Wilhelm Schmidt

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Wilhelm Schmidt (1858–1924), war Erfinder mit einer Vielzahl von Patenten und Gründer der »Schmidt’schen Heißdampf-Gesellschaft m.b.H.« in Kassel - Wilhelmshöhe, die heute zum Alstom-Konzern gehört.

Wilhelm Schmidt stammte aus Wegeleben bei Halberstadt, wo er am 18. Februar 1858 geboren wurde.

Der "Schöpfer der Heißdampf- und Hochdrucktechnik" war befreundet mit Gustav Henkel. Sein Heißdampf-Prinzip erhöhte den Wirkungsgrad von Dampfmaschinen beträchtlich.

Er starb am 16. Februar 1924 in Bethel bei Bielefeld; seine Beisetzung erfolgte am 21. Februar 1924 auf dem Friedhof von Kassel - Wahlershausen. Die Grabrede hielt seinerzeit Pastor von Bodelschwingh.

Leben und Wirken

Artikel in der HNA vom 15.7.2010

Er heizte der Dampfmaschine ein

Die Schmidt’sche Heißdampfgesellschaft wurde vor 100 Jahren gegründet - Erfindungen heute noch aktuell

Kassel. Der Mann war ein Genie, er hat in Kassel bahnbrechende Erfindungen gemacht und auch die Lokomotiventwicklung bei Henschel maßgeblich beeinflusst. Am 16. Juli 1910, also genau vor 100 Jahren, gründete Wilhelm Schmidt die Schmidt’sche Heißdampfgesellschaft. Die gehört heute zum Alstom-Konzern, ist aber vielen noch unter dem alten Namen bekannt.

Wilhelm Schmidt, nach dem eine Straße in Bad Wilhelmshöhe benannt ist, sammelte Patente wie andere Leute Briefmarken. 1200 waren es im Laufe eines Berufslebens, bei dem er im wahrsten Sinne des Wortes ständig unter Dampf stand. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, wurde in Wegeleben bei Halberstadt geboren und arbeitete nach einer Schlosserlehre in Dresden. Schon früh fiel der junge Mann durch seine außergewöhnlichen Ideen auf. Die Professoren der Technischen Hochschule wurden auf ihn aufmerksam. Das angebotene Studium lehnt Wilhelm Schmidt ab, er will lieber forschen. Das Prinzip der Dampfmaschine fasziniert ihn, er tüftelt, konstruiert und meldet mit 22 Jahren sein erstes Patent an.

1907 nach Kassel
Wilhelm Schmidt war ein ruheloser Mensch. Von Aschersleben, wo er Teilhaber einer Maschinenfabrik war, zog es ihn 1897 mit seiner Frau Martha und den drei Kindern nach Kassel. Wohl auch deshalb, weil er hier eng mit Gustav Henkel zusammenarbeiten konnte.

Der Fabrikant hatte mit der Henkelschen Gebirgsbahn zum Transport von Kohle aus den Zechen im Habichtswald den Vorläufer der legendären Herkulesbahn geschaffen. Die Kohle brauchte er für den Betrieb seines Elektrizitätswerks am Palmenbad. Henkel unterstützte Wilhelm Schmidt, der nicht nur mit Henschel zusammenarbeitete, sondern auch mit der Hamburger Werft Blohm & Voss. Der von ihm entwickelte Überhitzer sorgte für deutlich leistungsfähigere Maschinen. Das Prinzip ist bis heute aktuell und wird zum Beispiel in Schiffskesseln verwendet.

Für seine Verdienste wurde Wilhelm Schmidt zum Ehrendoktor der Technischen Hochschule Karlsruhe und zum königlichen Baurat Wilhelms von Preußen ernannt. Die Weiterentwicklung seiner Erfindung zum Hochdruckdampf erlebte er nicht mehr. Wilhelm Schmidt starb 1924 und wurde auf dem Wahlershäuser Friedhof in Bad Wilhelmshöhe beigesetzt.

Seine Nachfolger betrieben die Schmidt’sche Heißdampfgesellschaft weiter. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde das Firmengebäude in Bad Wilhelmshöhe zerstört. In Bettenhausen ging es mit der Heißdampfgesellschaft weiter. 1995 entstand durch eine Fusion die Firma Alstom Energy Systems SHG GmbH, die heute unter dem Namen ARVOS GmbH | SCHMIDTSCHE SCHACK firmiert. Die drei Buchstaben SHG für Schmidt’sche Heißdampfgesellschaft verschwanden im Jahr 2000.

von Thomas Siemon

Literatur

  • Edgar Braun, Wilhelm Schmidt, der Schlosserjunge mit dem Doktorhut, Bremen 1938

siehe auch

Weblinks