Wildunger Hexenprozesse

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Der Zeit der Hexenverfolgungen fielen in Bad Wildungen (in drei Prozesswellen: 1532, 1629-1631 und 1650-1664) insgesamt 78 Menschen zum Opfer.

Geschichte

Bei der sogenannten europäischen Hexenverfolgung von 1450 bis 1750 handelte es sich nur zum Teil um eine kirchliche Aktion gegen „Ketzer“, wobei die Verfolgung und Hinrichtung von Hexen auch in den Reformatoren Martin Luther oder Johannes Calvin Befürworter fand.

In zahlreichen Fällen erfolgte die Verfolgung der Hexen aufgrund von Denunziationen aus der Bevölkerung, besonders während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648).

Im größten hessischen Territorium, der Landgrafschaft Hessen-Kassel, fanden unter Landgraf Wilhelm IV. (1567-1592) und seinen Nachfolgern relativ wenige Prozesse und Hinrichtungen statt. Aus dem Dorf Dittershausen ist allerdings überliefert, dass 1574 die Dittershäuser Bäuerin Elisabeth Eskuche wegen Ehebruchs, Mordtat, Hurerei und Zauberei angeklagt war und seinerzeit ein umfangreiches Verfahren von überregionaler Bedeutung unter auffallend intensiver Beteiligung des Landgrafen geführt wurde.

Aus einer erst vor einiger Zeit veröffentlichten Korrespondenz mit seinem Bruder, Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt wird deutlich, dass Landgraf Wilhelm in späteren Jahren größere Zurückhaltung übte. In der Korrespondenz aus dem Jahre 1582 versuchte er, mäßigend auf seinen Bruder einzuwirken und ihn davon zu überzeugen, dass viele Hexereigeständnisse Hirngespinste seien.

Hexenverfolgung in Waleck-Frankenberg

Deutlich anders verliefen die Verfolgungen auch in der ehemaligen Grafschaft Waldeck. Überliefert ist aus dem alten Nieder-Wildungen der erste Hexenprozess im Jahr 1532 gegen Gertraud Muck.

Nach einer Welle von Hexenverfolgungen in den Jahren 1575 bis 1578 begann 1629 unter Graf Christian von Waldeck eine Periode von Verfolgungen, die bis 1632 andauerte und 29 Opfer forderte.

Eine weitere Prozesswelle fand unter Graf Philipp VII. von Waldeck in den Jahren 1650 bis 1664 statt, mit weiteren 38 Opfern, darunter im Jahr 1656 der Prozess gegen Susanne Weber, der Tochter von Maria Rörig, die Jahre zuvor - von September 1630 bis Mai 1631 - die Folter standhaft ausgehalten hatte und daraufhin freigelassen worden war.

Schauplatz mancher Hexenverurteilung in Bad Wildungen war die 1857 am Lindentor gefällte Gerichtslinde. Für die Durchführung der „peinlichen Befragung“ war im Wildunger Rathaus eigens ein Raum mit den notwendigen Utensilien und Instrumentarien eingerichtet. Rund 70 Hexenprozesse sind für Wildungen belegt, und für die meisten gibt es umfangreiche Protokolle, die zum Teil akribisch die Vorwürfe, aber auch Folterungen festhalten.

Bei den weitaus meisten angeklagten Personen handelte es sich um ältere Frauen und junge Mädchen; aber in Wildungen wurden auch acht Männer als Hexenmeister verurteilt. In vielen Fällen handelte es sich um Außenseiter oder Zugezogene.

Die Vorwürfe lauteten dann zum Beispiel im Fall der Trina Hüdding, „sie sei mit Hilfe einer schwarzen Salbe zum Schornstein hinaus auf die Zaubertänze gefahren“. Anna Weipracht soll durch Zauberei dem Kantor Meister das Bier im Keller verdorben haben. Bei den „Ermittlungen“ gingen die zuständigen Zeitgenossen nach heutigen Maßstäben grausam und zynisch vor. Denn um sicherzugehen, dass man es mit Hexen zu tun hatte, wurde häufiger zusätzlich zur Befragung eine Wasserprobe durchgeführt. In etwa dort, wo sich heute das Freibad des Heloponte befindet, war früher der Teich der Ölmühle. Um die Schuld oder Unschuld von Personen, die als Hexen angeklagt waren, festzustellen, wurden diese an Händen und Füßen gefesselt auf das Wasser geworfen. Gingen sie unter und ertranken, war dies der Beweis ihrer Unschuld; blieben sie oben, waren sie offensichtlich mit dem Satan im Bunde und wurden angeklagt und in den allermeisten Fällen auch zum Tode verurteilt.[1]

Literatur

  • Karl Eichler, Die Wildunger Hexenprozesse, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont Nr. 24, (1927), S. 103 - 126
  • Ralf Flagmeier, Hexenprozesse und sozialer Wandel in Korbach, in: Geschichtsblätter für Waldeck Nr. 79, (1991), S. 67 - 118

siehe auch

Quellen und Weblinks


Einzelnachweise

  1. Artikel in der „Waldeckischen Landeszeitung – Frankenberger Zeitung“ vom 3. Januar 2011 „Auch Männer mussten dran glauben“