Wetterstation

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Daten sammeln bei Wind und Wetter

Rund um die Uhr im Stundentakt werden die Kasseler Wetterdaten von der Wetterstation an der Dönche in die Zentrale des Deutschen Wetterdienstes nach Offenbach gesendet.

Gerhard Pschenica, seit über 20 Jahren einer von sechs Wetterdiensttechnikern in Kassel, ist nicht glücklich über die Ausstattung "seiner" Wetterstation. Im Vergleich zu den Nachbarstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Gießen, Hersfeld, Göttingen und auf der Wasserkuppe werde Kassel vernachlässigt. Mit "vorsintflutlichen" Anlagen aus den Nachkriegsjahren, die allesamt noch elektromechanisch funktionieren, muss er sich herumschlagen. Im nächsten Jahr soll mit neuer Digitaltechnik alles besser werden. Ein Zeichen dafür, daß sich etwas tut, ist der Schaukasten mit Wetterinformationen, der seit drei Wochen nach zähem Genehmigungskampf vor der Station begutachtet werden kann.

Beim Blick zurück auf die Geschichte der Wettermessung in Kassel kann Gerhard Pschenica auf einen dicken Band aus dem Jahr 1939 zurückgreifen. Das Reichsamt für Meteorologie hat dieses Buch herausgegeben. Bereits 1863 wurden die ersten meteorologischen Messungen für Kassel verzeichnet, auch wenn in diesem Jahr noch kein zentraler Wetterdienst vorhanden war. Die ersten Aufzeichnungen vom DWD gibt es ab 1946. Begonnen hat alles am 15.Juni 1946 mit der Wetterstation in Harleshausen im teilzerstörten Gebäude der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt am Versuchsfeld 11-13 am 15. Juni 1946 unter Leitung von Herrn Dr.Bürger. . Nach der Zwischenstation im ehemaligen Generalkommando (1951 bis 1953) gab es bis 1977 an der Heckerstraße eine Wetterwarte. Der wichtigste Unterschied zur Wetterstation: In einer Warte arbeiten Meteorologen, die selbst Wettervorhersagen erstellen dürfen.

Wind und Sonne

Dafür sind die Kollegen in Offenbach zuständig, die stündlich mit den Kasseler Daten versorgt werden. In der rund um die Uhr besetzten Wetterstation an der Heinrich-Schütz-Allee arbeiten Gerhard Pschenica und seine fünf Kollegen jeweils zwölf Stunden im Wechselschichtdienst. Für die stündlichen Meldungen werden in der sogenannten "Klimahütte" Windparameter wie Stärke, Richtung und Böigkeit ermittelt, die Luft- und Erdbodentemperatur ebenso gemessen wie die Feuchtigkeit. Normalerweise sollte man die Meßergebnisse in der Station ablesen können. Dafür ist die Technik viel zu veraltet. Ein Gang zu dem kleinen weißen Kasten - bei jedem Wetter - wird somit erforderlich. Draußen sind auch kleine Behälter für Niederschlagsmessungen aufgestellt. Und auf dem Dach der kleinen Wetterstation wird - besonders für Solartechnik, Landwirtschaft und Umwelt interessant - zum einen die Sonnenstrahlung mittels eines Solarimeters gemessen, zum anderen dient ein Sonnenscheinautograph der Feststellung, wie lange die Sonne geschienen hat.

Das wichtigste Instrument ist jedoch das menschliche Auge. Wolkenbeobachtungen sind eine der Grundlagen für eine Vorhersage. Daran wird sich nach Ansicht der Praktiker so schnell nichts ändern. Noch so viel Technik kann langjährige Erfahrung nicht ersetzen, auch wenn die Entwicklung von vollautomatischen Stationen in eine andere Richtung tendiert.

Wer sich für die Wetterstation in der Heinrich-Schütz-Allee 225 interessiert, kann sich unter KS 311515 melden. Auch Schulklassen sind willkommen. Informationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gibt's im Internet unter www.dwd.de