz 3.

Katholische Kirche

Salatkirmes

Die Ziegenhainer Salatkirmes gehört zu den grossen Heimatfesten in Nordhessen.

Sie findet in jedem Jahr 14 Tage nach Pfingsten statt.

Der geschichtliche Ursprung geht zurück auf das Jahr 1728, als Landgraf Karl versuchte, die Schwälmer Bauern vom Kartoffelanbau zu überzeugen und zu einem Kartoffel- und Salatessen nach Ziegenhain einlud.

siehe auch

Wandern

Weblinks


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