Wilhelm Fischer

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Ansprache des Zweiten Vorsitzenden Hermann Neumeyer zur Eröffnung der Ausstellung anlässlich des 25. Todesjahres des Malers Wilhelm Fischer (1894-1979) in der Kulturhalle Wolfhagen

Gemälde von Wilhelm Fischer

Kultur in der Wolfhager Kulturhalle, das heißt nicht nur Theater, Musik und Comedy, das heißt auch im wahrsten Sinne des Wortes einfach Kunst, bildende Kunst und vor allem Kunst der Malerei, so wie sie ein jeder von uns in seinem Herzen verspürt, wenn er nur seinen Augen folgt und sich ein wenig Zeit nimmt, Zeit, die unser Maler Wilhelm Fischer für Wolfhagen immer hatte, als er in den Wolfhager Altstadtwinkeln seine Staffelei aufbaute und die Romantik der Dächer und Gassen auf sich einwirken ließ, bis die tiefe Nachmittagssonne mit ihren kontrastreichen Lichtverhältnissen ihn dann schließlich zu emsiger Schaffenskraft beflügelte. Aber auch die Morgensonne inspirierte ihn, vor allem, wenn sie es wagte, die zarten Schleier der Nebelschwaden im Erpetal in eigenwilligen Farben kontrastreich zu beleuchten. Das ließ den Romantiker Wilhelm Fischer nicht untätig, gerade dann, wenn ihm die Natur, hier im Erpetal oder anderswo, während der Morgenstunden derartig stimmungsvolle Hintergründe für seine Bilder präsentierte. Als Bewahrer der Schöpfung, durchaus im religiösen Sinne, beeilte er sich immer,in seinen Bildern den natürlich gewachsenen Zustand festzuhalten, noch bevor ihn fehlgeleitetes Menschenwerk, um mit seinen Worten zu sprechen,verunstalten konnte. Umweltsünden oder gar Umweltkatastrophen benötigen nicht der künstlerischen Interpretation. Sie sind so oder so schlimm genug. Aber jeder Mensch hat ein Gewissen dafür, wie er die von seinen Vätern und Müttern übernommene Umwelt an seine Kinder weiterzugeben hat. Selbst dafür bietet Wilhelm Fischer als naturalistischer Maler in seinen Bildern eine seiner Zeit entsprechende Antwort. Verehrte Festgemeinde, liebe Gäste, verzeihen Sie mir bitte, dass ich meine ersten Gedanken heute Abend posthum unserem lieben Wolfhager und böhmischen Maler Wilhelm Fischer und nicht Ihnen gewidmet habe. Aber: Er steht heute Abend und an den beiden folgenden Tagen dieser Ausstellung im Mittelpunkt.Und Sie sind alle seine Gäste. Wilhelm Fischer wird Sie reichlich bewirten und versorgen mit ca. 110 Ölbildern, Aquarellen, und Zeichnungen, davon die meisten im Original, mit denen er Wolfhager Personen porträtiert und einzigartige Einblicke in Wolfhager Straßen und Plätze sowie Landschaften des Wolfhager Landes festgehalten hat.

Unter unseren Gästen darf ich als Zweiter Vorsitzender des Veranstalters,des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen in Kooperation mit dem Kulturverein Wolfhagen,besonders begrüßen Herrn Bürgermeister Reinhard Schaake, Herrn Stadtverordnetenvorsteher Werner Kunz, Herr Landrat Dr. Udo Schlitzberger hätte auch gern an der Veranstaltung teilgenommen, er ist jedoch dienstlich verhindert und lässt herzlich aus Fulda grüßen, Herrn Dekan Gernot Gerlach, Herrn Willi Fischer als Sohn von Wilhelm Fischer, die Vertreter der Geldinstitute Sparkasse, Raiffeisenbank und Volksbank,Herrn Helmut Schröder als Vertreter der Sparkassenstiftung, den Leiter des Regionalmuseums Wolfhagen, Herrn Dr. Axel Lindloff sowie seinen Vorgänger, Herrn Wolfgang Halfar, die Künstlerin Frau Gisela Petschner,die ebenso wie Wilhelm Fischer die ersten Lebensjahre im Egerland verbrachte, und den Künstler Eberhard Heinemann, den Leiter der Polizeistation Wolfhagen, Herrn Robert Grau, den ehemaligen Leiter der Volkshochschule Wolfhagen, Herrn Günter Kozica und die örtliche Presse. Nicht vergessen aber möchte ich schließlich die Grußworte unseres Ersten Vorsitzenden Richard Mangold,der sich zur Zeit noch in Amerika befindet und am Sonntag zurückkommt. Er wünscht der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf. Wenn jemand aus dem Kreis dieser Ehrengäste über die bereits in der Einladung angekündigten Grußworte hinaus ebenfalls noch ein Grußwort sprechen möchte,kann er das selbstverständlich tun. Ja, meine Damen und Herren, Wilhelm Fischer war nicht nur durch sein malerisches Können eine herausragende Persönlichkeit,er fand auch während der Stationen seines langen Lebens die ihm gebührende Anerkennung: 1941 „Kulturpreis Oberdonau“ der Stadt Linz, 1955 Aufnahme in Hans Vollmers „Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler“, 1968 „Kulturpreis der Stadt Passau“ und 1969 Verleihung der Verdienstmedaille seiner egerländischen Heimatstadt Graslitz in Aschaffenburg. Nach seiner Jugendzeit in Graslitz im Egerland, seiner Studienzeit mit zahlreichen Auszeichnungen in Prag und der Blütezeit seines Schaffens in Krummau an der Moldau im Böhmerwald lebte er schließlich von 1948 bis zu seinem Tod am 10. Oktober 1979 31 schaffensreiche Jahre lang, und damit den größten Teil seines Lebens, in Wolfhagen. Auch in Wolfhagen fand er schnell Anerkennung,was durch eine Gedenktafel und eine Ausstellung im Regionalmuseum im Jahr 1980 zum Ausdruck kam. Dennoch war man im Heimat- und Geschichtsverein Wolfhagen schon seit einiger Zeit der Ansicht, dass im Vergleich zu den großen Ehrungen, die Fischer zu Lebzeiten in Linz, Passau und Aschaffenburg erfahren hatte, auch aus Wolfhagen noch ein weiteres Zeichen des Dankes gesetzt werden sollte, ein Zeichen des Dankes für all die Werke, in denen vor allem in den sechziger Jahren beseitigte Häuserfronten in seinen Bildern weiterleben können. Dafür bot sich die heute beginnende Ausstellung in seinem 25. Todesjahr an. In diesem Zusammenhang muss ich unwillkürlich an Hans Staden denken. Auch dieser Wolfhager Bürger, der 400 Jahre vor Fischer lebte, ging durch seine großen Verdienste in die Geschichte ein. Natürlich ist auch er in Wolfhagen bekannt und geschätzt, aber auch in dem Maße, dass man daraus sein Lebenswerk nämlich die Erforschung der südamerikanischen Indianer am Rio de La Plata ablesen könnte? Sein Lebenswerk erschließt sich eher an anderer Stelle, etwa bei der angesehenen brasilianischen Staden-Stiftung in Sao Paolo. Gegenüber Hans Staden und Wilhelm Fischer hatte es da – nebenbei bemerkt – der relativ unbekannte Malerbruder Emil Ludwig Grimm der wesentlich bekannteren Märchenbrüder Jakob und Wilhelm Grimm schon einfacher. Ihm genügten nur ein paar Wochen Aufenthalt in Wolfhagen als Soldat während der napoleonischen Befreiungskriege, um Wolfhagen im Zuge der touristischen Weiterentwicklung zum Attribut „Märchenstadt“ zu verhelfen. Doch nun wieder zurück zu Wilhelm Fischer. Fischers technisches Können wird besonders deutlich in seinen Portäts. Gesichtszüge, Haare und Proportionen sind exakt herausgearbeitet. Diesen Realismus seiner Bilder findet man auch bei vielen Landschaftsbildern und Darstellungen von alten Kirchen, Bauernhöfen und Türmen. Er gibt sich dem Realismus aber als Romantiker hin, wenn er solche Objekte und Motive bevorzugt, in denen sich das historisch Gewachsene bis hin zur Vergänglichkeit alles Irdischen zeigt.

Moldaumusik

Als Romantiker ließ er sich auch von der Musik inspirieren, wie wir von seinem Krummauer Weggefährten und Freund Hans Reichert wissen. So wie ein Komponist sein Anliegen in Melodien fasst und verarbeitet, fasste auch Wilhelm Fischer seine Objekte in Farben. Bereits als Fünfjähriger bemalte er in seiner Geburtsstadt Graslitz eine Geige des dort ansässigen Geigenbauers mit Farben - zu dessen Entsetzen, aber zu seiner Freude - in Anlehnung an die Töne, die diese Geige von sich gab. Seine zweite Heimat war das Gebiet der oberen Moldau im Böhmerwald, und auch in der von Friedrich Smetana komponierten Musik eben zu dieser Moldau, die wir im Hintergrund hören, klingen die Empfindungen dieser böhmischen Landschaft durch, die ihn in der Mitte seines Lebens begleitete und die auch noch in seinen Bildern hier in der Halle zu spüren ist. Aber darauf wird später noch Herr Lindemann in seinen Ausführungen zum Aufbau der Ausstellung im Einzelnen eingehen. Ich aber wünsche Ihnen in unserer Ausstellung jetzt noch viele schöne Stunden der Erbauung an diesen ausdrucksstarken Bildern mit ihren zahlreichen Erinnerungen.