Wilhelmstraße in Kassel

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Auf dem Ständeplatz, mit Blick in die Wilhelmsstraße, 1906; links das Eckhaus Ständeplatz 15, rechts die Landeskreditkasse und dahinter ein Teil der damaligen Husarenkaserne (ehem. Garde-du-Corps-Kaserne).

Ab 1833/34 wurde eine Stadterweiterung im Nordwesten Kassels in Angriff genommen. Als Hauptstraße war der heutige Ständeplatz konzipiert: ein breiter Boulevard nach dem Vorbild der „Linden“ in Berlin, mit seitlichen Fahrbahnen und einer baumbestandenen Promenade in der Mitte. Dabei sollte die Friedrich-Wilhelms-Straße, wie der Ständeplatz bis 1867 hieß, von der Friedrichsstraße bis etwa zur heutigen Kleinen Rosenstraße reichen, wurde aber nur schrittweise und schließlich in verkürzter Gestalt realisiert.

Als der Maurermeister Wilhelm Grau um 1850 das Mietshaus Ständeplatz 15 errichtete, war er Vorreiter einer neuen Entwicklung: Seit Jahrzehnten prägten schlichte Putzfassaden das Kasseler Stadtbild, war sogar das lebhafte Fachwerk der älteren Stadtteile unter Putz verschwunden. Auch die jüngste Stadterweiterung seit 1833/34, mit dem heutigen Ständeplatz als zentralem Boulevard, entsprach bislang diesem Bild.

Der Grausche Neubau zeigte dagegen verschiedenfarbige Ziegel und reiche Terrakotta-Ornamente in Anlehnung an oberitalienische Renaissanceformen. Vorbild waren die neuen Eisenbahngebäude des Kurfürstentums, und tatsächlich stammten die Entwürfe des Hauses vom Ingenieur und Architekten Edmund Hacault, einem gebürtigen Belgier, der im kurhessischen Eisenbahnbau beschäftigt war.

Bald wurde die Ziegelbauweise immer beliebter; und auch der Neubau der Landeskreditkasse von 1868/69 folgte jenen Stilformen (gegründet 1832, heute Landesbank Hessen-Thüringen). Das Material lieferte meist die Möncheberger Gewerkschaft, eine 1822 von Henschel gegründete Ziegelei.

Zunehmend wurde auch die Bandbreite der verwendeten Stilformen größer, die Neugotik auch bei Wohnhäusern beliebt; die angrenzenden Gebäude Wilhelmsstraße 1 und 3 wurden um 1872/73 dann als neugotische Ziegelbauten vom Maurermeister und Bauunternehmer August Zahn errichtet (angeblich nach Entwürfen des bedeutenden Neugotikers Carl Schäfer). Und um 1882/83 folgten Wolfsschlucht 2 und Wilhelmsstraße 5 in Formen der Neurenaissance.

siehe auch