Wolfsanger

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Wolfsanger
Wolfsanger.jpg
Basisdaten
Geographische Koordinaten: 51° 12′ N, 08° 56′ O
Fläche: km2
Eingemeindung: 1936
Einwohner: 6.795
(Stand 1. Juni 2007)

Wolfsanger ist ein Bezirk Kassels im nordöstlichen Stadtteil Wolfsanger/ Hasenhecke.

Geografie

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

2010: 6732 Einwohner (Ausländeranteil: 470 Einwohner = 7 Prozent)

Der Stadtteil

  • Wolfsanger/Hasenhecke ist ein nordöstlich der Kernstadt gelegener Stadtteil Kassels. Obwohl nur fünf Straßenbahnhaltestellen von der Innenstadt entfernt, hat sich dieser Bezirk zu großen Teilen seinen dörflichen Charakter bewahrt.
  • Für den typischen Wolfsangerer sind sein 1936 eingemeindeter Stadtteil und „die Stadt“ zwei verschiedene Gemeinwesen. Man lebt zwischen Wald, Feldern, Wiesen und der Fulda. Aufgrund der Hanglage haben die meisten Häuser im Bereich Wolfsanger/Hasenhecke den ganzen Tag Sonne. Von überall blickt man über die Fuldaauen Richtung Niestetal und Söhre.
  • Zwischen dem alten Dorf und der Hasenhecke entstand seit 2005 Kassels größtes Neubaugebiet. Im Ort herrscht ein reges Vereinsleben.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

  • Wolfsangers erste Erwähnung geschieht in einer Urkunde Kaiser Karl des Großen vom 1. Dezember 811, ausgestellt zu Aachen. Kaiser Karl der Große beurkundet 811 und 813 zu Aachen zwei Diplome für die sächsischen Adligen Bennit und Asig. In der Urkunde wird erwähnt dass die sächsischen Adligen Amalung und Hiddi nach Wolfsanger emigriert seien. Wolfsanger ist damit der älteste Vorort Kassels und 100 Jahre älter als Kassel selbst.
  • Im Jahre 1019 schenkt Kaiser Heinrich II. den Ort Wolfsanger an das Kloster Kaufungen. Wolfsanger erhält das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes am Sonnabend und eines dreitägigen Jahrmarkts zum Johannisfest.
  • Wolfsanger war auch Gerichtsstätte, bereits um 1100 wurde hier Recht gesprochen.

Die Dorfkirche

Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg zur Kirche, Wolfsgraben/ Ecke Hörnebachweg
Johannis-Kirche vor der Zerstörung 1943

Die alte Dorfkirche (Johannis-Kirche) wurde 1725 von Landbaumeister Giovanni Ghezzi mit Unterstützung des Landgrafen Karl gebaut.

Sie ist die Nachfolgerin einer älteren Johanneskirche, die schon im Jahre 1019 erwähnt wurde.

Der Standplatz der Kirche ist der Opferberg. In unittelbarer Nähe der Kirche befand sich der Osterbrunnen.

Am Opferberg befand sich vermutlich in vorchristlicher Zeit eine alte Feuer- und Opferstätte.

Wenige hundert Meter östlich lag der „Metzelstein“.

Über dem Haupteingang der Kirche gibt es eine Inschrift in lateinischer Sprache, die auf den Bauherrn und das Baujahr hinweist.

Inschrift:

CAROLUS HASSORUM PRINCEPS CELSISSIMUS AEDEM HANO IUSSIT SULTUS SUPPEDITANDO STRUI RITE DEO CULTUS SACER UT PRAESTETUR IN ILLA ET VERBO PASCI GREX PIUS INDE QUEAT: COMMUNI OBSEQUIO SUNT HINC FUNDAMINA LACTA EXSTRUCTA AEDILIS DEXTERITATE DOMUS DESUPER ADSPIRANS DIVINI FLAMINIS AURA COELESTI COETUM DUCE FIDEQUE BEET: MDCCXXV

Über den zugemauerten früheren kleineren Unterdorfeingang der Kirche gibt es eine weitere Inschrift, diesmal auf Deutsch die auf den damaligen Pfarrer und den Baumeister hinweist:

STEH LESER; STEH UND LAS DIR DAS ZUR NACHRICHT SAGEN; WENN DU MICH ETWAN SOLST UM MEINEN MEISTER FRAGEN; MICH BAUTE GHEZZI FLEIS IN EINEM HALBEN JAHR

A__L__S G__L__E__IC__H H__I__ER __VVI__E__D__EK__I__N__D__ DER ZE__I__TEN PFARRER __VV__AR.

WÜNSCH ABER AUCH MIT MIR; DAS DIE IN SEGEN STEHEN; DIE SEELICH AUS UND EIN DURCH MEINE THORE GEHEN

Die Jahreszahl 1725 ergibt sich aus der Summe der unterstrichenen lateinischen Zahlen.

19. und 20. Jahrhundert

Die gesellschaftliche Situation des Dorfes Wolfsanger wurde schon immer durch die Nähe zu Kassel bestimmt. Kassel war zu Fuß mit einem akzeptablen Zeitaufwand zu erreichen, was dazu führte, dass viele Einwohner von Wolfsanger ihren Arbeitsplatz in Kassel hatten, wo sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große Industriebetriebe etabliert hatten.

In Kassel war es aber verboten, den 1. Mai (Tag der Arbeit) mit Umzügen und Demonstrationen zu begehen. Das führte dazu, dass die Kasseler Arbeiter zunächst bis zur Stadtgrenze marschierten, dann ihre Transparente entrollten und durch Wolfsanger zu Raabes Felsenkeller, einem bis zur Zerstörung im II. Weltkrieg populären Ausflugslokal, marschierten. Dabei passierten sie auch den Amtshof, das alte Gerichtsgebäude, dessen Besonderheit darin bestand, dass Freigesprochene es vorne über „Die Freiheit“ verlassen konnten. Verurteilte traten über den Hinterausgang den Weg zum Galgenberg an.

1903 wurde ein Bürgerverein gegründet, dessen Mitglieder der SPD nahestanden. Doch erst 1907 wurde in der Gemeindeschänke, dort, wo heute die Ernst-Freudenthal-Halle steht, der SPD-Ortsverein gegründet. Unter den ersten Mitgliedern finden sich heute noch in Wolfsanger bekannte Namen wie Kerl, Holzapfel oder Rölke.

Eingemeindung

Wolfsanger wurde 1936 in die Stadt Kassel eingemeindet.

Obwohl 1936 eingemeindet, konnte sich Wolfsanger seinen dörflichen Charakter vorerst erhalten. Im damaligen Ort gab es 28 Bauernhöfe und ca. 270 Wohnhäuser die meisten davon waren in einfacher Fachwerkbauweise errichtet.

Bombenangriff

Luftaufnahme. Deutlich zu sehen sind die Bombentrichter, die sich über das gesamte Bild verteilen

Das bis dahin so bekannte und vertraute Ortsbild sollte sich radikal ändern als neben Kassel auch Wolfsanger am 03. Oktober 1943 bombadiert wurde. Wolfsanger wurde durch Brand und Sprengbomben schwer getroffen.

Ein großer Teil der Überlebenden wurde nach den Angriffen evakuiert. Es waren nur noch wenige Häuser bewohnbar. Auch das Haus meiner Urgroßeltern in der heutigen Fuldatalstraße 124 wurde schwer getroffen.

Nur die Grundmauern blieben stehen, ein Wiederaufbau war möglich. Meine Mutter erzählte mir, dass sie als Kind mitgeholfen hat das Haus wieder aufzubauen.

Quelle: Heimatfreunde Wolfsanger

Gastronomie in Wolfsanger

Wolfsanger verfügt über fünf Speiselokale bzw. Wirtshäuser mit einem veritablen Speisen-Angebot. Zwei davon, das Landhaus Meister und das Wirtshaus Löbel, bieten nachmitags auch Kaffee an. Eine typische (Dorf-)Kneipe rundet das Gastro-Angebot ab.

Die wohl bekanntesten Ausflugsziele sind das traditionsreiche Wirtshaus Löbel, Wolfsanger Straße 140, Eingang Fuldatalstraße (www.wirtshaus-loebel.de) und das Landhaus Meister (www.landhaus-meister.de). Das Wirtshaus Löbel kann auf eine mehr als 10-jährige Gastronomie-Tradition zurückblicken. Bekannt ist es in Kassel auch unter dem Namen „Bille & Boule“. Wie dieser Name schon vermuten lässt, kann dort Billard und in der warmen Jahreszeit auch Boule gespielt werden. Inhaber Michael Löbel ist Vorsitzender des Kasseler Billard-Clubs und gibt auch regelmäßig Kurse in dieser Sportart. Ansonsten bietet das Wirtshaus gut bürgerliche Küche für den großen und kleinen Hunger mit Räumen für bis zu 100 Personen, die dort ihre Feier abhalten können. Der Biergarten verfügt über 120 Plätze auf zwei Ebenen.

Das Landhaus Meister liegt vis-á-vis des Wirtshauses am äußeren Stadtrand von Kassel an der Fuldatalstraße. Direkt hinter dem Landhaus beginnt die Fuldaaue. Dies verleiht dem Biergarten, in dem man unter Schatten-spendenden Bäumen sitzt, eine besonders anheimelnde Atmosphäre. Das Restaurant hat, unterteilt in verschiedene Bereiche, 150 Sitzplätze. Gefeiert werden kann in einem Saal, der 120 Personen fasst. Die Speisenkarte und die Qualität der Speisen sind dem gehobenen Genre zuzuordnen. Das Preisniveau ist dafür erfreulich niedrig. Auch im Landhaus Meister kann Sport getrieben werden: Im Basement gibt es drei Doppelkegelbahnen.

Auch hinter dem Wirtshaus Patte an der Fuldatalstraße steht eine mittlerweile 100-jährige Tradition. Den Namen hat es von seinem früheren Inhaber und Besitzer, den man in Wolfsanger nur „Patte“ rief. Die Wirtshaus-Tradition wird aber von den heutigen Betreibern fortgesetzt. Ein Kuriosum indes ist die Kneipe Roßpfad-Klause am gleichnamigen Pfad. An diesem Ort, von den Stammgästen auch „Fliege“ genannt, beginnt das Leben erst später am Abend. Hier darf geraucht werden, hier ist die Szene unter sich. Die „Fliege“ hat eine Facebook-Seite. Erstaunlich, wer sich darauf schon alles verewigt hat. Ebenfalls zu Wolfsanger gehört das zirka 1,5 Kilometer vom Ort entfernte Hotel und Restaurant Roter Kater, ein bekanntes Ausflugsziel (und Tagungshotel) an der Fulda

Persönlichkeiten

Holger Börner

Ein prominenter Name, untrennbar mit der Sozialdemokratie und dem Stadtteil Wolfsanger verbunden, ist der Name Holger Börner. Hermann Börner, Vater des späteren hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner, wurde 1906 in Wolfsanger geboren. Der Werkzeugdreher und spätere Maurer übernahm 1930 im Alter von 24 Jahren den Vorsitz der Wolfsanger-SPD. 1933 wurde er von den Nazis wegen Hochverrat angeklagt und kam in ein Konzentrationslager. Während des Krieges wurde er in Russland eingesetzt, wo er 1941 durch eine Mine ums Leben kam.

Seine Frau Martha Börner gehörte nach dem Krieg zu den Frauen der ersten Stunde, die sich aktiv am Neuaufbau der Demokratie beteiligten. 1946 wurde sie Stadtverordnete in Kassel. Im gleichen Jahr trat Sohn Holger Börner, gerade 15 Jahre alt, als Mitglied der sozialdemokratischen Jugendorganisation Falken bei. Mit 25 Jahren wurde er Stadtverordneter, mit 26 Jahren war er jüngster Bundestagsabgeordneter in Bonn. Von 1976 bis 1987 war er Hessischer Ministerpräsident.

Politik

Oberbürgermeister und Magistrat

Oberbürgermeister der Stadt Kassel von 2005 bis 2017 ist Bertram Hilgen, SPD.

Der Oberbürgermeister hat den Vorsitz im Magistrat, der Verwaltungsbehörde der Stadt. Der Kasseler Magistrat setzt sich zurzeit aus fünf hauptamtlichen und 13 ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern zusammen, die die Bezeichnung Stadträtin bzw. Stadtrat führen.

Außer dem Oberbürgermeister werden alle Mitglieder des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Am 5.3.2017 wurde Christian Geselle, SPD zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt; er erhielt im ersten Wahlgang 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit wird Geselle Nachfolger des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Bertram Hilgen, der seinen Platz im Juli offziell räumen wird.

Kommunalwahl 2006

Bei den Ortsbeiratswahlen 2006 erhielten die SPD 50,99% (5 Sitze), die CDU 33,21% (3 Sitze), die Grünen 9,28% (1 Sitz) und die FDP 6,52% der abgegebenen Stimmen.

Kommunalwahl 2011

Bei den Ortsbeiratswahlen am 27. März 2011 erhielten die SPD 49% (4 Sitze), die CDU 28,55 % (3 Sitze), die Grünen 15,78%, die Freien Wähler 4,95% (1 Sitz) und die FDP 1,72% der abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,64 %. Ortsvorsteher ist Alfred Langner (SPD).

Parteien

siehe auch

Spitzname

Banschlauchbiedel ist normalerweise ein harmlos gemeinter Spitzname für "Spanisch Lauch" (und anderes Gemüse) züchtende Gärtner in Wolfsanger.

Vereine

Die Feldhandball-Mannschaft des TSV Wolfsanger anlässlich der Einweihung des neuen Sportplatzes im Jahr 1960 zeigt dieses Foto von Hans Werner Haas mit (von links) Wilfried Humburg, Peter Hübner, Walter Müller, Hans Werner Haas, Walter Appel, Gerhard Morbitzer, Bernd Paulsen, Horst Winter, Wolfgang Raabe, Helmut Müller und Günter Lumm.

VFL

VFL Wolfsanger - Verein für Laienspiele Kassel-Wolfsanger 1961 e. V.

Feuerwehr

Sport

Weblinks



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