Wissmannstraße

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Wissmannstraße verbindet im Kasseler Stadtteil Forstfeld den Forstbachweg mit dem Westzweig der Ochshäuser Straße Sie ist eine Wohnstraße in der sog. Städtischen Siedlung, die Ende der 30er Jahre erbaut wurde. Beim Bau der Siedlung gab es den Auftrag, die Straßen nach alten deutschen Kolonien zu benennen, bzw. Personen, die sich dort hervorgetan haben. Die Wissmannstraße wurde benannt nach Hermann von Wissmann, der von 1853-1905 lebte, er starb nach einem Jagdunfall in den Alpen. Als 28jähriger gelang ihm, was noch keinem Europäer gelungen war und was als undurchführbar galt: die Durchquerung Zentralafrikas von West nach Ost. Aufgrund dessen gewann ihn der belgische König, den Kongo zu erforschen, was er erfolgreich tat, danach wandte er sich der Erforschung Ostafrikas zu. Auf einem Gedenkstein in der Steiermark steht: „Dem kühnen Forscher - Deutschlands größtem Afrikaner“. So weit, so gut - das wäre ja für einen Straßennamen in Ordnung, aber das, was danach geschah, war nach heutiger Sicht alles andere als ehrenwert. 1884 war der Deutsche Carl Peters in Sansibar gelandet, um nach Ostafrika überzusetzen. Er gründete die DOAG (Deutsch-Ostafrikanische-Gesellschaft) und ließ sich von sprach- und schriftunkundigen Häuptlingen „Schutzverträge“ unterschreiben und hatte seiner Meinung nach nun Herrschaftsansprüche auf 4 ostafrikanische Länder erworben. Bismarck stand dem Unternehmen skeptisch gegenüber und nannte das ihm Vorgelegte: „ein Stück Papier mit Neger-Kreuzen drunter“. Nachdem Wissmann damit gedroht hatte, die Länder dem belgischen König anzubieten und im Deutschen Reichstag die kolonialistisch Gesinnten eine große Rolle spielten, ließ er einen kaiserlichen Schutzbrief ausstellen, was der Grundstein für die spätere Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ war. So wurde man damals Kolonialmacht. Die Afrikaner wollten sich diese Prozedur aber nicht gefallen lassen, es kam zum sog. Araberaufstand. Jetzt entschloss sich das Deutsche Reich einzugreifen, um den deutschen Besitzstand zu wahren. Weil Wissmann afrikaerfahren war, wurde er zum Hauptmann und Reichskommissar für Ostafrika berufen, mit 60 deutschen Offizieren und Unteroffizieren in Ostafrika eine Truppe aus Einheimischen aufzustellen. Von Kaiser Wilhelm II hatte er den Auftrag erhalten: „Siegen Sie!“ – und das tat er, aber wie? Fünf aufgekaufte Schiffe und ein Kreuzergeschwader unterstützten die Truppe. Wissmann gilt heute als Hauptakteur eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Kolonialgeschichte, Schätzungen zufolge fanden 300.000 Ostafrikaner (und 16 Deutsche) den Tod. Am 1. Mai 1895 wurde Wissmann zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt. Es ist nicht anzunehmen, dass die Nationalsozialisten die Straße nach dem Wissenschaftler benannten, sie hatten sicher eher den Kolonialeroberer im Sinn. Es wäre aus heutigem Empfinden sinnvoll, die Straße umzubenennen, weil es aber den 296 Bewohnern der Wissmannstraße nicht zuzumuten ist, die Kosten und Umstände für das Ändern der Papiere zu übernehmen, bleibt der Straßenname wohl noch lange erhalten.

--Falk D. Urlen 09:54, 22. Mär. 2009 (UTC)----


Links