Wolfgang-Medding-Straße (Korbach)

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Er schrieb den Klassiker der Stadtgeschichte

Meddings 1955 veröffentlichtes Buch über die Korbacher Stadtgeschichte ist heute ein Klassiker.

Wolfgang Medding: "Korbach: Die Geschichte einer deutschen Stadt" 1955, Stadt Korbach.

Die WoIfgang-Medding-Straße ist eine Wohnstraße im Nordosten der Stadt, in der Nähe des Paul-Zimmermann-Sportplatzes. In einem Bogen führt sie vom Eidinghäuser Weg zur Otto-Nord-Straße. Sie erinnert an einen Historiker, der sich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts intensiv mit der Geschichte der Stadt Korbach befasst hat. Wer war Dr. Wolfgang Medding ? Vermutlich gibt es nur noch wenige Korbacher, die ihn persönlich gekannt haben. Seine Aufenthalte waren hier ja auch immer nur von kurzer Dauer. Dennoch hat er sich um die Stadt Korbach in hervorragender Weise verdient gemacht. Er war zwar nicht der erste, der Korbacher Geschichte erforscht und niedergeschrieben hat, aber nie zuvor hat es eine so umfangreiche und in die Details gehende Zusammenfassung gegeben, wie in Wolfgang Meddings Buch Korbach: "Die Geschichte einer deutschen Stadt" das 1955 von der Stadt Korbach herausgegeben wurde. Ab 1934 arbeitete Medding beim Bezirkskonservator in Kassel. 1936 kam Dr. Wolfgang Medding nach Korbach. In der Tasche hatte er einen Auftrag des Bezirkskonservators, die Kunstdenkmäler Korbachs und der Umgebung zu inventarisieren. Mit großem Fleiß erfasste er die künstlerisch wertvollen Bauwerke, Plastiken und Gemälde, auch die handwerklichen Kunst- und Gebrauchsgegenstände. Auf diese Weise kam er von der Kunstgeschichte zur allgemeinen Geschichte der Stadt. 1937 stellte ihm Bürgermeister Dr. Zimmermann die Frage: "Wollen Sie die Geschichte der Stadt Korbach schreiben?". In der Rückschau erweist sich Meddings Zusage als ein Glücksfall für Korbach. Für ihn selbst war sie der Beginn einer Lebensaufgabe. Bei seiner - sich über Jahre hinziehenden - Arbeit konnte Medding zurückgreifen auf reichlich vorhandenes Material im Korbacher Stadtarchiv und die Waldecker Archivalien des Staatsarchivs Marburg, aber auch auf Vorarbeiten so bedeutender Waldecker Historiker wie Adolf Varnhagen, Carl und Louis Curtze, Heinrich Langenbeck, Hermann Genthe und Albert Leiß. Aber auch der Waldeckische Geschichtsverein und das Archiv der Alten Landesschule stellten ihm zahlreiche Handschriften und andere bedeutsame Materialien zur Verfügung. Bereits nach zwei Jahren musste Medding seine Arbeit niederlegen. Der 2. Weltkrieg, den er von Anfang bis Ende als Soldat miterlebte, legte ihm Pflichten ganz anderer Art auf. 1946 kehrte er schwer krank aus der Kriegsgefangenschaft heim. Im Winter 1947 konnte er seine Arbeit wieder aufnehmen. Obwohl er 1950 als Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege für die Pfalz in Speyer einen neuen Wirkungskreis fand, setzte er unermüdlich seine Arbeiten an der Korbacher Stadtgeschichte fort.

1955 konnte sie schließlich der Öffentlichkeit übergeben werden. Seitdem hat das Werk mehrere Neuauflagen erlebt, zuletzt 1988 aus Anlass des Jubiläums 800 Jahre Verleihung des Soester Stadtrechts". Auch wenn heute Veranlassung besteht, hier und da an Forschungsergebnissen und Schlussfolgerungen Korrekturen vorzunehmen, so bleiben Meddings Verdienste unbestritten. Wer sich mit der Geschichte der Stadt Korbach befasst, greift gern auf Medding zurück. Zum Korbacher Ehrenbürger ernannte die Stadt Korbach Dr. Wolfgang Medding am 06. März 1960. Er wurde am 7. Mai 1900 in Berlin geboren. Studierte Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie, Geschichte und Philosophie in Berlin, München, Freiburg und Köln. 1927 promovierte er in Köln zum Dr. phil. Er starb am 27. Januar 1968 im Alter von 68 Jahren. Die Stadt Korbach ehrte Dr. Medding am 6. März 1960, am Tag vor seinem 60. Geburtstag, mit der Ernennung zum Ehrenbürger.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.

Literaturhinweis

Wolfgang Medding: "Korbach: Die Geschichte einer deutschen Stadt" 1955, Stadt Korbach.