Wilhelm Ludwig von Eschwege

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Der von Wilhelm Ludwig von Eschwege erbaute Palácio Nacional da Pena ist ein Schloss in der portugiesischen Stadt Sintra.
Freiherr Wilhelm Ludwig von Eschwege (geboren am 15. November 1777 auf der Wasserburg Aue, Hessen, gestorben am 1. Februar 1855 in Wolfsanger bei Kassel, war ein deutscher Bergmann, Geologe, Geograph und Abenteurer.[1]

Familie

Er entstammte dem zur Althessischen Ritterschaft gehörenden Adelsgeschlecht derer von Eschwege. Er war ein Sohn des Landrats und Rittergutsbesitzers Johann Christian Ludwig von Eschwege (1746–1798) und dessen Ehefrau Sophie, geb. Mosebach (1753–1813). 1823 heiratete er Sophie von Baumbach (1785–1869), Tochter des kurhessischen Landrats Ludwig Wilhelm von Baumbach (1755-1811)[2][3]

Leben

Von Eschwege genoss die Ausbildung der Bergmänner in Göttingen und nahm danach seine erste Stelle als Beamter in Richelsdorf an. 1803 zog er nach Portugal, um dort als Hauptmann der Artillerie eine Eisenhütte im Krieg gegen Napoléon Bonaparte zu leiten. Als Lissabon kampflos in die Hände der Franzosen fiel, floh der portugiesische König über den Atlantik in seine Kolonie Brasilien, um von Rio de Janeiro aus sein Weltreich zu regieren. Der Freiherr von Eschwege folgte ihm. Er sollte die brasilianisch-portugiesischen Bergleute nach deutschem Vorbild ausbilden. In Brasilien erstellte er die ersten Karten und Profile der Gesteinsschichten, die je dort gemacht wurden. Bald wurde er zum gefragten Experten für Edelsteine. Mit dem Ende der napoleonischen Kriege kehrte Von Eschwege in die Heimat zurück. Dort wollte er mit einem neuen Verfahren, das er entwickelt hatte, Gold gewinnen, dass man in der Eder gefunden hatte. Mit Millioneninvestitionen der Kasseler Oberschicht brachte er nach drei Jahren harter Arbeit jedoch nur 330 Gramm Gold hervor. 1835 zog er wieder nach Lissabon. Dort baute er für den portugiesischen König ein Schloss in den Bergen. Das Bauwerk ist bis heute ein beliebtes Touristenziel. 1850 kehrte er in die Heimat zurück, wo er fünf Jahre später starb.[4]

Werke

  • Journal von Brasilien oder vermischte Nachrichten aus Brasilien, auf wissenschaftlichen Reisen gesammelt. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1818 (2 Hefte, hrsg. von Friedrich Justin Bertuch)
  • Geognostisches Gemälde von Brasilien und wahrscheinliches Muttergestein der Diamanten. Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1822
  • Brasilien: Die neue Welt in topographischer, geognostischer, bergmännischer, naturhistorischer, politischer und statistischer Hinsicht während eines elfjährigen Aufenthaltes von 1810 bis 1821; mit Hinweisung auf die neueren Begebenheiten. Vieweg, Braunschweig 1830 (2 Bände)
  • Beiträge zur Gebirgskunde Brasiliens. Reimer, Berlin 1832
  • Pluto brasiliensis: Eine Reihe von Abhandlungen über Brasiliens Gold-, Diamanten und anderen mineralischen Reichthum, über die Geschichte seiner Entdeckung, über das Vorkommen seiner Lagerstätten, des Betriebs, der Ausbeute und die daraufbezügliche Gesetzgebung u.s.w. Reimer, Berlin 1833
  • Portugal: Ein Staats- und Sittengemälde in Skizzen und Bildern nach dreißigjährigen Beobachtungen und Erfahrungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1837

Nachlass

Der Nachlass Wilhelm Ludwigs von Eschwege enthält Personalpapiere sowie die private und wissenschaftliche Korrespondenz des Oberberghauptmanns. Die Unterlagen werden als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg (Bestand 340 Wilhelm Ludwig von Eschwege) aufbewahrt, sind vollständig erschlossen und über HADIS online recherchierbar.[5]

Literatur

  • Hanno Beck: Eschwege, Wilhelm Ludwig von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 652
  • Hanno Beck: Wilhelm Ludwig v. Eschwege - der bahnbrechende Brasilienforscher (1777-1855). In: Hanno Beck: Große Reisende. Entdecker und Erforscher unserer Welt. Verlag Georg D. W. Callwey, München 1971, ISBN 3-7667-0190-8, S. 146-160
  • Wilhelm von Gümbel: Eschwege, Wilhelm Ludwig von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 6, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 373.
  • Sylk Schneider: „Brasilianische Diamanten und Mineralien - John Mawe und Wilhelm Ludwig von Eschwege“: in: Schneider Sylk, Goethes Reise nach Brasilien, Weimar 2008 ISBN 978-3-937939-69-8; S. 44-65.
  • Uwe Schwarz: Wilhelm Ludwig von Eschwege (1777-1855). Ein deutscher Bergmann und Geograph in Brasilien. In: Tópicos. Deutsch-Brasilianische Hefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 40 (2001), 1/2001, ISSN 0949-541X, S. 30-32 (Zusammenfassung des am 18. November 2000 in der Karl Rahner Akademie Köln gehaltenen Vortrages im Rahmen der offenen Fachtagung „500 Jahre Brasilien“)
  • Friedrich Sommer (Hrsg.): Wilhelm Ludwig von Eschwege, 1777-1855: Lebensbild eines Auslanddeutschen mit kulturgeschichtlichen Erinnerungen aus Deutschland, Portugal und Brasilien. Ausland u. Heimat, Stuttgart 1928

Quellen und Links

  1. Aus HNA.de vom 31. Januar 2015: Vor 160 Jahren starb Wilhelm Ludwig von Eschwege
  2. http://www.stammreihen.de/getperson.php?personID=I755103B&tree=tree1&PHPSESSID=f175460a027aa7f03f901253e6acf2aa
  3. August von Baumbach: Geschichte der zur althessischen Ritterschaft gehörenden Familie von Baumbach. Elwert, Marburg, 1886, S. 43-44
  4. Aus HNA.de vom 31. Januar 2015: Vor 160 Jahren starb Wilhelm Ludwig von Eschwege
  5. Übersicht über den Bestand „Nachlass Wilhelm Ludwig von Eschwege (340 Wilhelm Ludwig von Eschwege)“ Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 26. Mai 2015