Wilhelmine-Rüdiger-Straße

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Die Wilhelmine-Rüdiger-Straße in Korbach

Auch Arme sollten Heilung finden

Die Namensgeberin begründete eine Stiftung, mit der eine Heilanstalt für arme Kranke finanziert wurde. Die Wilhelmine-Rüdiger-Straße, eine Wohnstraße im Krankenhaus-Viertel, nimmt ihren Ausgang an der Herbst-breite, überquert den Neuen Weg und endet an der Adolf-Varnhagen-Straße. Die Frau, die ihr den Namen gab, Charlotte Wilhelmine Auguste Rüdiger, war eine Wohltäterin der Stadt. Am 28. April 1793 wurde sie in Bergheim geboren. Ihr Vater Carl Friedrich Rü-diger stammte aus Butzbach. Er war gräflich-waldeckisch-berg-heimischer Hofrat und Justiziar, ab 1804 bis zu seinem Tode 1834 Rechtsanwalt in Korbach. Ihre Mutter Sophie Louise war eine Tochter des Korbacher Oberkommissars August Schumacher und seiner Frau Dorothea Marie, geborene Wigand. Wilhelmine Rüdiger hatte ein Vermögen von 20\x0f000 Reichstalern geerbt. Nach Abzug zweier Legate für die beiden Korbacher Kirchen St. Kilian und St. Nikolai begründete sie am 24. Oktober 1859 eine Stiftung. Sie bestimmte, dass ihr Vermögen zur Einrichtung einer Heilanstalt für arme Kranke verwendet werden sollte.

Kranke Personen aus Korbach, aber auch die aus der eigenen Verwandtschaft, sollten bei der Aufnahme eine besonde-re Bevorzugung erhalten. Sie verfügte, dass die beiden Korbacher Pfarrer, der Bürgermeister und der Kreisarzt die Aufsicht über die Heilanstalt führen sollten. Rechtsanwalt Adolf Rübe sollte die Verwaltung übernehmen, zum leitenden Arzt bestimmte sie Dr. Friedrich Rübe. Die Rüdiger-Heilanstalt wurde 1871-73 als Verlängerung des wenige Jahre zuvor erbauten Hospitals am Enser Tor errichtet und 1874 in Betrieb genommen. 1910 konnte dieses Gebäude den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr genügen. Es wurde an die Hospital-Stiftung verkauft. Vom Verkaufserlös, der durch Sammlungen und weitere Stiftungen aufgestockt werden konnte, wurde am Ende der Enser Straße ein neues Gebäude errichtet. Dieses noch bestehende Haus ist der Ursprung des heutigen Stadtkrankenhauses Hessenklinik, Rüdiger- und Bangert-Stiftung. Ein steinernes Wappen der Familie Rüdiger, das der Heilanstalt zierte, wurde später in die äußere Stadtmauer am. Enser Tor eingemauert. Hier führt es seit Jahren ein kaum beachtetes Dasein. Eine schlichte Erinnerungstafel an Wilhelmine Rüdiger, die am 18. Juli 1867 verstorben war, befand sich vor dem Haus Nr. 7 in der nach ihr benannten Straße. Diese Tafel war seit Jahren so marode, dass sie keine Zierde mehr darstellte. Vor einiger Zeit wurde sie entfernt. Ob sie wohl durch eine neue ersetzt wird?

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.